Die Handball EM 2012 und ihre Skandale

Serbische Fans zeigen 3 Finger - sportschau
Serbische Fans zeigen 3 Finger - sportschau
Bei der Handball EM 2012 in Serbien kam es zu Ausschreitungen der heimischen Fans, die den Gastgeber in einem negativen Bild erscheinen lassen.

Eigentlich sollte es ein Sportfest der ganz großen Klasse werden. Der Gastgeber aus Serbien wollten die Weltmeisterschaft 2009 des ungeliebten Nachbars Kroatien organisatorisch, sowie sicherheits- und stimmungstechnisch überbieten. Dass der Schuss nach hinten los gehen sollte, war fast schon zu erwarten.

Die Gegebenheiten der EM 2012

Es schien ein Turnier zu werden wie alle anderen. Jedes Jahr in der zweiten Januarhälfte sitzen Handballfans gebannt vor dem Fernseher, denn abwechselnd findet jedes zweite Jahr eine Europameisterschaft und eine Weltmeisterschaft statt. Hinzu kommt alle vier Jahre ein Olympisches Turnier.

Die Voraussetzungen für dieses Großereignis waren eigentlich sehr gut. Als Favoriten gingen die enorm erfolgreichen Franzosen, sowie die vom Pech verfolgten Kroaten und die Dänen an den Start, Gastgeber Serbien wurden nur Außenseiterchancen zugerechnet, unter Kennern standen sie allerdings relativ hoch im Kurs.

Vom organisatorischen sprach nichts gegen eine perfekte Europameisterschaft. Die Vorrunde sollte in Belgrad, Novi Sad, Nis und Vrsac ausgetragen werden. Danach ging es in die Hauptrunde, die nur noch in Belgrad und Novi Sad gespielt wurde, bevor die Finalspiele in der Arena von Belgrad anstanden.

Sportlicher Verlauf der Euro

Schon am ersten Spieltag gab es die ersten Überraschungen. Die Franzosen, von denen man erwartet hatte, dass sie ins Halbfinale durchmarschieren, unterlagen relativ deutlich den Spaniern, die hochgehandelten Schweden spielten nur Remis gegen den "zweiten Gastgeber" Mazedonien.

Die komplette Vorrunde sollte bestimmt von spannenden Matches und Überraschungen sein.

So verloren die Franzosen ein weiteres Spiel gegen Underdog Ungarn und ging somit mit 0 Punkten in die Hauptrunden(Modus: Zunächst vier Gruppen a 4 Teams, drei Teams kommen in die Hauptrunde, die sich aus jeweils 2 Gruppen bildet, als zwei Gruppen a 6 Teams. Die Punkte und das Torverhältnis aus der Vorrunde werden gegen ebenfalls qualifizierte Teams für die Hauptrunde mitgenommen. Aus den beiden Hauptrundengruppen qualifizieren sich jeweils die 2 besten Teams für das Halbfinale). Hauptfaktor für das schwache Auftreten der Franzosen ist wohl, dass Thierry Omeyer, der sämtliche Titel der Franzosen praktisch im Alleingang gewann, langsam aber sicher dem Alter Tribut zollen muss. Aber auch die Dänen mussten zwei Niederlagen gegen Gastgeber Serbien, der eine blütenweiße Weste behielt, und Polen hinnehmen. Das deutsche Team erbeutete sich, trotz Niederlage im ersten Spiel, mehr schlecht als Recht die vollen 4 Punkte für die Hauptrunde. Leider kam es hier schon zu ersten ungewünschten Aktionen. Deutschland wurde im Spiel gegen Mazedonien ausgepfiffen und beschimpft und Feuerzeuge wurden aufs Spielfeld geworfen. Die mazedonischen Fans versetzen die Halle jedes Mal in einen heißen Kessel, die Ausschreitungen hätten sie sich aber sparen sollen.

Am Ende der Hauptrunde setzte sich der Gastgeber erstaunlich souverän als erster ihrer Gruppe durch, Dänemark schaffte mit drei Siegen tatsächlich noch den Sprung ins Halbfinale, während Frankreich den Gnadenstoß von Kroatien erhielt und endgültig nach Hause fahren durfte.

Erste Ausschreitungen in Novi Sad, Eskalation in der Belgrad Arena

Die Kroaten setzten sich genau so wie die Spanier in dem wohl stärkeren Block klar vor den Mitkonkurrenten durch, somit war das Halbfinale komplett. Leider gab es schon hier die ersten Ausschreitungen nach dem Abschlussspiel Kroatiens gegen Ungarn. Eine Autokolonne kroatischer Fans wurde von Serben aus der Radikalszene gestoppt. Autos wurden demoliert, Menschen verletzt und Kinder erschreckt. Schreckliche Szenen, die niemals hätten toleriert werden dürfen, wurden vom serbischen Innenminister nur mit "Benehmt euch nicht wie Kroaten" kommentiert, es gab also nicht einmal eine offizielle Stellungnahme für das Fehlverhalten.

