
- Die Große Depression - Elke Handke / pixelio.de
„Die Große Depression zu verstehen, ist der Heilige Gral der Makroökonomie. Dieses Zitat aus der Forschungsarbeit „Essays on the Great Depression“ des heutigen US-Notenbank Chefs Ben Bernanke verdeutlicht den hohen Grad an Komplexität der Ursachen, der zur Weltwirtschaftskrise führte.
Die goldenen Zwanziger
In den USA spielte die drastische Erhöhung der Produktionskapazitäten eine wesentliche Rolle. Produkte wie Kühlschranke, Radios und Autos für den Mittelstand wurden Dank neuer Technologien am Fließband produziert. Das zügige Wirtschaftswachstum der goldenen Zwanziger bewirkte ein Stimmungshoch an der Börse. Aktienkurse stiegen rapide an, immer mehr Menschen, darunter auch zahlreiche Privatanleger, sahen darin die Chance auf hohe Renditen. Die ungleichmäßige Vermögens- und Einkommensverteilung in der Bevölkerung begünstigte zusätzlich die hohe Nachfrage an der Börse, so erzielten rund fünf Prozent der Bevölkerung über ein Drittel des gesamten Einkommens. Finanzielle Mittel, die nicht für Konsum benötigt wurden, flossen in Spekulationen an der Börse. Dahingegen ließen sich Investoren, die nicht über genügend liquide Mittel verfügten, aufgrund der optimistischen Stimmung dazu verleiten, hohe Kredite aufzunehmen um Aktien kaufen zu können. Vielfach war es geplant, die Kredite für den Kauf von Aktien durch die Gewinne derselben zurückzuzahlen.
Ruhe vor dem Sturm
Doch unter das Hochgefühl mischte sich nach und nach kollektiver Zweifel. Wie konnte es sein, dass alle an der Börse gewinne machten? Wo kam der Aufschwung plötzlich her? Skeptische Großanleger zogen sich nach und nach vorsichtig zurück. Unbestimmte Gerüchte wurden laut, dass die Kurse bald fallen sollten. Immer mehr Anleger, die teilweise Haus und Hof für den Kauf von Aktien beliehen hatten, wurden nervös. Zeitzeugen berichten, dass ein „ungutes Gefühl“ in der Luft lag, „die Ruhe vor dem Sturm“.
Der Schwarze Freitag
Bis heute konnten Wissenschaftler nicht ermitteln, welche konkrete Ursache den Anlass für die kollektiven Panikverkäufe am 24. Oktober 1929, dem „Schwarzen Donnerstag“ gab, der Aufgrund der Zeitverschiebung in Europa als „Schwarzer Freitag“ in die Geschichte einging. Innerhalb weniger Stunden wurden ca. 13 Mio. Aktien von 974 Unternehmen veräußert, etwa das Vierfache eines normalen Tagesumsatzes. Der Dow Jones Industrial Index fiel zunächst von 306 auf 272 Punkte, damit wurden rund 11 Milliarden Dollar Börsenwert, ca. 1,5 Prozent des damaligen Bruttosozialproduktes der USA, innerhalb weniger Stunden vernichtet. Bereits am nächsten Tag meldeten die ersten Banken ihre Zahlungsunfähigkeit. Um Verluste zu kompensieren, wurden weiterhin Aktienpakete in ungewöhnlichen Größenordnungen verkauft. Am 29. Oktober wurden etwa 16,4 Mio. Aktien umgesetzt, ein negativer Rekord, der erst knapp 40 Jahre später gebrochen wurde. Durch den rapiden Kursverfall verloren etliche Anleger ihr Vermögen und konnten Kredite nicht mehr zurückzahlen. Die ausbleibenden Zahlungen führten zahlreiche Banken in die Insolvenz, die dadurch verursachte Geldknappheit implizierte eine Verteuerung der Kredite. Weitere Unternehmen waren somit nicht mehr in der Lage ihren Verbindlichkeiten nachzukommen, Entlassungen waren die Folge.
Folgen der Großen Depression
Fast 13 Millionen Arbeitslose, etwa ein Viertel der erwerbsfähigen Bevölkerung, rund 5.000 insolvente Banken und der Verlust von Vermögen in Milliarden-Höhe resultierten aus der Großen Depression in den USA. Die US-Regierung war damit vor eine schwierige konjunkturpolitische und soziale Aufgabe gestellt.
Bis heute wird die Große Depression, mit der aufgrund der Verflechtung der globalen Märkte eine Weltwirtschaftskrise einherging, als Maßstab für wirtschaftlich schwache Zeiten und Krisen verwendet.
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