Kaum eine andere Heilige wird von so vielen Menschen angerufen wie die heilige Elisabeth. Sie ist die Patronin von Thüringen und Hessen, des Deutschen Ordens, der Caritasvereinigungen; der Witwen und Waisen, Bettler, Kranken und unschuldig Verfolgten, der Notleidenden, der Bäcker und der Spitzenklöpplerinnen.
Eine große Liebe
Gerade einmal vier Jahre war Elisabeth alt, als sie, Tochter des Ungarnkönigs Andreas II. und seiner Gemahlin Gertrud von Andechs-Meranien, im Jahr 1211 mit Hermann, dem ältesten, damals elf Jahre alten Sohn des thüringischen Landgrafen Hermann I. verlobt wurde.
Elisabeths Erziehung sollte auf der Wartburg erfolgen, um ihre zukünftige Herrschaft und ihren Bräutigam gründlich kennen zu lernen. Im Alter von 14 Jahren trat sie daher die weite und beschwerliche Reise von Ungarn nach Thüringen an. Hier ehelichte Elisabeth jedoch nicht Hermann, sondern den jüngeren der beiden Brüder, Ludwig, der inzwischen als Ludwig IV. das Erbe seines Vaters angetreten hatte. Hermann war nämlich 1216 gestorben. Die Ehe wurde sehr glücklich, denn Ludwig hatte sich unsterblich in Elisabeth verliebt.
Einsatz für die Armen
Schon früh begann Elisabeth, sich für die Bedürfnisse der Armen einzusetzen und wandte sich selbst dem religiösen Armutsideal zu. Sie verfolgte dieses Ziel, soweit es ihr in ihrer Stellung als Landgräfin möglich war. Dem Bettelorden der Franziskaner überließ sie eine Kirche in Eisenach. 1226 ließ sie nach einer Missernte in Abwesenheit ihres Mannes die gräflichen Kornkammern öffnen. Dies alles brachte ihr den Vorwurf ein, sich eher zur Dienstmagd oder Nonne als zu einer Fürstin zu eignen. Ludwig hielt jedoch stets zu seiner Frau und nahm sie vor den Anfeindungen des thüringischen Hofes in Schutz.
Ein Leben in Demut
1227 brach Ludwig im Gefolge Kaiser Friedrichs II. zum Kreuzzug auf. Ludwig sollte das heilige Land jedoch nie erreichen, denn er starb noch in Italien an einer Seuche. Elisabeth verfiel in tiefe Trauer: "Mit ihm ist mir die Welt gestorben".
Nun schutzlos den Anfeindungen ihrer Verwandten, allen voran des neuen Landgrafen Heinrich Raspe, ausgesetzt, musste Elisabeth die Wartburg verlassen. Ihr Witwenvermögen hatte Heinrich mit der Begründung eingezogen, Elisabeth würde es ja doch nur für Almosen verschwenden. Bei ihrem Onkel mütterlicherseits, dem Bischof von Bamberg, fand Elisabeth dann mit ihren drei Kindern Aufnahme. Das Eingreifen von Pabst Gregor IX. führte dazu, dass Elisabeth ihre Witwengüter zurückerhielt.
Marburg schließlich wurde Elisabeth eine neue Heimat. 1229 gründete sie dort mithilfe ihres Vermögens ein Spital unter dem Patrozinium des heiligen Franziskus. Der Kreuzzugsprediger und Inquisitor Konrad von Marburg, der bereits seit 1226 Elisabeths Beichtvater und geistlicher Führer war, war vom Papst zu Elisabeths Vormund bestimmt worden. Unter Konrads Anleitung nahm Elisabeth den Schleier und arbeitete als Krankenpflegerin in ihrem eigenen Hospital. Konrad, der strenge Asket, sah seine Aufgabe darin, „die Heilige zu einer Heiligen zu machen“ und verfolgte sie mit Bußübungen und Geißelungen. Elisabeth starb am 17. November 1231, völlig entkräftet, im Alter von nur 24 Jahren.
Die Verehrung der Heiligen
Schon bald nach ihrem Tod suchten immer mehr Pilger Elisabeths Grab auf. Am 27. Mai 1235 sprach sie Papst Gregor IX. heilig. Über ihrem Grab errichtete der Deutsche Orden eine Kirche im neuen, gotischen Stil. Dort, in der Elisabethkirche in Marburg, ist ihr Sarkophag bis heute zu sehen. Ihr Gedenktag ist der Tag ihrer Beisetzung, der 19. November.
Literatur
Werner, M.: E. v. Thüringen, hl. – in: Lexikon des Mittelalters, Bd. III, München 2002.
