Nördlich von Halberstadt erhebt sich ein bewaldeter Höhenrücken - der Huy. An seinem steil abfallenden Nordrand steht das Kloster Huysburg. Das wieder von Benediktinern bewohnte Kloster ist eine Wallfahrtsstätte und eine Station an der Straße der Romanik durch Sachsen-Anhalt.

Zwar sind die Klosterbauten romanischen Ursprungs. Doch die Klosterkirche bietet im Inneren eine für Mitteldeutschland seltene barocke Prachtentfaltung.

Die Abteikirche auf dem Huy

Die Abteikirche auf dem Huy entstand 1121. Sie ist ein bedeutendes Bauwerk der sächsischen Romanik. 1487 wurden die Westtürme erhöht und erhielten die gotischen Turmhelme. 1492 erhielt die Kirche ein neues und deutlich steileres Dach.

Die spätbarocke Einrichtung des Innenraumes stammt aus dem 18. Jahrhundert. Die romanische Ausstattung wurde 1525 im Bauernkrieg zerstört. Die danach eingebrachte Ausstattung ging im Dreißigjährigen Krieg verloren. An der 1767 entstandenen Kanzel prangt das Wappen der Huysburger Äbte. 1787 wurde von dem Bildhauer Stubenitzky aus Halberstadt der Hochaltar geschaffen. Das Altarbild stammt von dem Paderborner Künstler Anton Joseph Stratmann. 1793 kamen Beichtstuhl, Chorschranken und die beiden Nebenaltäre in die Kirche. 1983 wurde die neue Orgel von der Orgelbaufirma Eule aus Bautzen gebaut.

Im südlichen Querhaus erinnert ein großes Epitaph an den bedeutenden Abt Nikolaus von Zitzewitz. Er hat nach dem Dreißigjährigen Krieg das Kloster auf dem Huy praktisch neu begründet. Im nördlichen Querhaus ist Ekkehard, der erste Abt des Klosters, beigesetzt.

Seit 1951 ist die Huysburg ein Wallfahrtsort. In der Marienkapelle steht die Kopie einer Madonna aus dem Paderborner Dom. Die wurde 1959 hier aufgestellt und anlässlich einer großen Wallfahrt als „Muttergottes von Huy" geweiht.

Die Geschichte der Huysburg

Die Geschichte des Klosters geht bis in das späte 8. Jahrhundert zurück. Um 780 entstand hier ein Fort zur Sicherung des Gebietes gegen die weiter östlich lebenden slawischen Stämme. Mit der fortschreitenden Ostexpansion des sächsischen Adels verlor die Burg an Bedeutung. 997 schenkte Kaiser Otto III. den Huy dem Bischof Arnold von Halberstadt.

Um 1080 wurde das Kloster auf dem Huy, wo sich bereist Einsiedlerinnen niedergelassen hatten, gegründet. Erster Abt war Ekkehard, ein Kapitular des Domes zu Halberstadt. Unter ihm und seinem Nachfolger Alfried entwickelte sich das Kloster so gut, dass es schon 1084 das Recht der freien Wahl des Abtes erhielt. Es entstanden eine neue Kirche und größere Klostergebäude. Die noch immer hier stehende Kirche wurde am 1. August 1121 geweiht.

1444 gehörte das Kloster zu den Gründern der Bursfelder Kongregation. Das Kloster entwickelte sich in den folgenden Jahren hervorragend und es kam zu weiterer Bautätigkeit.

Während des Bauernkrieges wurde das Kloster im Mai 1525 niedergebrannt. Nach der Niederwerfung der Bauernaufstände wurde das Kloster trotz der Reformation wieder aufgebaut. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Kloster wieder geplündert. Danach konnte es sich wieder zu alter Blüte entwickeln. Im Westfälischen Frieden wurde der Bestand des katholischen Klosters in einer protestantischen Umgebung garantiert. Unter dem Abt Nikolaus von Zitzewitz entstand zwischen 1676 und 1704 die barocke Pracht in Kloster und Klosterkirche.

1804 hob der preußischen König Friedrich Wilhelm III. alle Klöster in der preußischen Provinz Sachsen, darunter auch das Kloster Huysburg, auf. Die Klosterkirche wurde zur Pfarrkirche für die Katholiken der Umgebung. Das Kloster Huysburg wurde zu einer staatlichen Domäne.

1823 schenkte König Friedrich Wilhelm III. die Huysburg samt Ländereien dem General von dem Knesenbeck. Der ließ ab 1828 einen großen Teil des Klosters abreißen.

1949 wurde der Besitz der Familie von dem Knesenbeck enteignet. Auf der Huysburg wurde ein Pflegeheim eingerichtet. Drei Jahre später ließ der Erzbischof zu Paderborn auf der Huysburg ein Priesterseminar einrichten. Dann entwickelte sich die Huysburg zu einem Wallfahrtsort. 1972 ließen sich Benediktiner aus Polen hier nieder. Die Huysburg war das einzige Benediktinerkloster der DDR.

192 erwarb das Bistum Magdeburg die im Staatsbesitz befindlichen Teile der Huysburg. Das Priesterseminar wurde geschlossen. Heute ist die Huysburg wieder ein von Benediktinern getragenes Kloster. Und bietet eine der schönsten barocken Kirchen in Mitteldeutschland. Die strahlt in einer barocken Pracht, wie sie protestantischem Mitteldeutschland nur selten, beispielsweise in Neuzelle, zu finden ist.

Lage und Anreise

Die Huysburg liegt am Nordrand des Höhenzuges Huy rund 10 Kilometer nördlich von Halberstadt. Von Halberstadt ist das Kloster auf der Straße in Richtung Röderhof zu erreichen.

Anschrift: Benediktinerkloster Huysburg, D-38838 Huy, Fon +4 (0)39425 961-0

Literatur

  • Margit Boeckh und Sebastian Kaps: Straße der Romanik. Mitteldeutscher Verlag Halle 2009, ISBN 978-3-8981-2653-3

Quellen

  1. Kloster Huysburg
  2. Röderhof im Huy
  3. Katholische Kirche in Deutschland: Kloster Huysburg