Die Handarbeit einer Silberschmiedin - Josephine Lützel

Silberschmiedin Josephine Lützel bei der Arbeit - Linda Werner
Silberschmiedin Josephine Lützel bei der Arbeit - Linda Werner
Josephine Lützel übt ein traditionelles Handwerk aus - sie ist Silberschmiedin mit eigener Werkstatt. Jede Arbeit designt sie selbst und das mit Erfolg.

„Ich bin eine Handwerkerin, der es Spaß macht, mit dem Hammer zu arbeiten“, sagt Josephine Lützel. Deswegen habe sich die zierliche Frau für den Beruf Silberschmiedin entschieden. „Gold bearbeitet man nicht unbedingt mit dem Hammer“, erklärt die gebürtige Hamburgerin, die sich während ihrer Ausbildung an der Staatlichen Berufsfachschule für Glas und Schmuck in Neugablonz für eines der beiden Materialien entscheiden musste. Auch mit Ton hat die freischaffende Kunsthandwerkerin schon experimentiert – doch im Silber hat sie ihr Lieblingsmaterial gefunden. „Dieser Matsch an den Händen hat mir gar nicht gefallen. Ich brauche einfach mehr Widerstand. Stein ist da schon reizvoller, und irgendwann werde ich auch damit etwas machen.“

"Alles Handarbeit und alles unkaputtbar"

Die experimentierfreudige Künstlerin mit Werkstatt in Winterhausen designt ihre Arbeiten selbst: mechanische Kerzenleuchter, Besteck, Schmuck, auch Glasperlenschmuck bis hin zu ihrem eigenen Werkzeug. Auch Reparaturen sowie kirchliche Auftragsarbeiten übernimmt sie. „Alles Handarbeit und alles unkaputtbar“, wirbt sie. Eine geschmiedete Silberkanne sei etwas Bleibendes. Der Wert eines solchen Gerätes überdauere die Zeiten. So stehe es dann auch gar nicht mehr im Vordergrund, dass das gute Stück aus Silber ist, „sondern die Geschichte, die sich zum Beispiel um die Teekanne der Urgroßmutter spinnt, macht es zur Besonderheit“.

Lebenslang hat seinen Preis

Die Arbeitszeit für eine Teekanne steht in keinem Verhältnis zum Materialwert des Silbers. Eine Teekanne kann zwischen 100 bis zu 200 Arbeitsstunden beanspruchen – je nachdem, mit welchen Details sie ausgestattet sein soll. Da liegen die Verkaufspreise dann auch dementsprechend hoch zwischen 3000 und 9000 Euro. Damit verbunden sei auch immer eine Diskussion über den Wert mit den Kunden. „Der Kunde muss sich fragen: Will ich viele verschiedene modische Kannen – oder eine ganz besondere, die ich ein Leben lang habe, die zeitlos ist?“

Seit etwa fünf Jahren beschäftige sie sich mit dem Aufbau von asymmetrischen Körpern, aufbauend auf dreieckiger Grund- und Deckenfläche, erzählt die Silberschmiedin. Erfolgreich umgesetzt hat Josephine Lützel ihre Studien in den als „Beste zeitgenössische Silberschmiedearbeit“ prämierten Karaffen, die sie zur Sonderausstellung im Mainfränkischen Museum Würzburg vor zwei Jahren eingereicht hat.

Wie aus einem Blech eine Karaffe wird

Eine Karaffe besteht aus zwei großen Teilen, „dem Grundkörper und der sogenannten Schnaupe“. Der Grundkörper wiederum besteht aus drei Seitenflächen und der Bodenfläche. Um diese Flächen herzustellen, fertigt die Silberschmiedin zunächst ein Modell aus Karton an, das sie später exakt auf das Silberblech übertragen kann. Ein Vorgang, der dem des Übertragens von Teilen eines Schnittmusters auf einen Stoff ähnelt. Die Bleche werden dann ausgesägt oder geschnitten. „Anschließend werden die Blechteile mit verschiedenen Hämmern durchgewölbt und feinplaniert.“ Die Kanten der Flächen feilt Josephine Lützel schräg und lötet sie am Ende zusammen. Erst danach wird das Bodenstück hinzugefügt. Ganz am Schluss fehlt nur noch die Schnaupe. Um einen perfekten Ausguss zu ermöglichen, wird sie an den fertigen Grundkörper genau eingepasst.

Faszination Beruf Silberschmied

„An der traditionellen Arbeit als Silberschmied hat sich seit 100 Jahren nicht viel geändert, außer, dass zwei, drei mechanische Geräte hinzugekommen sind, die ein wenig für Arbeitserleichterung sorgen, wie die Schleifmaschine“, erklärt die Schmiedin eine weitere Faszination ihres Kunsthandwerks.

Die Werkstatt von Josephine Lützel befindet sich in Winterhausen bei Würzburg, am Mauritiusplatz 12. Weitere Informationen über die Silberschmiedearbeiten sowie Neuigkeiten der Silberschmiedin im Internet unter: Josephine Lützel - Silberschmiedin.

Linda Werner, © E. Biscotti

Linda Werner - -Themen: PR und Marketing, Geist & Seele, Kunst & Kultur, Wellness & Vitalität- Kommunikation, Ausdruck und speziell das Schreiben ...

rss