Die Hyperion-Gesänge

Dan Simmons' Zukunftsvision der Menschheit im 4. Jahrtausend

Die Erde wurde von einem künstlich erzeugten schwarzen Loch verschluckt, die Menschheit lebt seitdem verstreut im All ...

Die "Hyperion-Gesänge" sind allerfeinste epische Space-Operas mit allen Zutaten, die das Herz eines Science-Fiction-Fans höher schlagen lassen: künstliche Intelligenzen, temporale Anomalien, Wurmlöcher und Schwarze Löcher, große Schlachtszenen, verschlungene Verschwörungen und Gegenverschwörungen und vieles mehr … Dan Simmons' all-umspannende Regierung ist die Hegemonie. Die Menschen der Hegemonie gleichen im Großen und Ganzen den Menschen des 21. Jahrhunderts – uns. Die Hegemonie wird zusammengehalten von einem Netz von Farcaster-Portalen, die Materie in Nullzeit befördern, und der Fatline, die überlichtschnelle Kommunikation ermöglicht.

Die Ousters haben die Erde bereits vor ihrer Auslöschung verlassen. Sie sind Simmons Gegenentwurf zur Hegemonie: Menschen, die sich den unwirtlichen Gegebenheiten des Weltalls durch Genmanipulation und Nanotechnologie angepasst haben, anstatt Planeten nach ihren Bedürfnissen zu formen. Die Ousters sind Nomaden. Sie reisen in ihren Schwarmschiffen am Rand der Hegemonie und stoßen weit in die "galaxia incognita" vor. Die Ousters sind Posthumane – fremder als Außerirdische – und kehren jetzt zur Hegemonie zurück. Erste Verbände befinden sich in der Nähe von Hyperion, einem Randplaneten der Hegemonie.

Auf Hyperion liegen die Zeitgräber, ein temporale Anomalie, die von einer unbekannten Gruppierung aus einer unbekannten Zukunft in der Zeit zurückversetzt wurden. Der Wächter der Zeitgräber ist das Shrike, der Herr der Schmerzen, eine drei Meter große, stachelige Monstrosität mit Stahlhaut und vier Armen.

Hyperion

"Hyperion" und "Das Ende von Hyperion (The Fall of Hyperion)" erschienen 1989 und 1990 im englischen Original, bzw. 1991 und 1993 in der deutschen Übersetzung. 2002 wurden die zwei ursprünglichen Bände unter dem Titel "Die Hyperion-Gesänge" zusammen veröffentlicht.

"Hyperion"ist der erste Science-Fiction-Roman des amerikanischen Bestseller-Autors Dan Simmons und brachte ihm 1990 gleich den Hugo- und den Locus-Award ein. Für "Das Ende von Hyperion"erhielt er 1991 noch einmal den Locus-Award.

Der erste Band besteht fast ausschließlich aus den Geschichten der Pilger, die sie sich auf ihrer langen Reise zu den Zeitgräbern gegenseitig erzählen. Die Hegemonie versucht das Geheimnis der temporalen Anomalie zu ergründen, bevor es den Ousters möglich ist, und hat deswegen eine ausgewählte Gruppe auf die Pilgerreise geschickt. Eine Legende der Kirche des Shrikes besagt, dass der letzte Verbleibende einer Pilgergruppe einen Wunsch aussprechen kann, den der Herr der Schmerzen erfüllt …

Jede der Geschichten ist ein kleines Meisterwerk aus einem jeweils anderen Genre – Abenteuerroman in Tagebuchform, harte Militäraction, ruhige Betrachtungen über Ethik der Verzweifelten, film noir mit direkten Anleihen bei "Neuromancer" – aus denen andere SF-Autoren jeweils einen Roman geschrieben hätten. Dazwischengeschnitten ist als Rahmenhandlung die eigentliche Reise durch die Absonderlichkeiten von Hyperion, während der Planet evakuiert wird.

Das Ende von Hyperion

"Hyperion" endet sehr abrupt mit dem Einzug der Pilger in das Tal der Zeitgräber – deshalb die Empfehlung: Band 2 sollte schon im Bücherregal stehen, wenn man sich dem Ende von "Hyperion" nähert. Am Himmel von Hyperion bahnt sich eine Raumschlacht an, alle Fragen sind noch offen; durch die verschiedenen Geschichten der Pilger zieht sich nur ein roter Faden – Hyperion – und viele Andeutungen, dass sie viel dichter miteinander verwoben sein könnten als es den Anschein hat.

