
- Die Inka - Der zwölfeckige Stein in Cusco - Constanze Ließ
Die Inka errichteten zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert unserer Zeitrechnung das größte Reich des alten Lateinamerika. Sie selbst nannten es Tahuantinsuyo – die „vier Teile“, der Name Inka stand nur für den obersten Herrscher selbst.
Die Inka – Sonnenkönige und Eroberer
Weit über 200 Völker machten sich die Inka innerhalb weniger Jahrzehnte Untertan, gliederten sie ein in ihr straff strukturiertes despotisches System. Millionen von Menschen wurden zwangsumgesiedelt, um dort zu sein wo sie gerade gebraucht wurden – Bauern, Bergleute, Boten, Soldaten. Vom heutigen Ecuador über Peru bis in Teile Argentiniens und Chiles erstreckte sich das Inka-Reich zur Zeit seiner größten Blüte, fast eine Million Quadratkilometer. Rund 40.000 Kilometer Straßen durchziehen das Reich, manche von ihnen sind breit und gepflastert, andere nicht mehr als Pfade durch die Schluchten und Gipfel der Anden auf über 5.000 Metern Höhe. Athletische Kuriere verbreiteten auf diesen Wegen die wichtigen Nachrichten im Reich. Sie lernten jede Botschaft auswendig, 240 Kilometer schaffte ihr Staffelsystem an einem einzigen Tag.
Cusco – Der Nabel der Welt
Die erste Hauptstadt der Inka wurde Cusco im heutigen Peru auf 3.400 Metern Höhe über dem Meer. Der Name bedeutet „Nabel“, es war der Nabel der Welt für die Inka. Ihm gehörte die Sonne. Tausende Diener mussten ihm Gefälligkeiten erweisen, Kinder und Kriegsgefangene wurden zu seinem Schutz geopfert. Ihre Geschichte erzählen heute Mumien wie die der kleinen Juanita, welche auf dem 6.400 Meter hohen Gipfel des Ampato gefunden wurde. Geschützt wurde die Stadt von der Festung Sacsaywamán, deren Überreste noch heute schier unzerstörbar über Cusco zu bewundern sind. Hier errichteten die Architekten den ersten Sonnentempel, von hier aus regierte der Inka.
Die Inka – Architekten, Künstler, Priester
Die Inka verwendeten keine Schrift, ihre Geschichte wurde über Generationen nur mündlich weitergegeben, unterstützt von Malereien auf Tafeln aus Holz und von den quipus, Knotenschnüren zum Registrieren von Waren. Und ohne Pferde oder das Rad zu kennen, vollbrachten ihre Baumeister wahre Wunder der Architektur, von denen Festungsruinen wie Ollantaytambo oder die Calle Hatunrumiyoc in Cusco mit ihrem berühmten zwölfeckigen Stein erzählen. Mehrere Tonnen schwer sind viele der geschliffenen Felsbrocken, die hier ohne Mörtel perfekt ineinander fassen. Wahre Meisterleistungen vollbrachten die Inka auch in der Agrarwirtschaft, das gesamte Reich wurde in eine ausgefeilte Planwirtschaft einbezogen. Noch heute sind die Terrassenanlagen der Inka in vielen Teilen Perus erhalten geblieben.
Die Eroberung der Inka durch Franzisco Pizarro
1532 eroberte der spanische Konquistador Franzisco Pizarro das Inka-Reich mit gerade einmal 168 Männern innerhalb weniger Wochen. Der draufgängerische und skrupellose Eroberer nahm den Inka-König Atahualpa gefangen und ließ ihn schließlich hinrichten. Zuvor jedoch hatte er sich von Atahualpa eine Kammer mit Gold füllen lassen und ihm dafür die Freilassung versprochen. Zahlreiche Kostbarkeiten der Inka fielen der Gier der Spanier zum Opfer, unzählige künstlerische Arbeiten wurden eingeschmolzen. Das völlig von der Hierarchie geformte Reich der Inka begann zu zerfallen.
Lesen Sie auch über die Hochkultur der Maya und ihre großartigen Tempel in Mittelamerika sowie über das Volk der Mixteken in Mexiko.
Bücher zum Thema
- GEO Epoche Maya, Inka und Azteken; 14/2004, Gruner + Jahr
- Entdecker - Forscher - Abenteurer, Lingen Verlag Köln, Titel der Originalausgabe: "Decouvreurs et conquerants", Éditions Atlas, Paris, 1983 (Autor nicht benannt, Übersetzung: Kurt Millner, Grudrun Weithaler)
- Conquest of the Incas, Autor: John Hemming, Verlag Pan, 2004
