Die Hudson River School – amerikanische Romantik

Frederic E. Church: Maler d. Hudson River School -   Mathew Brady/commons.wikimedia.org
Frederic E. Church: Maler d. Hudson River School - Mathew Brady/commons.wikimedia.org
Thomas Cole begründete um 1825 die Hudson River Schule und damit die Tradition der amerikanischen Landschaftsmalerei.

Der etwas irreführende Begriff "Schule" beschreibt in diesem Fall keine Institution, in der gelehrt wurde, sondern einen losen Verbund von Künstlern, die sich der amerikanischen Landschaftsmalerei widmeten.

Die Ziele der Hudson River School

Amerika in seiner ursprünglichen Schönheit zu zeigen, war das Anliegen der Hudson-River-School-Künstler. Eine vollkommene Welt, in der Mensch und Natur im Einklang sind. Die Motive dafür fanden die Maler im Tal des Hudson River, in den Catskills und den Adirondack Mountains sowie den White Mountains in New Hampshire.

Die Bewunderung dieser noch weitgehend unberührten Natur war (wie auch in der deutschen Romantik, z.B. bei Caspar David Friedrich) häufig von einem tiefen religiösem Gefühl begleitet. Diese Ehrfurcht vor der Schöpfung spiegelte sich auch in der amerikanischen Literatur der Zeit z.B. bei Ralph Waldo Emerson und Henry David Thoreau wider.

Die Einflüsse für die Malerei kamen aus Deutschland sowie aus Frankreich. Claude Lorrain und Nicolas Poussin waren Vorbilder ebenso wie die Düsseldorfer Malerschule. Die amerikanischen Maler unternahmen ausgedehnte Touren, auf denen sie Bleistift- und Ölskizzen anfertigten. Diese dienten ihnen anschließend im Atelier als Vorlage für die Gemälde.

Die Werke der Hudson-River-Schule waren meist großformatig und sehr detailgetreu – aber dennoch auch im romantischen Sinne idealisiert und komponiert. Beim Publikum fanden die Bilder großen Anklang. Sie zeigten die Schönheit des Landes und symbolisierten den Entdeckergeist der Amerikaner. Die Bilder hatten einen weitreichenden Einfluss bis hin zur Nationalparkbewegung.

Thomas Cole – Begründer der Hudson River School

Thomas Cole (1801-1848) begründete die Hudson River School. Cole war englisch-amerikanischer Abstammung und verbrachte seine Jugend in England. 1818 kehrte die Familie nach Amerika zurück. Thomas Cole studierte an der Kunstakademie von Philadelphia und arbeitete zunächst eine Weile als Porträtmaler. Seine Bewunderung galt jedoch seinem Landsmann Thomas Doughty, dem ersten amerikanischen Maler, der sich ausschließlich auf Landschaften spezialisiert hatte. Fest entschlossen, es seinem Vorbild gleichzutun, fuhr Cole 1825 von New York aus mit einem Schiff den Hudson River hinauf und erkundete die Region der Catskill Mountains. Dabei entstanden erste Bilder dieser unberührten Gegend.

Die amerikanische Landschaftsmalerei steckte damals noch in den Kinderschuhen und seine Catskills-Gemälde, die Cole später im Schaufenster eines Buchladens ausstellte, brachten ihm fast über Nacht Ruhm und Ansehen. 1841/42 unternahm Cole ausgedehnte Europareisen, studierte die Landschaften von Poussin, Lorrain, William Turner, John Constable und Jacob van Ruisdael. Das Ergebnis seiner Studienreise war eine neue Art der amerikanischen Landschaftsmalerei mit symbolisch-moralischem Gehalt, die sich eher theatralisch-kitschig präsentiert, wie der Bilderzyklus Die Zeitalter des Lebens zeigt, und die die Qualität der frühen Landschaftsbilder nicht mehr erreicht.

Frederic Edwin Church – bedeutendster Nachfolger Coles

Frederic Edwin Church (1826-1900) stammte aus wohlhabenden Verhältnissen und konnte es sich leisten, sein Leben seinen beiden Passionen, der Malerei und dem Reisen zu widmen. Von Thomas Cole hatte er sich in der Landschaftsmalerei unterweisen lassen. Außerdem interessierte er sich besonders für die Forschungsreisen des Alexander von Humboldt, der nicht ohne Grund als "zweiter Kolumbus" bezeichnet wurde. Church unternahm daraufhin selbst einige abenteuerliche Reisen in entlegene Gebiete. Von dort brachte er die Skizzen zu seinen Gemälden mit.

Churchs Markenzeichen waren großformatige detailgetreue Landschaftsbilder, die sich durch eine besonders scharfe Beobachtungsgabe auszeichneten. 1859 präsentierte er sein Gemälde Heart of the Andes der Öffentlichkeit. Das drei Meter lange Gemälde wurde zwar nicht groß genug, um wie die damals beliebten Panoramen in einer Rotunde präsentiert zu werden, dennoch bildeten sich vor der Ausstellung des Gemäldes lange Schlangen. Das Bild zeigte den Ausschnitt einer südamerikanischen Landschaft und wurde in einem abgedunkelten Raum so inszeniert, dass der Besucher sich der Illusion hingeben konnte, er stünde am Fenster mit Blick auf die Anden. Church hatte so detailreich gemalt, dass dem Publikum Operngläser an die Hand gegeben wurden. Fast 12.000 Menschen pilgerten zu dem Gemälde.

Die erste und zweite Generation der Hudson River Schule

Edward Cole, der Begründer der Hudson River School, starb bereits 1948. Er hatte zwar die Basis für die Künstlergemeinschaft geschaffen, nahm aber keine Führungsposition ein. Zu der ersten Generation der Hudson-River-School-Maler zählten außerdem unter anderem Coles Freund Asher Brown Durand sowie Jasper Francis Cropsey, der deutschstämmige Albert Bierstadt, William Hart und dessen Bruder James McDougal Hart, Samuel Colman und Robert Scott Duncanson.

Frederic Edwin Church war die schillerndste Figur der zweiten Generation der amerikanischen Schule der Landschaftsmalerei. Dazu gehörten außerdem John Frederick Kensett, Sanford Robinson Gifford und David Johnson.

Um 1900 geriet die Hudson River School zunehmend in Vergessenheit. Das Interesse der amerikanischen Künstler richtete sich nunmehr auf die Kunstmetropole Paris.

Quellen:

Walther, Ingo F. (Hrsg.): Malerei der Welt. Eine Kunstgeschichte in 900 Bildanalysen, Köln 2003

The Hudson River School: http://www.metmuseum.org/toah/hd/hurs/hd_hurs.htm

Frederic Edwin Church: http://www.butlerart.com/pc_book/pages/frederic_edwin_church_1826.htm

Ursula Kohaupt - Hineingeboren in die Generation Golf, aufgewachsen in Bayreuth und Kunstgeschichte studiert in Bamberg, Marburg & London. Danach sechs ...

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