Gründerkrise 1873

Der Übergang von der „ersten“ zur „zweiten“ Industriellen Revolution wurde von der Gründerkrise, die bis 1879 andauerte, überschattet.

Kohle, Stahl und Dampfmaschinen waren die Folgen der „ersten“ Industriellen Revolution, die Elektroindustrie und die Chemieindustrie die Gewinner der „zweiten“ Industriellen Revolution. Hierbei seien Düngemittel, Arzneimittel, Kunststoffe oder Explosivstoffe zu erwähnen.

„Gründungsfieber“ und „großer Krach“

Infolge der Reichsgründung 1871 kam es zu einem Wachstumsschub der deutschen Wirtschaft. Dieser Wachstumsschub lässt sich mit dem einheitlichen Markt, einer wirtschaftsliberalen Gesetzgebung, den französischen Reparationsleistungen und einem ungebremsten Fortschrittsoptimismus begründen. So konnten ab Juni 1870 Aktiengesellschaften frei gegründet werden.

Durch die dadurch bedingt schnell ansteigende Konjunktur schnellten die Aktienkurse in ungeahnte Höhen. Die Überhitzung der Konjunktur bezeichnet man als „Gründungsfieber“, ab 1873 erfolgte der „große Krach“.

Zusammenbruch an der Wiener Börse, Folgen in London und New York

Als im April 1873 Gerüchte über eine Börsenpanik in Paris bekannt wurden, verkaufte die österreichische Kreditanstalt noch im selben Monat Wertpapiere in Millionenhöhe. Am 9. Mai 1873 meldete eine bekannte Wiener Bank Insolvenz an. Allein in Österreich traten am selben Tag 119 weitere Firmen den Gang in die Insolvenz an. Die Aktienkurse fielen um nahezu 95 Prozent. Schlussendlich kam es zu einem Zusammenbruch der Wiener Börse. Im Sommer 1873 mussten auch New York und London die Krise am eigenen Leib erfahren.

Berlin

Im Oktober 1873 erreichte die Krise Berlin. In Panik verkauften die Anleger ihre Aktien, es kam zu einer Geldknappheit am Kapitalmarkt und unvermeidlich zum Zusammenbruch vieler Börsenunternehmen. Es gab Stimmen, die meinten, die Ursache seien die französischen Reparationsleistungen und damit mehr Kapital gewesen – die Summe, vier Milliarden Mark, entsprach der doppelten Höhe des Reichshaushaltes, tatsächlich aber liegen die Ursachen in der ungezügelten Spekulation an den Börsen und in der plötzlichen Ausdehnung der Produktionsmöglichkeiten.

Es folgte eine Überproduktionskrise; zu viele Rohstoffe und Waren befanden sich im Umlauf. Die damit verbundenen Gewinnaussichten führten zum Rückzug von Investitionskapital, gleichzeitig aber drängten preisgünstige Importe auf den deutschen Markt.

Resultate aus der Krise

Als Konsequenz beendete Bismarck seine Freihandelspolitik und verabschiedete die Schutzzollpolitik. Durch Einfuhrzölle auf Vieh und Getreide wurden die Lebenshaltungskosten erhöht, da jedoch andere europäische Länder diesem Beispiel Bismarcks folgten, wurde die Exportwirtschaft erschwert. Nichtsdestotrotz war die Schutzzollpolitik – der staatliche Protektionismus – für die deutsche Volkswirtschaft nur von Nutzen.

Doch nicht nur Bismarck ergriff Maßnahmen. Nahezu alle Industrienationen ergriffen protektionistische Maßnahmen. Dies hatte zur Folge, dass die Industrienationen immer mehr auf Konfrontationskurs gerieten.

Ausblick

Nach diesen wirtschaftlichen Einbrüchen begann in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts erneut eine lang anhaltende Hochkonjunkturphase, von der letztlich auch die Arbeiter profitierten. Anzuführen wären hierbei kürzere Arbeitszeiten oder höhere Löhne.