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Die iBiografie: Steve Jobs würde sich im Grabe umdrehen

Leben und Wirken des neuzeitlichen Genies - C. Bertelsmann Verlag
Leben und Wirken des neuzeitlichen Genies - C. Bertelsmann Verlag
In einer Rekordauflage erscheint die autorisierte Biografie von Walter Isaacson über den Apple-Gründer. Doch Steve Jobs würde sich im Grabe umdrehen.

"Sie haben also herausgefunden, dass ich ein Arschloch bin. Und – ist das vielleicht etwas Neues?" Wer mit dem größten Visionär des Technikzeitalters persönlich zu tun hatte, musste es gleichzeitig mit einem Dämonen aufnehmen. Das erfährt man in der am 27. Oktober 2011 erschienenen Biografie über Steve Jobs (1955-2011). Es ist die einzige autorisierte Biografie, die es je über den Apple-Gründer geben wird.

Umfassendes Persönlichkeitsbild auf 704 Seiten

Der Journalist und Autor Walter Isaacson (CNN, Time Magazine) hat auf 704 Seiten ein umfassendes Persönlichkeitsbild des einzigartigen Erfinders gezeichnet. Und der ansonsten so kontrollsüchtige Steve Jobs hat ihm dabei freie Hand gelassen. Von der kalifornischen Kindheit, die mit einer Adoption begann, über seine Romanze im Alter von 27 Jahren mit der 41-jährigen Folk-Sängerin Joan Baez bis hin zu seiner Geheimniskrämerei über den tödlich endenden Bauchspeicheldrüsenkrebs, erfährt der Leser alles, was das neuzeitliche Genie ausgemacht hat. Viele Attribute sind Jobs zugesprochen worden, z. B.: verlassen, auserwählt, speziell. Oder: unverfroren, intelligent, enthusiastisch. Oder aber: eine Mischung aus Sensibilität und Gefühllosigkeit, Ruppigkeit und Distanziertheit.

Revolutionär des 21. Jahrhunderts mit Hang zur Einfachheit

Der Bob Dylan liebende Zen-Buddhist hat sich am liebsten an der Schnittstelle zwischen Geisteswissenschaften und Technologie bewegt. Mit seinem Credo "Einfachheit ist die höchste Form der Raffinesse" schuf er von 1984 mit dem Ur-Macintosh bis 2010 mit dem iPad die wichtigsten Innovationen des Technikzeitalters. Er hat das Handy revolutioniert, den Computer, die Musik und das Verständnis des 21. Jahrhunderts sowieso.

Haus und Hof für die Apple-DNA

Steve Jobs, der vor allem "auf massenmarkttaugliches Zeug fixiert" war, setzte mit jeder Markteinführung eines seiner neuen Produkte "Haus und Hof" (einer seiner Lieblingssprüche). Von Apple, seiner Firma, sprach er wie von einem Lebewesen. Sie hatte "DNA". Das Leben war für das Wunderkind des digitalen Zeitalters ein "Reality Distortion Field" - man kann die Wirklichkeit mithilfe seiner Persönlichkeit beeinflussen. Und seine Produkte zielten auf "Einfachheit in ihrer reinsten Form", die sowohl Kinder als auch 70-Jährige bedienen können.

"Es gibt keinen Grund, nicht seinem Herzen zu folgen"

Jobs, der stets intuitiv über Mensch und Maschine entschieden hat, war in seiner Jugend sieben Monate durch indische Dörfer gereist. Er hatte LSD probiert und sah – egal ob auf der Suche nach Gott oder einer weltumspannenden Innovation – "keinen Grund, nicht seinem Herzen zu folgen". Und er hatte ein temperamentvolles Herz, das entweder etwas "scheiße" oder perfekt" fand.

Jede neue Erfindung pries er an mit seiner besonderen Aura: "Es ist das Beste, was ich je gemacht habe!" Nur einmal lag der Charismatiker daneben. Das war, als er seinen Krebs mit alternativen Heilmethoden bekämpfen wollte. Ausgerechnet der große Innovator der Technik hat am Ende die Technik verweigert, um sich selbst zu helfen. Und es sollte ihn das Leben kosten. Doch sogar als er kaum noch reden konnte im Krankenhaus, war Jobs ganz Apple. Er riss sich die Narkose-Atemmaske herunter und schrie: "Ich hasse das Design!"

Ein vorzügliches Denkmal, das Generationen überdauern wird

Mit einer Startauflage von 250.000 Exemplaren ist die Biografie über Steve Jobs in Deutschland nun erschienen. Walter Isaacson hat sich in 40 Exklusivgesprächen mit dem Apple-Gründer auseinandergesetzt und sowohl mit seinen Freunden als auch Feinden unterhalten. Ihm ist dabei ein sehr gutes Buch über diese komplexe Persönlichkeit gelungen. Und trotzdem würde sich Jobs heute wohl im Grabe umdrehen, sähe er das Ergebnis. Denn das Werk ist weder schlank noch hat es die von ihm so geliebten abgerundeten Ecken. Doch mit den ausgewählten Worten und Bildern setzt es der Stilikone ein vorzügliches Denkmal und wird Generationen überdauern. In diesem Punkt also wiederum ganz nach Jobs' Geschmack. Außerdem weiß jeder Mensch, wie man intuitiv ein Buch bedient.

Und so komisch es klingen mag: Nach dem iPod, dem iPhone und dem iPad kommt damit ein ganz neues Jobs-Produkt auf den Markt. Wir nennen es die iBiografie.

Walter Isaacson: Steve Jobs: Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers. C. Bertelsmann Verlag 2011. Gebundene Ausgabe, 704 Seiten. Euro 24,99.

Caroline Stern, (c)

Caroline Stern - Veröffentlichungen u. a. in: People Management, Time Out London und auf: morgenpost.de, stern.de, welt.de. Aufgewachsen in Plauen ...

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