Die HBO-Serie "Carnivàle": Die Story

Die Serie Carnivàle - HBO
Die Serie Carnivàle - HBO
Die amerikanische Serie "Carnivàle" handelt von Gut und Böse, freiem Willen und Schicksal, mitten in den Wüten der Weltwirtschaftskrise.

Die Serie "Carnivàle", 2003 bis 2005 vom renommierten amerikanischen Pay-TV-Sender HBO produziert, wurde mit "Twin Peaks" und später auch "Lost" verglichen. Sie weist eine ähnlich komplexe Erzählstruktur und einen hohen Mystery-Faktor auf.

Zwei Staffeln "Carnivàle": Zwei disparate Handlungsstränge während der Großen Depression

Über zwei von ursprünglich sechs von Erfinder Daniel Knauf geplanten Staffeln erzählt die Serie eine spannende, tiefgründige und bewegende Geschichte um die großen Mächte von Gut und Böse. Angesiedelt während der Großen amerikanischen Depression in den 1930er Jahren im Dust Bowl folgt sie in zwei Erzähltsträngen einen durchs Land ziehenden Karneval und einen Methodistenprediger, der zum Sprachrohr der an Armut leidenden Migranten wird.

Ein Karneval rund um den leitenden kleinwüchsigen Samson nimmt den jungen Ben Hawkins (Nick Stahl aus "Terminator 3" und "Sin City") bei sich auf, der nach dem Tod seiner Mutter die kleine schäbige Farm verliert. Er trifft auf allerlei "Freaks", wie siamesische Zwillinge, eine bärtige Frau, einen Mann mit Reptilhaut, den stärksten Mann der Welt, eine katatonische Wahsagerin, die mittels Telepathie mit ihrer Tochter kommuniziert, einen blinden Mentalisten und eine Stripper-Familie. Ben arbeitet fortan unter Jonesy, einem ehemaligen Baseballspieler mit steifem Knie, und hilft bei Auf- und Abbau der Zelte und Fahrgeschäfte.

"Carnivàle": Eine Mystery-Geschichte um die Mächte von Gut und Böse

Schon recht merkwürdig erscheinen diese durchs Land ziehende Schaustellertruppe und der Methodistenprediger Justin Crowe (Clancy Brown), der eine intime und doch distanzierte Beziehung zu seiner Schwester pflegt, die für ihn den Haushalt führt. Doch schleichend finden immer mehr mysteriöse Andeutungen ihren Weg in die Handlung, die darauf hinweisen, dass Ben und Justin nicht nur gewöhnliche Menschen sind und sich diese Geschichte um mehr als nur ein paar von der Wirtschaftskrise gebeutelte Einzelschicksale dreht. Ben hat schon in der Kindheit seine Gabe entdeckt, Tiere zu heilen und sogar wieder zum Leben zu erwecken. Justin hingegen findet heraus, dass er Menschen rein mit der Kraft seiner Gedanken manipulieren und gar verletzen kann. Erst verstört beide diese Gabe, doch immer mehr werden sie ihrem Schicksal gewahr, die Mächte von Gut und Böse zu inkarnieren.

Eine komplexe Mythologie verbirgt sich hinter dieser Story, die nur Stück für Stück offenbart wird. Dabei helfen vor allem der blinde Mentalist und der versteckt in einem Wohnwagen lebende Besitzer der Karnevals, stets nur "Management" genannt, der eine gewisse Verbindung zu Ben zu haben scheint. Dabei fügen sich die Einzelgeschichten langsam wie Puzzleteile zusammen. Jeder erhält einen schicksalhaften Platz in Erklärung und Vorhersehung der Ereignisse. Ben muss schließlich auf die Suche nach seinem Vater gehen, der ihm seine Mächte vererbte, aber vor einiger Zeit verschwand, wodurch er mit weiteren merkwürdigen Gestalten in Kontakt kommt. Brother Justin hingegen plant in einem Tal eine neue Kirche und schart mit Hilfe von Predigten über das Radio eine Unzahl heimatloser Migranten um sich, die ihn wie einen Erlöser anbeten. Beide, Ben und Justin, haben von Anfang an vor allem durch Träume eine Ahnung, dass eine umheimliche Verbindung zum jeweils anderen besteht – bis es schließlich zu einer Konfrontation kommen muss, wodurch die beiden Handlungsstränge am Ende der zweiten Staffel endlich verbunden werden.

"Carnivàle": Eine Fortsetzungsserie mit vielschichtigen Nebenhandlungen

Doch auch die Nebenfiguren erhalten interessante Geschichten: Justins Schwester Iris hat mit einer großen Schuld und dem immer gefährlicher werdenden Bruder zu kämpfen, Sofie, die Tochter der Wahrsagerin hat immer öfter beängstigende Visionen und findet dadurch schließlich etwas über ihre eigene Herkunft heraus und dann gibt es noch allerlei amouröse Verwicklungen um Sofie, Jonesy und zwei der Stripperinnen auf dem Jahrmarkt.

"Carnivàle" ist dabei eine klassische Forsetzungsserie, deren Episoden aufeinander aufbauen und wie ein Krimi immer mehr Hintergründiges offenbaren. Daher ist es unmöglich, mitten in einer Staffel einzusteigen, ist es doch dann zu schwer, in die Vorgeschichte und Beziehungen hineinzufinden. Doch ist "Carnivàle" es allemal wert, sie aufmerksam von der ersten bis zur letzten verfrühten Minute zu verfolgen, ist sie doch mit Sicherheit eins der großartigsten, liebevoll detailreichsten, bestbesetzten, spannendsten und bewegensten Stückchen Unterhaltung, die das moderne Fernsehen zu bieten hat. Mal wieder hat HBO der TV-Welt mit der Serie Carnivàle ein tolles Kunstwerk beigesteuert.

Zu sehen ist die Serie noch auf dem Sky-Sender FOX Channel. Auf DVD ist sie nur als UK Import zu bestellen.