
- Picoult: Die Hexenjagt von Salem Falls - Piper
Salem Falls in Neuengland ist ein verschlafenes Provinznest, wo jeder jeden kennt. Die Einwohner wiegen sich in Sicherheit, bis eines Tages die Ankunft von Jack St. Bride Aufsehen erregt. Er kommt an einem Wintertag, kaum bekleidet und sucht Arbeit.
Addi Peabody, die in Salem Falls als Verrückte eingestuft wird, weil sie nach dem Tod ihrer Tochter lange trauerte, gibt Jack Arbeit als Tellerwäscher. Sie weiß aus eigener Erfahrung, daß man einen Menschen nicht stempeln soll, und daß jeder eine neue Chance verdient.
Auch wenn Jack, der wegen sexueller Nötigung eine Haftstrafe verbüßt hat, nichts anderes wünscht als einen Neuanfang, spricht sich schnell herum, daß ein Sexualverbrecher in der Stadt lebt. Die Männer der Stadt rotten sich zusammen, um Jack zu vertreiben. Nun fängt eine Hexenjagd an, für die Salem Falls in seiner Vergangenheit schon bekannt war.
Addi Peabody verliebt sich in Jack. Beide haben viel verloren, und behutsam nähern sie sich einander. Schon bald ist Jack nicht nur unentbehrlich in Addis Restaurant, sondern auch in ihrem Leben.
Gillian Duncan, die Tochter des einflußreichsten Mannes der Stadt, liebäugelt mit dem Hexenkult. Sie und ihre drei Freundinnen vollziehen Rituale und versuchen Einfluß auf das Leben von Menschen zu nehmen. Als Gillian, die sich in Jack verliebt, diesen aber nicht für sich gewinnen kann, schwört sie Rache. In der Beltanenacht weigert er sich, die rituelle heilige Hochzeit mit ihr zu feiern. Gillian verleumdet Jack und aus Rache klagt sie ihn der Vergewaltigung an. Ihre Freundinnen geben sich als Zeuginnen aus. Wieder einmal war Jack am falschen Ort zur falschen Zeit. Niemand glaubt ihm, weil er schon einmal eine Haftstrafe verbüßt hat.
Addis Liebe wird auf eine harte Probe gestellt. Ist Jack der Mann, den sie kennen- und lieben gelernt hat? Der Mensch, der sie aus ihrer Isolation herausgeführt hat? Ist er der sensible, kluge und fürsorgliche Mensch, den sie kennt oder ein brutaler Gewaltverbrecher?
Überzeugende Charaktere
Jodi Picoult vermag überzeugende Charaktere zu schaffen, die uneingeschränkt Sympathie und Solidarität für Jack und Addi hervorrufen. Der Leser fiebert mit den Liebenden und hofft, daß diese Menschen, die schon zu viel vom Schicksal gebeutelt wurden, endlich einmal das gefundene Glück festhalten dürfen.
Sprache
Jodi Picoults Sprache ist anrührend, klar und voller Bilder und Metaphern. Ein Lesegenuss vom Feinsten, trotz schwerer Thematik oft humoristisch und sensibel erzählt.
Klischees
Eine Frage bleibt offen: Ist es ein Klischee, daß es so leicht für einflußreiche Männer ist, den Mob aufzuwiegeln und Selbstjustiz zu machen? Oder ist es wirklich so, daß die Angst und das Grauen die Schlechtesten Seiten in einem Menschen hervorbringen? Sind Menschen so rachsüchtig und blind, oft auch aus Angst?
Jodi Picoult gibt keine Antwort darauf. Die muß sich der Leser selber geben. Wie würde er in dieser Situation handeln?
Jodi Picoult. Die Hexenjagd von Salem Falls. Piper 2003. Paperback, 473 Seiten. Euro 8,90.
