Die Hundeschule. Einfach gut erzogen. Krivy, Lanzerath, Rezension

ISBN 978-3-275-01731-7 - Müller Rüschlikon Verlag Stuttgart
ISBN 978-3-275-01731-7 - Müller Rüschlikon Verlag Stuttgart
Dieses handliche Buch zur Hundeerziehung gibt aktuellen und zukünftigen Hundehaltern alltagstaugliche und umsetzbare Tipps zum sinnvollen Umgang mit Hunden.

Das hier rezensierte Ratgeberbuch erschien 2010 in erster Auflage. Es bietet nützliches Basiswissen zur Erziehung von Hunden. Die Autorinnen wissen wovon sie schreiben. Petra Krivy ist seit 20 Jahren VDH-Züchterin und leitet eine Hundeschule im Sauerland. Angelika Lanzerath ist erfahren im Umgang insbesondere mit verhaltensauffälligen Hunden und thematisch spezialisiert in der Hunde-Farm “Eifel” tätig.

Klar strukturierte Hundeerziehung ohne “Schema F”

Erziehung eines Hundes ist ein zielgerichteter und absichtsvoller Prozess, um erwünschte Verhaltensweisen zu etablieren. Dabei geht es um mehr als die pure Vermittlung von “Sitz”, “Platz” oder “Fuß”. Vielmehr betrifft es die umfassende Sozialisierung des Haustieres Hund. Die Förderung seiner psychischen Entwicklung im Rahmen einer auf gegenseitigem Vertrauen und Verstehen basierenden Partnerschaft zum Menschen.

Viele Wege führen in der Hundeerziehung zum Ziel. So beschreiben die Autorinnen wie wichtig es ist, für jedes Mensch-Hund-Team den individuell passenden Übungsaufbau und Ablauf zu finden. Der Hund sollte lernen seinen Menschen zu beachten und zu respektieren. Jedoch auch immer noch Hund sein dürfen. Die Erziehung des Vierbeiners bewirkt im besten Sinne die positiv und freudig erlernte Akzeptanz aufgestellter Regeln.

Hundeerziehung vom ersten Tag an

Mit dem ersten Tag des Zusammenlebens beginnt auch die Erziehung. Egal wie alt der Hund ist oder woher er kommt. Die Hund-Mensch-Gemeinschaft muss von Anfang an von vom Menschen festgelegte Regeln bestimmt werden. Grenzen sollten festgelegt und beansprucht werden. Die Führung und Anleitung liegt in der Verantwortung des Hundehalters. Dabei darf es kein Hin und Her geben. Mehrere Familienmitglieder müssen sich in allen wesentlichen Fragen der Hundeerziehung absprechen und einig sein. ´

Der Mensch kann nur erziehen, wenn er seine Anliegen für den Hund verständlich vermitteln kann. Hunde verstehen die menschliche Sprache nicht. Sie sind jedoch exzellente Beobachter. Je wirkungsvoller es seinem Menschen gelingt die Körpersprache einzusetzen, um so mehr versteht der Hund was man von ihm erwartet. Somit raten die Autorinnen von Wortlawinen und ständigem Einreden auf das Tier ab. Sie empfehlen das einfühlsame Agieren. Die Kombination von eindeutigen Worten mit körpersprachlichen Gesten und angepasster Mimik.

Das Interesse des Hundes gewinnen

Oft werden Hunde von ihren Menschen geradezu mit Aufmerksamkeit überschüttet. Sie bekommen ständig Zuneigung, Streicheleinheiten, Spielsequenzen und Futterbröckchen. Zuwendung ohne Ende ohne eingeforderte Gegenleistung seitens des Hundes. So verliert das Tier zunehmend sein Interesse am Menschen, da ihm alles förmlich aufgedrängt wird. Auch gibt es Hunde, die durch übertriebene Fürsorge eingeschüchtert werden und sozial verunsichern.

Der Weg aus dieser Situation funktioniert nur wenn der Mensch es schafft, sich für den Hund attraktiv und spannend zu machen. Als Sozial- und Bindungspartner des Tieres muss er den Hund fordern, ihm seine Rangposition vermitteln und die Ressourcen (Futter, Zuwendung, Lebensraum) entsprechend verwalten und zuteilen. Verzichtet der Mensch auf die Führung, so kann sich der Hund schnell als unkontrollierbar erweisen und reagiert auf Ansprache des Menschen nicht mehr. Mangelnde Attraktivität des Menschen führt zu vielen Folgeproblemen. Deshalb empfehlen die Autorinnen in dieser Situation Hundehaltern häufigeres Nichtbeachten nach dem Motto “Distanz schafft Nähe”. Weiterhin spannende Suchspiele, abwechslungsreiche Spaziergänge und aktive Spielerlebnisse, durch die eine Bindung und Interesse des Hundes entsteht.

Verhaltensbiologisch abgestimmte Hundeerziehung

Das Buch bietet viele wertvolle Tipps und anschaulich beschriebene Anleitungen, um die Sozialpartnerschaft Mensch und Hund gelingen zu lassen. Erziehung des Hundes bestehend aus Zuwendung, Aufmerksamkeit sowie gemeinsamen Tun. Loben und bestätigen mit Futter und Sozialkontakt. Anschaulich gibt es ein Buchsystem mit farbigen Tatzen, welche auf Übungen, wichtige Erklärungen oder auch Fehlerquellen verweisen. Dazu sind auf jeder Seite erklärende Fotos der Übungsschritte abgebildet.

Gut verständlich werden einzelne Übungseinheiten erklärt. Beispielsweise Übungen mittels Schleppleine, Bindungsübungen durch die Handfütterung oder auch Stabilisierungsübungen für Hunde mit Verlassensangst. Auf häufig vorkommende Schwierigkeiten wird sachlich und praxisbezogen eingegangen. Als wichtigstes Erziehungsziel werten die Autorinnen den sicheren Rückruf und gehen ausführlich auf das Einüben der Rufzuverlässigkeit ein.

Dieser Ratgeber zur Hundeerziehung konzentriert sich auf das Wesentliche und bietet auf 95 Seiten verstehbares Basiswissen. Er hebt sich durch und durch praxisorientiert auf angenehme Weise von vielen anderen Hundeerziehungsbüchern ab und kann auch so manchem “alten Hasen” in Sachen Hundehaltung noch einige wertvolle Tipps und Hinweise bieten.

Einfach gut erzogen. Die Hundeschule, Petra Krivy und Angelika Lanzerath, 2010, Stuttgart, Müller Rüschlikon Verlag, Euro 9,95, ISBN 978-3-275-01731-7

Astrid Treumann, Astrid Treumann

Astrid Treumann - 1967 in Berlin geboren, habe ich dort als berufliche Grundlage Kunst und Germanistik studiert (Hochschulabschluss 1991). Meine berufliche ...

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