Der zweite Band ist linearer und konventioneller geschrieben. Dafür darf man sich hier auf viele Schauplätze, große Actionsequenzen … und vor allem auf eine gelungene Auflösung der vielen offenen Handlungsfäden aus "Hyperion" freuen. "Das Ende von Hyperion" beginnt mit der feierlichen Kriegserklärung der Hegemonie an die Ousterundbringt als neue Handlungspersonen den engen Beraterstab der Hegemonie-Präsidentin Meina Gladstone, wodurch der Leser immer über den aktuellen Stand des Kriegsverlaufs informiert wird. Die Pilger nähern sich nach dem "Zehn-kleine-Negerlein-Prinzip" immer mehr ihrer Nemesis, dem Shrike …

Endymion

Fünf Jahre nach seinem großen Erfolg mit den Hyperion-Bänden erweiterte Dan Simmons das Hyperion-Univerums mit zwei weiteren dicken Wälzern: 1996 erschien "Endymion" (dt.: "Endymion – Pforten der Zeit", erschienen 1997) und 1997 "The Rise of Endymion" (dt: "Endymion – Die Auferstehung", erschienen 1998). Die Geschichte setzt über 270 Jahre nach dem "Ende von Hyperion"ein und knüpft eng an die vorhergehenden Bände an. Man kann hier nicht viel über die Endymion-Bände schreiben ohne zu viel vom Ausgang der Hyperion-Bände zu verraten, nur soviel: es hat sich viel getan in Simmons Universums und gerade "Pforten der Zeit" nimmt sich viel Zeit für die Beschreibung dieser Veränderungen.

Die Endymion-Fortsetzung erreicht nicht mehr die Klasse des Vorgängers, ist aber immer noch sehr gute SF-Space-Opera und kann all jenen, denen die Hyperion-Gesänge gefallen haben, wärmstens empfohlen werden. 2003 wurden diese Bände, wie bereits die Vorgänger, zu einem Doppelband mit dem Namen "Endymion. Pforten der Zeit / Die Auferstehung" zusammengefasst.

Mehr aus dem Hyperion-Universum

Daneben hat Simmons noch drei Kurzgeschichten zum Hyperion-Universum verfasst: "Der Tod des Zentaurs" und "Erinnerungen an Siri" sind in der Kurzgeschichtensammlung "Styx – Dreizehn dunkle Geschichten"("Prayers to broken Stones", erschienen1990, wobei die enthaltenen Storys deutlich älter sind) zu finden und spielen vor den Hauptereignissen der Hyperion-Gesänge. "Der Tod des Zentaurs" kann man als erste Ideenskizze zum entstehenden Epos sehen, während "Erinnerungen an Siri" Simmons frühe Anerkennung im SF-Bereich einbrachte und von ihm unverändert als die Geschichte eines Pilgers in Hyperion verwendet wurde. In "Der Tod des Zentaurs" erwähnt Simmons seine direkte Vorlage für die Farcaster-Portale: die Gateway Arch von St. Louis.

"Die verlorenen Kinder der Helix" erschien 2004 in "Welten und Zeit Genug – 5 Kurzgeschichten" ("Worlds & Time Enough", erschienen 2002) und handelt von einer Ouster-Kolonie.

Bibliografie:

  • Der Tod des Zentaurs und Erinnerungen an Siri (Erstveröffentlichung: Isaac Asimovs Science Fiction Magazine, Dezember 1983). Erschienen in: Styx. Dreizehn dunkle Geschichten, Heyne 1995, ISBN 3-453-09305-4.
  • Hyperion. Heyne 1991. ISBN 3-453-13304-8.
  • Das Ende von Hyperion. Heyne 1993. ISBN 3-453-15639-0.
  • Die Hyperion-Gesänge. Heyne 2002. ISBN 3-453-21528-1.
  • Endymion. Pforten der Zeit. Goldmann 1997. ISBN 3-442-43351-7.
  • Endymion. Die Auferstehung. Goldmann 1999. ISBN 3-442-43352-5.
  • Endymion. Pforten der Zeit / Die Auferstehung, Blanvalet 2003. ISBN 3-442-24251-7.
  • Die verlorenen Kinder der Helix. Erschienen in: Welten und Zeit Genug – 5 Kurzgeschichten. Festa 2004. 3-865-52004-9.
Uli Gönczi, Annie Schwaiger

Uli Gönczi - Uli Gönczi studierte Alte Geschichte an der LMU München und arbeitete in diversen Redaktionen. Nach dem Studium erhielt er bei ...

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