Die Stadt Novi Sad entschuldigte sich vor Scham, das bis dahin perfekt organisierte Ereignis war für die Verantwortlichen schon gestorben.

Nun sollte es im Halbfinale ausgerechnet zur Partie zwischen Serbien und Kroatien kommen, in der Hauptstadt des Gastgebers. Die serbische Regierung gab offiziell an, dass für kroatische Fans, trotz 5.000 Polizeikräfte, keine Sicherheit garantiert werden könne. Die kroatische Regierung forderte daher die einheimischen Fans auf, nicht zu dem Spiel zu fahren. Dennoch nahmen einige Hunderte Fans, leider auch kroatische Radikale, den Weg auf sich. Den meisten wurde jedoch an der Grenze, trotz Eintrittskarten, die Einreise verweigert und so schafften es nur knapp 100 Fans in die Belgrad-Arena.

Was sie hier aber zu sehen bekamen, entsprach wohl nicht ihren Vorstellungen. Der Favorit aus Kroatien wurde hier regelrecht aus dem Turnier herausgeekelt.

Es fing vergleichsweise harmlos an, die 25.000 serbischen "Fans" pfiffen die kroatische Nationalhymne aus, ein Prozedere, dass auf dem Balkan Gang und Gebe ist. Es ging jedoch das ganze Spiel mit dem Pfiffen weiter. Dazu wurden kroatische Spieler in den entscheidenden Phasen des Spiels mit Laserpointern gestört, Feuerzeuge fliegen aufs Spielfeld, es wurden nationalistische Gesänge angestimmt, die serbischen Spieler spornten das Publikum, das zu Allem bereit schien, aktiv an, die Mannschaft aggressiv zu unterstützen. Und diese Forderung nahm das Publikum mutwillig an. Die Unparteiischen wurden, wie das ganze Turnier schon, beeinflußt durch die Kulisse und gewährten dem serbischen Team ungewöhnlich lange Angriffe, während sie den Gegner zwangen, nach wenigen Sekunden abzuschließen. Diese Tatsachen und ein sehr schwacher Torhüter auf Seiten der eingeschüchterten Kroaten machten schließlich die Sensation für Serbien möglich.

Das "Finale" der EM 2012

Provokant und unnötiger-, sowie unverständlicherweise streckten die Fans drei Finger in die Höhe (Bedeutung:http://de.wikipedia.org/wiki/Serbischer_Gru%C3%9F). Nach dem Spiel kam es dann vielleicht zu einer noch hässlicheren Tat. Ein besonders euphorisierter Fan versuchte den kroatischen Trainer mit einer Glasflasche zu treffen. Zum Glück hatte er nicht die beste Treffsicherheit, traf aber leider dennoch jemanden. Zarko Sesum, Leistungsträger im Team der Serben, wurde von der Flasche am Auge getroffen, fiel daraufhin für das Finale aus und kann auf dem rechten Auge noch immer nichts sehen.

Im Finale wurde von der Stimmung her dann ähnliches versucht, der Gegner Dänemark behielt aber einen kühlen Kopf und schaukelte das Spiel eindeutig nach Hause. Überragender Mann der EM war der Däne Mikkel Hansen, der die Dänen in allen Spielen führte und im Spiel hielt. Zum MVP des Turniers wurde aber Momir Ilic aus Serbien gewählt. die Bronze-Medaille holte sich Kroatien. Nach dem Finale kam es zu einer letzten Provokation, als die komplette Mannschaft Serbiens in Kriegsmützen kam.

Angesichts dieser vielen, unschönen Momente der EM, wird es wohl hoffentlich das vorerst letzte Großereignis in diesem Land bleiben. Einige Menschen aus der radikalen Szene sind wohl immer noch nicht über den Krieg hinweg. Dass es solche Leute überall auf dem Balkan gibt, ist leider nicht zu bestreiten, aber muss man doch sehen, dass diese Leute bei der WM vor 3 Jahren in Kroatien komplett in Zaun gehalten wurde. Ein Veranstalter muss in der heutigen Zeit einfach dazu in der Lage sein, solche Dinge zu verhindern. Allein Glasflaschen oder bengalische Feuer in einer Sporthalle wäre in Deutschland eine undenkbare Sache. Die Kontrollen waren nicht gut organisiert.

Das Ansehen von Serbien konnte nicht wie erhofft gehoben werden,das Land hat erneut an diesem eingebüßt. Auch das sportliche Abschneiden der Serben, die im Handball in den vergangenen Jahren komplett abgetaucht waren, ist mehr als schleierhaft. Im Anschluss an das Halbfinalspiel kam es in Kroatien und Serbien zu weiteren Auseinandersetzungen.

Dennoch hat man vom rein sportlichen eine sehr abwechslungsreiche und spannende Europameisterschaft erlebt mit einem verdienten Sieger aus Dänemark und so kann man sich auf ein friedliches Wiedersehen bei den Olympischen Spielen im Sommer 2012 freuen.

Quellen:

welt

stern

vecernji.hr

Hintergrundwissen:

Jugoslawien-Krieg