Die Herstellung einer Skulptur

Ein Langer Weg vom Modell bis zum fertigen Kunstwerk

Beim Betrachten einer Skulptur wird den Wenigsten deutlich, wieviel Arbeit, Arbeitsgänge, Material und Zeit sich hinter der Skulptur verbergen.

Bildhauer beobachten, studieren Gesichter, Ausdruck und Körpersprache, versuchen, eine Beziehung zu dem Gegenüber herzustellen, um zu wissen, ob sie es in Gips, Keramik oder Bronze arbeiten möchten. Auftragsarbeiten dagegen lassen weniger künstlerische Freiheit in der Gestaltung zu, da der Kunde das Motiv vorgibt. Der Bildhauer muss vor allem die Körpersprache, den Charakter und die Ausstrahlung einfangen und zum Ausdruck bringen.

Praktische Vorbereitungen zum Aufbau eines Portraits

Zuerst wird das Objekt fotografiert. Das Thema, diverse Körperhaltungen und Bewegungen werden festgehalten und nach den Kriterien Ästhetik, Harmonie, Ausgewogenheit und Spannung ausgewählt.

Für alle Arbeiten wird ein geeignetes Gerüst vor dem eigentlichen Modellieren aus Holz und Draht hergestellt.

Es erleichtert die Arbeit, wenn das Modell anwesend ist und so kleine, fast unsichtbare Fehler korrigiert werden können, die für die Gesamtkomposition entscheidend sein können.

Aufbau und Modellieren nach Fotos

Erst wenn Auftraggeber und Künstler mit dem bis dahin entstandenen Werk zufrieden sind, kommt nach dem Künstlerischen der langwierige und aufwendige Prozess der Gipsform-Technik. Kleinste Fehler können bei der Herstellung eines Gipsnegativs die Arbeit vernichten. Deshalb wird während und nach dem Modellieren intensiv über die Möglichkeiten des Negativs und die der herzustellenden - so genannten - Fenster gesprochen. Die Fenster ermöglichen nach Beendigung des Gipsnegativs die Entnahme des Tons oder Plastilins und des Gerüstes.

Große Arbeiten, aber auch Portraits, werden mit Ton aufgebaut, der immer feucht gehalten und nachts mit Tüchern und Folie abgedeckt wird. Manche bevorzugen für kleine Arbeiten Plastilin.

Das Gips-Negativ

Erst wird die fertig modellierte Arbeit mit kleinen Messingblättchen aufgeteilt und abgesteckt. Die feuchte Tonarbeit wird im Anschluss mit dünnem Gips eingepinselt, um Luftblasen zu vermeiden. Anschließend werden dickere Gipsschichten aufgetragen, Eisenstäbe gebogen und der Objektform angepasst, die dann zum Stabilisieren in das Negativ eingearbeitet werden.

Beim Portrait wird nur ein Fenster am Hinterkopf, bei komplizierten und größeren Figuren werden bis zu 12 Fenster benötigt. Hier ist es nötig, dass das ganze Gipsnegativ mit einem Holzgerüst gestärkt wird, sonst würde es beim späteren Waschen auseinander brechen.

Herstellung des Gips-Positives

Die Fenster werden nacheinander geöffnet und durch sie wird der Ton mit einem Werkzeug - der Schlinge - entfernt. Das Gerüst wird entnommen und das Negativ gewaschen. Jedes kleine Tonteilchen, das im Gipsnegativ unentdeckt bleibt, bedeutet ein fehlerhaftes Gipspositiv.

Nach dem Waschen wird das Negativ mit einem dafür hergestellten Seifenschaum, der das Zusammenkleben von Positiv und Negativ verhindert, eingepinselt. Nun kann in das Negativ das Positiv eingearbeitet werden. Es wird sehr dünner, eingefärbter Gips aufgetragen. Es folgen Lagen aus Jute zum Stabilisieren und weiterer Gips.

Gips-Positiv wird in das Negativ eingearbeitet

Große Plastiken bekommen wieder ein Gerüst, kleine Figuren, Drähte in Körper, Arme und Beine. Wenn die Stärke des Gipspositivs ausreicht, werden die Fenster geschlossen und ihre Nähte mit Gips verstrichen. Nun sind ein Positiv und Negativ in einem Stück entstanden. Mit Holz-Hammer und Meißel wird das Negativ vom Positiv getrennt.

Das Positiv wird aus der Form geschlagen und von den Nähten gesäubert. Fehler, die erst im Gipspositiv festgestellt werden, können nachbearbeitet werden.

Je nach Größe der Skulptur wird die Gipsarbeit noch Tage und Wochen ausgebessert. Damit der Gips für die nächsten Arbeitsgänge in der Gießerei widerstandsfähiger ist, wird er zuvor mit Schellack eingepinselt.

Guss und Fertigstellung

Grundlegend wird zwischen Sandguss und Wachsausschmelzverfahren unterschieden. Manche Bildhauer lassen Kleinplastiken, Portraits und spezielle Ausnahmen im Wachsausschmelzverfahren gießen und stellen dafür die Silikonformen selbst her. Das Wachsausschmelzverfahren ist im Guss wesentlich arbeits- und kostenintensiver. Dafür ist die Ziselier-Arbeit später weniger aufwändig.

Vom Gipspositiv wird eine Silikonform hergestellt, die oftmals aus mehreren Teilen besteht. Um diese wird ein Gipsmantel gestrichen, der das flexible Silikon in Form hält. Das Positiv wird entnommen, flüssiges Gießerwachs in die Form und nach der gewünschten Wachsstärke wieder leer gegossen. Nach dem Erkalten des Wachses wird die Gips- und Silikonform entfernt, anschließend die Wachseingüsse und Luftaustritte an das Wachsmodell montiert.

An der speziellen Aufhängung, die zuvor eingebaut wurde, wird die Wachsform in flüssige, keramische Masse getaucht und mit Schamotte bestäubt. Dieser Vorgang wird mehrmals wiederholt. Wenn die keramische Form für den Bronzeguss dick genug ist, wird sie getrocknet, das Wachs geschmolzen und zum Schluss die Gießform bis 500°C erhitzt.

Die Bronze wird zwischen 1200° bis 1220°C in die keramische Form gegossen. Die Luft tritt aus. Die Bronze schießt durch alle Kanäle und füllt die Form. Die Legierung besteht aus 90 Prozent Kupfer und 10 Prozent Zinn.

Manche Gießer haben ein Patent, das es ihnen ermöglicht, den Kern vor dem Schließen zu entfernen. Dieses Verfahren ermöglicht einen tadellosen und sehr hochwertigen Bronzeguss.

Fertigstellung

Bei Kleinplastiken werden die Eingüsse zugeschweißt. Beim Sandguss generell und bei großen Skulpturen werden die einzelnen Teile wie Kopf, Rumpf (oftmals noch geteilt), Beine und Arme zu einem Objekt zusammengeschweißt.

Im Abschluss wird ziseliert, poliert, gewaschen, patiniert und wieder ausgerieben, sodass die Bronze in verschiedenen Farben und Schattierungen schimmert. Mit der letzten Behandlung eines speziellen Bienenwachses bekommt sie den Glanz.

François Maher Presley, Foto: David Eschrich, Fançois Maher Presley

Francois Maher Presley - François Maher Presley kam in Kuwait/pers. Golf zur Welt und lebte seit seinem sechsten Lebensjahr in Hamburg. Der Autor und ...

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