
- Gerhart-Hauptmann-Haus - Michael Nitzschke
Auf Hiddensee, der kleinen Insel vor der Westküste Rügens, gibt es vier Ortschaften die teilweise weit über das Gebiet der deutschen Ostseeküste hinaus bekannt sind.
Die Inseldörfer Grieben und Vitte
Das älteste und kleinste Dorf auf Hiddensee ist zugleich auch das am wenigsten bekannte. Würde eine Umfrage gestartet, wo der Ort Grieben liegt, könnten sicher die Wenigsten eine Antwort geben. Grieben ist noch sehr ursprünglich, die Wege sind ungepflastert und die Häuser haben oft die typischen Reetdächer. Das Dorf liegt östlich des Hochlandes im Norden der Insel.
Vitte ist dagegen ein Ort, der auch außerhalb Hiddensees weithin bekannt ist. Mit etwa 600 Einwohnern ist es das größte Dorf der Insel, Sitz der Gemeindeverwaltung und der Schule. Besonders interessant sind die typischen Fischerhäuser und die schön angelegten Vorgärten.
Markanteste Gebäude des Dorfes sind die Blaue Scheune und das „Hexenhaus“, das älteste noch erhaltene Haus auf der Insel. Es war einmal das Sommerhaus des Pädagogen und Kulturpolitikers Adolf Reichwein. Die Blaue Scheune erhielt den namengebenden Anstrich von der Malerin Henni Lehmann, die das Gebäude um 1920 erwarb. Heute gehört es dem Maler Günter Fink, der in den Sommermonaten zweimal wöchentlich Einblicke in seine Galerie gewährt.
Die Inseldörfer Kloster und Neuendorf
Das Dorf Kloster erhielt seinen Namen vom Zisterzienserorden, der hier bis ins 16. Jahrhundert einen Sitz hatte. Das Kloster selbst verfiel im Laufe der Zeit und wurde dann im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Der Ort gilt als kulturelles Zentrum Hiddensees, hat er doch mit dem Hauptmann-Haus, der Kirche aus dem 15. Jahrhundert, dem Grab Gerhart Hauptmanns und dem Heimatmuseum viele der Sehenswürdigkeiten der Insel vorzuweisen.
Neuendorf, ganz im Süden der Insel gelegen, steht komplett unter Denkmalschutz. Typisch für dieses alte Fischerdorf, das seinen Charakter über die Jahrhunderte behielt, sind weiße Häuser mit Reetdach, die frei verstreut in der Landschaft stehen. Zäune, die ansonsten fast überall üblich sind, sucht man hier vergeblich. Interessant ist, dass in den Inseldörfern Neuendorf und Vitte unterschiedliche Dialekte gesprochen werden.
Das Gerhart-Hauptmann-Haus, Gedenkstätte für den Nobelpreisträger
Am bekanntesten und weit über die Grenzen der Insel hinaus ein Begriff ist das Gerhart-Hauptmann-Haus. Der berühmte Dichter Gerhart Hauptmann, der 1912 den Literaturnobelpreis erhielt, war hier Sommergast bevor er das Haus „Seedorn“ 1930 erwarb. Immer öfter wurde es zu einem Ort des Rückzugs für den Dichter, der eine enge Bindung zur Natur der Insel Hiddensee hatte. Nach seinem Tod 1946 wurde Hauptmann auf dem Inselfriedhof in Kloster begraben. Ein schlichter Grabstein erinnert an den Nobelpreisträger.
Heute ist das Haus mit den fast unveränderten Wohnräumen eine Gedenkstätte, in der auch Vorträge, Ausstellungen, Kammerkonzerte und Lesungen stattfinden.
Heimatmuseum und Nationalparkhaus, Fundgrube für Besucher
Das Heimatmuseum oder auch Inselmuseum in Kloster residiert in einer alten Seenotstation aus dem Jahre 1888. Der ursprünglich aus Westfalen stammende Karl Ebbinghaus, der auf Hiddensee eine Familie gegründet hatte, verkaufte mit seiner Frau selbstgefertigtes Kunsthandwerk. Da er sich auch sehr für das Brauchtum und die Traditionen der Inselbewohner interessierte, kam ihm die Idee ein Museum zu gründen. 1954 wurde das Heimatmuseum in der restaurierten und umgebauten Seenotstation eröffnet. Interessierte Besucher bekommen fundierte Informationen zu Geologie, Geschichte, Flora und Fauna Hiddensees geboten. Sogar ein Bernsteinzimmer ist hier zu finden. Es ist zwar nicht das berühmte verschollene, aber es beherbergt eine imposante Sammlung mit Funden der Bernsteinfischer Hiddensees.
In Vitte steht das Nationalparkhaus, das sehr interessante naturkundliche Führungen anbietet, die zu verschiedenen Zielen der Insel führen. Positiv ist, dass diese Führungen kostenfrei sind. Natürlich sind jedoch Spenden für den Nationalpark jederzeit willkommen. Unter dem Motto „Hiddensee für Kids“ werden von April bis Oktober Veranstaltungen speziell für Kinder angeboten.
