
- Ein Klassiker: Die Häschenschule - Esslinger Verlag
Früher fielen Ostern und Schulanfang oft zusammen und so bot es sich an, die Schulgeschichte in die Hasenwelt zu verlegen. Dass dies nicht trocken sein muss und Schule zumindest den Hasen auch Spaß machen kann, vermittelt das Buch „Die Häschenschule“, das vom Esslinger Verlag (wie so manch andere nostalgische Buch) als Reprint-Ausgabe verlegt wird.
Sprachwitz von Albert Sixtus und lebendige Bilder von Fritz Koch-Gotha
Was macht ein Bilderbuch zu einem Klassiker? Seit fast 90 Jahren erfreut sich „Die Häschenschule“ großer Beliebtheit und warum dies so ist, erschließt sich leicht. Text und Bild sind stimmig und beide sind mit der nötigen Brise Humor gewürzt – obwohl sie gleichzeitig Wissen vermitteln. „Kinder“, spricht die Mutter Hase, / „putzt euch noch einmal die Nase / mit dem Kohlblatt-Taschentuch!“ So beginnt die erste Doppelseite und die lebendig gereimten Sätze finden sich in einem ebenso lebendigen Bild wieder. Eine Hasenfamilie ist dort zu sehen. Mutter Hase mit Schürzchen küsst liebevoll die kleine Hasentochter mit dem Rucksack und dem Vespertäschchen, aus dem ein grünes Kraut rausblitzt. Im Hintergrund der größere Hasenjunge, der sich – man sieht es an der Körperhaltung – ganz schön kräftig in ein Kohlblatt schnäuzt.
Hand in Hand auf dem Weg in die Hasenschule
Dann gehen die Geschwister Hasenhans und Hasengretchen auch schon los. Und auch hier fallen die lebendigen Bilder auf, die Bewegungen sind ausgezeichnet getroffen. Man sieht die Häschen fast schon vor dem inneren Auge über die Wiese hüpfen und auch der Text „Auf dem Rücken sitzt das Ränzchen, / hinten wippt das Hasenschwänzchen“ verstärkt diesen lebendigen Eindruck. Ganz unterbewusst wird hier Lebenslust vermittelt und geht auf den Leser oder Bilderbetrachter über.
Der Schulweg geht über die Wiese und durch den Wald
Die zwei Hasenkinder gehen mit anderen Hasenkindern zur Schule. Noch schnell über eine Quelle gehüpft, schon sind sie im Wald in der Hasenschule und machen mit dem Lehrer Hausmann und den anderen Mitschülern ein Frühgebet. Auch der Lehrer ist äußerst witzig gezeichnet, wie er die erste Schulstunde – Pflanzenkunde – gibt. Seinen dicker Bauch im bunten Frack hat er auf dem Tisch in der ersten Reihe aufgestützt, die Uhrenkette hängt über dem Bauch. Dazu ist seine Haltung und auch der etwas kurzsichtige Blick so witzig, dass man einfach lachen muss.
Die Bilder bringen Groß und Klein zum Lachen
Immer wieder schafft es der Zeichner Fritz Koch-Gotha die Lachmuskeln beim Betrachten seiner Bilder zu reizen. Er zeigt Situationskomik und bringt diese zeichnerisch vortrefflich rüber. Wie zum Beispiel bei einem Hasenmädchen – erkennbar an einem rosa Mäschchen zwischen den Ohren – das beim Eierbemalen das Ei zerbricht und herzzerreißend weint. Oder der wilde Hasenmax, der auf einem Bein hoppelt, weil er vom Lehrer als Strafmaßnahme am Ohr gezogen wird. Er hat sein Verschen nicht auswendig gelernt und noch so manche andere Bosheiten gegen Mitschüler verbrochen. Da muss er Buße tun!
Viel Idylle, aber auch Gefahr lauert auf die Hasenkinder
Natürlich kann man dem Buch vorwerfen, dass es eine Idylle zeigt, die es heute oft nicht mehr gibt. Und auch die traditionelle Rollenverteilung (die Hasenmutter kocht und der Hasenvater lässt sich bedienen) ist in dem Buch, das bald 90 wird, noch vorherrschend. Auf der anderen Seite hat gerade dieser altmodische Touch des Bilderbuchs auch seinen Reiz und kann auf Kindern, für die ein liebevolles Zuhause und ein gemeinsames Essen nicht mehr selbstverständlich ist, einen bleibenden Eindruck vermitteln und zeigen, dass es das auch gibt. Da in dem Buch „Die Hasenschule“ eben Tiere die Hauptrollen spielen, lassen sich solche Inhalte viel leichter vermitteln, ohne „erzieherisch“ zu wirken. Trotzdem werden Werte und Ideale weitervermittelt, wie gegenseitig aufeinander achten, fleißig sein, gemeinsam singen, beim Beete pflegen auf die Natur achten und gemeinsam Sport machen. Letzteres hat für die Hasen einen besonderen Nutzen, da sie durch das „Hakenschlagen“ lernen, einem Hund oder Fuchs auszuweichen. Denn bei aller Idylle – ein Hase hat eben auch ein paar Feinde.
Ein Bilderbuch, das viel Spaß macht
Es ist auf jeden Fall ein Buch, das sehr viel Spaß macht. Beim Vorlesen, beim Bilderanschauen und beim darüber Sprechen. „Die Häschenschule“ gibt es in zahlreichen Ausgaben, wie zum Beispiel als Pappe- oder Miniausgabe und seit neuestem auch als Karussell-Buch.
Die Häschenschule, Albert Sixtus, Text, Fritz Koch-Gotha, Bilder. Esslinger Verlag. Bilderbuch für Kinder ab 3 Jahren, Erstausgabe 1924, Reprint, 32 Seiten. Euro 9,95.
