
- Handarbeit und Armut - François Maher Presley
Kochi ist eine Provinzstadt im Bundesstaat Kerala im Südwesten an der indischen Malaba-Küste am Arabischen Meer an einem Naturhafen gelegen. Wenngleich in der Stadt Kochi selbst nur ca. 610.000 Menschen leben, so sind es in dem Ballungsraum über eineinhalb Millionen und machen diesen Raum damit zum größten Ballungszentrums des Bundesstaates. Die Hafenstadt liegt etwa 186 km nördlich der Hauptstadt des Bundesstaats Thiruvananthapuram und 360 km südwestlich von Bangalore im Destrikt Ernaqulam.
Kochi und seine Geschichte
Ihren Namen soll Kochi dem Begriff „kochazhi“ verdanken, der auf Malayalam kleine Lagune bedeutet. Der Name könnte sich allerdings auch von dem Wort „kaci“ herleiten lassen, Hafen oder von chinesischen Händlern vergeben worden sein. Belegt sind alle Überlieferungen nicht.
In Kochi oder Cochin (der koloniale Name der Stadt) verstarb 1524 Vasco Da Gama und wurde hier auch begraben, 1539 wurden seine sterblichen Überreste nach Lissabon überführt. 1500 landete er in Calicut, dem heutigen Kozhikode, später sein Landsmann Pedro Alvares Cabral in der Lagune von Kochi. 1502 errichtete man hier die erste Handelsniederlassung, ein Jahr später eine Festung, die erste ihrer Art auf dem indischen Subkontinents. Nach der Zerstörung der antiken Stadt Muziris (heute Kodungallur) durch eine Flutkatastrophe 1341, erlangte Kochi als neuer wichtigster Hafen der Region seine Bedeutung.
Portugiesen, Niederländer, Briten
Nach den Portugiesen folgten Mitte des 17. Jahrhundert die Niederländer und führten die Stadt in ihre Blütezeit als Handelszentrum. 1776 wurde Kochi vom indischen Feldherrn Hyder Ali, später erneut von seinem Sohn Tipu Sultan zerstört. 1790 kam die Stadt unter britischen Einfluss, 1814 ein Teil des britischen Kolonialreiches. In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Hafen durch Aufschüttungen auf Willingdon Island ausgebaut, um ihn für die Ozeanschifffahrt nutzbar zu machen.
Wirtschaft und Industrie
Die Region lebt von der Textilindustrie, dem Schiffbau, der Holzwirtschaft, dem Fischfang, der Kokosnuss-Verarbeitung und dem Export. Arbeitskräfte kosten wenig in Indien, so ist es kaum nötig, für die schweren oder gar gesundheitsschädlichen Tätigkeiten Maschinen einzusetzen. Kinderarbeit steht an der Tagesordnung. Die Rückständigkeit und zum Teil entsetzliche Armut ist überall in der Stadt zu sehen, wenngleich die Menschen auf den ersten Blick eher gelassen und fröhlich wirken. Dennoch wird nicht klar, wie es möglich ist, dass der Tourismus mehr und mehr an Bedeutung gewinnt, ist Kochi und die Umgebung geradezu erschöpfend uninteressant, schmutzig und zurückgeblieben. Ausländer erscheinen wie Wesen aus einer anderen Welt und sind natürlich für alle, denen sie begegnen ein kleines bisschen Hoffnung auf Glück, auf ein kleines Geschäft, dessen Umsatz den Monat und damit das Versorgen der Familie retten könnte.
Hoffnung auf Tourismus, Sehenswürdigkeiten
Die Stadt bietet einige, für ein touristisches Programm nicht ausreichende Sehenswürdigkeiten, darunter die älteste europäisch erbaute Kirche Indiens, die Franziskanerkirche (St. Francis Church) oder der im 16. Jahrhundert erbaute Mattancherry-Palast. Mit diesem Gebäude beschenkten die Portugiesen den damaligen Raja von Kochi. Zuletzt noch der Mitte des 18. Jahrhunderts von Niederländern erbaute Bolghatty-Palast auf Bolghatty Island.
Tausende von sehr kleinen, oft nur für einen Gläubigen Platz bietenden hinduistischen Tempeln begleiten die Menschen in ihrem Alltag. Unterschiedlichste Religionen bestehen nebeneinander, wenngleich auch in kleiner Größenordnung. Sie sind tief im Bewusstsein der Bevölkerung verwurzelt. Früher einmal war die jüdische Gemeinde Kochis berühmt, doch nach dem Wegzug nach Israel löste sie sich faktisch auf und hat heute keine Bedeutung mehr.
Technik und Kooperation
Großes verspricht man sich von der Eigenart arabischer Fürsten, möglichst außerhalb der eigenen Länder zu investieren, denn die Vereinigten Arabischen Emirate, hier vertreten durch das Emirat Dubai, investieren in den Technologiepark Smart City Cochin, den sie auch in Auftrag gegeben haben, als es Dubai wirtschaftlich zumindest noch nicht offiziell so schlecht gegangen ist. Wie die Zukunft des Parks nun aussehen wird, ist noch nicht klar.
Der Hafen von Kochi
Auf Villingdon Island befinden sich umfangreiche Hafenanlagen, die zwar Kochi zur bedeutendsten Hafenstadt Korals machen, die allerdings nur wenig mit dem zu tun haben, was man weitläufig als einen wirklich funktionieren Hafen verstehen wollte. Hier und in der Stadt befindet sich zudem auch ein Stützpunkt der indischen Marine, die dementsprechend durch Soldaten mehr oder minder lethargisch auch überall auf dem Hafengelände sichtbar ist.
