
- Grünhelme - Grünhelme e.V.
Zuerst sind da nur ein paar Linien, die ein Mitarbeiter der Grünhelme mit Gips streut. Ein paar Monate später steht dort ein erstes Gebäude. Als im April 2005 das erste Medizinerteam aus Deutschland seine Arbeit aufnimmt, strömen die Menschen aus großen Entfernungen nach Qarabagh in der Provinz Herat. Endlich gibt es eine Versorgung für werdende Mütter und Säuglinge. Am 18. April wird das erste Mädchen in der Ibn-Sina-Klinik, benannt nach dem legendären orientalischen Arzt Avicenna, geboren.
Scheu nehmen vor den deutschen Ärzten
Die erste Ärztin der Klinik trifft sich schon in den ersten Tagen mit den einflussreichen Männern der Gegend und schlägt Ihnen vor zu verbreiten, dass junge Frauen keine Scheu vor den Untersuchungen haben sollten.
Im nächsten Schritt wird eine Solar-Anlage auf dem Dach der Klinik instaliert. Im Herbst übernehmen die Notfall-Ärzte von der Nicht-Regierungs-Organisation Cap Anamur die Leitung der Klinik. Sie bereiten das Krankenhaus für den harten afghanischen Winter vor. Es kommen pro Tag bereits durchschnittlich 200 Bedürftige hierher. Neben den Behandlungen und Entbindungen werden Kurse zu Familienplanung, Hygiene und Ernährung angeboten.
Gemeinsam planen Afghanen und Deutsche
Das Gesundheitsministerium in Herat unterstützt den Aufbau der Operationsräume. Afghanische Ärzte aus Qarabagh werden in Herat fortgebildet. Gemeinsam planen Afghanen und Deutsche entsprechend des Bedarfs.
Ein Jahr später arbeiten vier afghanische Hebammen in der Ibn-Sina-Klinik. Inzwischen gibt es große Fortschritte im Bereich Notfalloperationen. Sogar Kaiserschnitte sind möglich. Leider zwingt die angespannte Sicherheitslage im November 2006 alle Mitarbeiter des afghanisch-deutschen Klinik-Projekts zur Vorsicht. Da die Ernte schlecht gewesen ist, befürchten die Leute einen harten Winter und daher auch mehr Gewalt.
Krankenhaus weiter ausbauen
Unbeirrt entwickeln die Projektleiter aus Deutschland die Klinik weiter. Im März wird der Grundstein für ein weiteres Gebäude gelegt. Es sollen mehr Patienten versorgt werden. Durch die Anschaffung eines Röntgengeräts werden die Diagnosemöglichkeiten enorm erweitert. Obwohl die meisten afghanischen Frauen weiterhin daheim gebären, werden im Mai 2007 36 Normalgeburten und zwei Kaiserschnitte in der kleinen Ibn-Sina-Klinik vorgenommen. Das binationale Team arbeitet zunehmend professioneller. Allein die stetig schlechter werdende Sicherheitslage bereitet täglich Grund zur Sorge. Sowohl die Grünhelme als auch Cap Anamur haben fast nur noch afghanisch-deutsche Mitarbeiter vor Ort.
Mütter und Kinder umfangreich versorgen
Im April 2008 wird das neue Gebäude eingeweiht. Die Ausstattung der Klinik hat sich erweitert und das Personal fortgebildet. Die stufenweise Entwicklung des Projekts hat Erfolg. In der Provinz Herat häufen sich Fälle von Entführungen und Erpressungen. Sowohl Afghanen als auch Deutsche werden von international vernetzten Banden verschleppt. Die Gefahr für die Mitarbeiter von Cap Anamur wächst. Schließlich sind sie gezwungen, das Land zu verlassen. Die Ibn-Sina-Klinik wird seitdem ausschließlich von Afghanen geführt. Trotz aller Widrigkeiten ist eine Grundversorgung zumindest zum Teil gewährleistet.
