
- Das alte Rathaus in Gotha - Harald Rossa
Wer den Bahnhof von Gotha verlässt, der kommt sich zunächst ein wenig verlassen vor. Eine ewig lange Straße scheint vor dem Besucher zu liegen. Doch dann dauert es nicht lang, und der Besucher merkt, dass er sich in einer einstmals offensichtlich mit wohlhabenden Mitmenschen reich gesegneten Stadt befindet. Vornehme Villen begleiten ihn bis zum Schlosspark.
Sehenswerte Bauwerke in Gotha
Das Schloss Friedenstein ist das Wahrzeichen von Gotha. Herzog Ernst I., genannt der Fromme, aus dem ernestinischen Haus Sachsen-Weimar wählte Gotha zur Residenz des Herzogtums Sachsen-Gotha und ließ den Friedenstein ab 1643 auf dem 311 m hohen Schlossberg hoch über der Stadt erbauen. Das frühbarocke Schloss wurde 1655 fertig und gehört zu den größten Bauwerken seiner Zeit in Deutschland. Umgeben ist es von einem als englischer Landschaftsgarten gestalteter Park. Der war der erste seiner Art auf deutschem Boden. Im Westflügel von Schlosses Friedenstein gibt es älteste erhaltene Schlosstheater der Welt. Das Ekhof-Theater bewahrt einen ganz besonderen Schatz, und zwar die im Original vorhandene barocke Bühnentechnik.
Unter dem Schloss verbergen sich Kasematten, die teilweise besichtigt werden können. Weiter unten im Park stehen die Orangerie und das Schloss Friedrichsthal, das Winterpalais und das Prinzenpalais sowie der Museumsbau.
Rathaus und Augustinerkloster
Vom Schloss führt eine Wasserkunst bergab in die Stadtmitte von Gotha. Hier teilt das Rathaus den Hauptmarkt in zwei Teile. Der reich geschmückte Renaissancebau wurde 1567 begonnen und 10 Jahre später vollendet. Ein weiteres wichtiges Gebäude am Hauptmarkt ist die Innungshalle.
Nicht weit vom Rathaus sind die Bauten des ältesten Augustinerklosters in Thüringen zu finden. Dazu gehört die äußerliche eher unscheinbare Augustinerkirche. Natürlich hat Martin Luther hier mehrfach gepredigt.
Stadtkirche und Tivoli
Am Neumarkt steht die Stadtkirche St. Margareten. Sie war seit 1675 die Grablege der herzoglichen Familie Sachsen-Coburg-Altenburg.
Südwestlich der Altstadt von Gotha steht das Tivoli. Die ehemalige Gaststätte war der Ort des Vereinigungsparteitages vom 22. bis 27. Mai 1875, bei dem sich der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV) und die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) zusammenschlossen, aus der dann die SPD wurde. Eine Ausstellung im denkmalgeschütztem Bau dokumentiert dies Ereignis.
Eine weitere Volksbewegung Deutschlands konstituierte sich ebenfalls in Gotha. Der denkmalgeschützte Schützenhof sah die Gründung des Deutschen Schützenbundes. In der Nähe gibt es einen Friedhof mit dem ältesten Krematorium Europas.
Museen in Gotha
Mit dem Gothaer Haus der Versicherungsgeschichte gibt es hier das einzige Museum in Deutschland, das sich mit der Geschichte des Versicherungswesens befasst. Das Museum hat hier auch den richtigen Platz. Denn in Gotha wurden die ersten Versicherungsunternehmen gegründet: die Gothaer Versicherungsbank und Gothaer Lebensversicherung.
Das Museum der Natur Gotha
Das Museum der Natur Gotha ist das größte Naturkundemuseum Thüringens. Es steht im Schlosspark und verfügt über umfangreiche geologische, paläontologische und zoologische Sammlungen. Lebensechte Darstellungen zeigen Tiere und Pflanzen in ihren Lebensräumen.
Museen rund um das Schloss
Im westlichen Turm von Schloss Friedenstein gibt es einMuseum für Regionalgeschichte und Volkskunde.
Ein großer Teil des Schlosses wird vom Schlossmuseum der Stiftung Schloss Friedenstein belegt. Hier werden in 38 Räumen teilweise einzigartige Kunstwerke in historischen Räumen präsentiert. Altdeutsche und niederländische Gemälde, mittelalterliche und klassizistische Plastik, eine Antiken- und Ägyptensammlung und ein Münz- und Kupferstichkabinett werden geboten. Dazu kommen Arbeiten von Kunsthandwerkern, ostasiatische Stücke und auch Kunst des 20. Jahrhunderts. Der Kunstfreund sollte reichlich Zeit einplanen.
Ab 1640 entstand auf Schloss Friedenstein eine bedeutend Hofbibliothek. Seit 1999 steht die Forschungsbibliothek unter der Obhut der Universität Erfurt. Sie bewahrt viele Drucke der Frühen Neuzeit und betreut die einzigartige kartographische Sammlung des ehemaligen Verlages Justus Perthes.
Die Umgebung von Gotha
Grün ist es rund um Gotha. Ins Grüne fährt die Straßenbahn. Die Thüringerwaldbahn fährt vom Bahnhof Gotha an der Pferderennbahn auf dem Boxberg vorbei und bringt Ausflügler wie Bewohner in die Ortschaften Waltershausen, Schnepfenthal, Reinhardsbrunn und Friedrichroada zur Endstation Tabarz. Die etwa einstündige Fahrt ist schon ein Vergnügen.
Tierpark in Gotha
Klein, aber fein ist der Tierpark in Gotha. Dieser zoologische Garten am Fuß des kleinen Seebergs hat sich auf Tiere aus Südamerika konzentriert.
Lage und Anreise
Gotha liegt etwa in der Mitte zwischen Eisenach und Erfurt. Mit dem Auto ist es über die Autobahn A 4 einfach zu erreichen.
Am Bahnhof Gotha halten neben Regionalzügen auf der Verbindung zwischen Eisenach und Erfurt auch einige Fernzüge, die u. a. Verbindungen nach Leipzig und Frankfurt am Main bieten.
Der nächste Verkehrsflughafen ist Erfurt.
