"Die Herrschaft der Schatten" (Vanishing on 7th Street)

Die Schatten kommen immer näher - Magnet Releasing
Die Schatten kommen immer näher - Magnet Releasing
Flacher Horrorthriller von Brad Anderson, den auch bekannte Namen auf der Besetzungsliste nicht retten können.

Der Filmvorführer Paul (John Leguizamo - "Moulin Rouge") ist gerade im Vorführraum dabei, die Filmspule zu wechseln, da taucht ein Stromausfall das Kino in völlige Dunkelheit. Als kurz darauf die Lichter wieder angehen, sind von den Besuchern und Mitarbeitern des Multiplex nur noch am Boden liegende Kleiderhaufen übrig - alle Menschen sind verschwunden, Paul ist allein.

Etwas lauert in den Schatten...

Ähnliches erleben die anderen Protagonisten dieses Films: Hayden Christensen ("Star Wars Episode II und III"), Thandie Newton ("Mission: Impossible 2") und Jacob Latimore (der 15jährige R&B "Kinderstar" aus Wisconsin gibt hier sein Kinofilmdebüt). Sie alle finden sich nach dem mysteriösen Stromausfall als einzige Überlebende in einer menschenleeren Umgebung wieder und stellen schnell fest, dass es die um sich greifende Dunkelheit ist, die offenbar alles Leben "frisst" und in Schatten verwandelt. Nur mit Hilfe von Licht kann man sich vor diesem Schicksal schützen. Dumm nur, dass die sich immer mehr ausbreitende Finsternis anscheinend Einfluss auf die Elektrizität hat: Stromnetze fallen aus, Batterien entladen sich immer schneller - einzig Solarenergie scheint noch einwandfrei zu funktionieren. Da in rasender Geschwindigkeit die Tage aber immer kürzer und die Nächte immer länger werden, ist auch dieser Umstand nur ein kleiner Hoffnungsschimmer.

Eine Festung gegen die Dunkelheit

Die Handelsstränge der einzeln eingeführten Charaktere laufen in einer Bar zusammen, die mittels eines alten Notstromgenerators zu einer Insel des Lichts wird, die sich den schleichenden Schatten entgegenstellt. Aber auch dieser Generator wird langsam schwächer, das Licht beginnt zu flackern und die Schatten kommen immer näher...

Rezension: Film mit verschenktem Potenzial

Was zunächst nach einem spannenden Mysterymix aus "The Happening" und "Der Nebel" klingt, entpuppt sich schnell als eine eher "verlängerte Folge von Twilight Zone" (Manohla Dargis, New York Times). Die endlosen Ausführungen der Protagonisten langweilen, das Drehbuch wird im Verlaufe des Filmes immer schwächer und es bleiben zahlreiche (grundlegende) Fragen offen: es gibt keine Erklärung über Ursache und Herkunft der seltsamen Phänome. Man erfährt nicht, ob die Geschehnisse nur lokal, in ganz Amerika oder gar weltweit aufgetreten sind. Es wird des Öfteren auf die Legende der verlorenen Stadt Roanoke und das Wort "Croatoan" angespielt - auch für diesen scheinbaren Zusammenhang der Ereignisse gibt es keine Auflösung. Und was geschah mit Paul in den 3 Tagen zwischen den Vorkommnissen im Kino und seinem Erwachen auf der Straße? Er berichtet "jemand habe ihn irgendwo hin gebracht" - aber wer? Wohin? Warum brachte man ihn von dort wieder weg und ließ ihn auf der Straße zurück (ausgerechnet vor einer mit Solarzellen beleuchteten Bushaltestelle)? Warum war er nicht verschwunden wie all die anderen Menschen? Dies alles wird nicht aufgelöst - es bleibt bei seiner mehr als vagen Auskunft.

Resümee: Schwache Story, niedriger Gruselfaktor

Natürlich darf man nicht vergessen, dass es sich bei diesem Film um eine Low-Budget-Produktion handelt. Zumindest hierfür muss man dem Thriller ein Lob aussprechen: das sieht man ihm nicht an. Regisseur (Brad Anderson), Kamerafrau (Uta Briesewitz) und Produktionsdesigner haben hier einen guten Job geleistet und aus den wenigen Mitteln viel heraus geholt. Für die schwache Story ist ein geringes Budget aber keine Entschuldigung. Die Geschichte ist viel zu unkonkret, es bleibt zu Vieles offen. Im Verlauf des Films gibt es wenige echte Spannungsmomente, die Dialoge sind nicht wirklich spritzig. Und auch der Gruselfaktor ist eher niedrig. Alles in Allem gibt es also sicherlich spannendere Möglichkeiten, einen verregneten Sonntagnachmittag zu verbringen, als diesen Film zu sehen.

Filmdaten

Regie: Brad Anderson

Drehbuch: Anthony Jaswinski

Produktionsland: USA

Produktionsjahr: 2010

Originalsprache: Englisch

Länge: 92 Minuten

US-Kinostart: 18. Februar 2011

Cast:

Hayden Christensen (Luke Ryder)

Thandie Newton (Rosemary)

John Leguizamo (Paul)

Jacob Latimore (James Leary)

Arthur Cartwright (Wachmann)

Taylor Groothuis (Brianna)

Im deutschsprachigen Raum ist der Film als DVD und Blu-Ray derzeit im Verleih erhältlich, ab 26. August 2011 kommt er in den Verkauf.

Weitere Infos, Trailer und Fotos zum Film finden Sie auf der Webseite zu Vanishing on 7th Street.