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Die Höhle der vergessenen Träume - Filmrezension

Tropfsteinhöhle  - Wolfgang_Colditz_pixelio
Tropfsteinhöhle - Wolfgang_Colditz_pixelio
Beeindruckender 3D-Film von Werner Herzog über die Chauvet-Höhle, deren rund 32.000 Jahre alten Höhlenbilder der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind.

Wenn ein bekannter Filmregisseur eine Dokumentation dreht, lohnt es sich, genauer hinzusehen. Werner Herzog nimmt sich der berühmten Chauvet-Höhle im Süden Frankreichs an und liefert einen vordergründig einfach gemachten Film ab, in dem nichts ist, wie es erscheint. Im Zusammenspiel aus gewollt laienhafter Kameraführung, Chören, Ethno- und Orgelmusik wird eine sakrale Atmosphäre erzeugt, die den Kinobesuchern im Gedächtnis bleibt und Eiszeitkunst und Filmkunstwerk in eins verschränkt.

Die ältesten Höhlenbilder der Welt

Als die Höhle 1994 entdeckt wurde, war es eine der großen Sensationen der Frühgeschichte: Höhlenbilder von bestechender Schönheit in erstklassigem Erhaltungszustand zeigten sich dem Betrachter. Sie sind zwischen 35.000 und 32.000 Jahre alt. Die Höhle wurde nach einem ihrer drei Entdecker, Jean-Marie Chauvet, benannt.

Prompt wurde der Zugang exklusiv einem sehr kleinen Forscherteam vorbehalten, um zu verhindern, was der berühmten Höhle von Lesccaux widerfuhr – der Atem der Besucher hatte dort die unersetzlichen Kunstschätze der Steinzeit schimmeln und vergehen lassen.

Das macht Herzogs Film unter anderem so sehenswert – in absehbarer Zeit wird es keinem zweiten Filmteam erlaubt werden, in der Chauvet-Höhle Aufnahmen zu machen. Herzog dreht seinen Film in diesem Bewusstsein als ein eigenes Kunstwerk rund um die Kunst der Höhlenmalerei.

Der Film

Schon die Eingangsszenen verlangen einen seetüchtigen Magen, denn die Kamerafahrten sind absichtlich aus der Symmetrieachse verzogen, die Kamera zieht schräg nach oben oder wird von einem Kameramann geführt, der gerade auf den Knien über einen schmalen Steg rutscht. Vordergründig gesehen liegt das daran, dass dem Team vorerst nur gestattet wurde, eine kleine, semiprofessionelle Kamera mitzuführen. Doch hinter dem Wackeln steckt Kalkül.

Hier wird der Eindruck der Authentizität, des unmittelbaren Erlebens, kunstvoll inszeniert. Die Zuschauer erleben die aufgerissenen Augen des Kamerateams, die Ergriffenheit und Betroffenheit angesichts einer einmaligen Atmosphäre aus funkelnden Stalagmiten und unvergesslichen Tierdarstellungen. Die interviewten Wissenschaftler sprechen mehr über Gefühle und Vermutungen als über Fakten und jede kleine Szene ist genau bedacht platziert, hat ihre Funktion in der Erschaffung einer filmischen Anderswelt – der Hommage an die unbekannten Künstler der Eiszeit.

Herzog schließt den Film mit einem Postscriptum ab, in dem das nahe Atomkraftwerk ebenso gezeigt wird, wie die mutierten Albinokrokodile, die mit der Abwärme des Kraftwerks in einem nahen Tropenszenario heranwachsen und dem Regisseur die Gelegenheit geben, abschließend nach der Stellung des Menschen in der Natur und unserer Fähigkeit zu fragen, die Bilder unserer Ahnen zu verstehen. Darauf spielt auch der Titel des Films an – die 32.000 Jahre verschütteten Bilderträume, die wir 1994 wiederentdecken durften.

Die Höhle und ihre Bilder

Spektakuläres bietet sich genügend: Die Höhle war bis zu ihrer Entdeckung hermetisch von der Außenwelt abgeschlossen und zeigt ihre Bilder entsprechend vollkommen unversehrt, abgesehen von den Kristallschichten, mit denen sie überzogen sind und die gleichzeitig für ihre Echtheit bürgen. Gleich im Eingangsbereich finden sich 32.000 Jahre alte Handabdrücke eines Mannes, der nach den Berechnungen der Forscher respektable 1,80 m maß und vermutlich einer der Schöpfer der Bilder war. Unter Einbeziehung der Wölbungen und Nischen wurden hier Dutzende wunderbarer Tierdarstellungen für die Nachwelt erhalten, darunter die einzige aus Europa bekannte Abbildung eines Leoparden und dazu Hyänen, Insekten, Schmetterlinge, Bisons ...

Am beeindruckendsten sind zweifellos die Pferdedarstellungen, sie sind von einer bestürzenden Perfektion und Lebendigkeit. Immer wieder sieht man Tiere in mehrfach nebeneinander gelagerten Umrisszeichnungen, so als habe man sie für einen Trickfilm abgebildet – zweifellos entstand so im Fackellicht tatsächlich der Eindruck realer Bewegung.

Die Chauvet-Höhle als Tourismus-Magnet

Wegen ihrer großen kunsthistorischen Bedeutung und dem enormen Interesse der Öffentlichkeit ist zurzeit ein milimetergenauer Nachbau der Höhle in Planung. Die Bauarbeiten auf dem Domain du Razal haben 2011 begonnen und sollen 2014 abgeschlossen sein.

Werner Herzog

Der Regisseur Werner Herzog wurde 1942 geboren und hat seit 1962 inzwischen 57 Filme vorgelegt, darunter sowohl Spiel- als auch Dokumentarfilme. Zahlreiche Filmpreise zeigen seine Wirksamkeit als Filmschaffender.

Die Höhle der vergessenen Träume (Werner Herzog, 2011) läuft zurzeit in den 3D-Kinos. Empfehlung: unbedingt sehen.

Gundel Limberg - Studium der Literaturwissenschaft/Philosophie/ Abschluss: B.A.Studium der Bildungswissenschaft/ Abschluss: B.A.Beruflich im Bereich ...

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