
- Schwarz-gelb-grüne Würfelspiele - Helmut Lorscheid
Mit dem Saarland, seit 1957 Teil der Bundesrepublik Deutschland, befassen sich die überregionalen Medien meistens nur, wenn dort gerade eine neue Regierung gewählt, ein Ministerpräsident lieber Bundesrichter werden will, oder ein Bundesfinanzminister namens Oskar Lafontaine überraschend als Minister und SPD-Bundesvorsitzender zurücktritt und sich – wenn auch nur für kurze Zeit – in dieses beschauliche Ländchen zu seinen lebensfrohen Mitbürgern zurückzieht..
Spenden für FDP, CDU und Grüne
Doch das ist Geschichte und Oskar Lafontaine spielt in Wilfried Voigts Buch eine untergeordnete Rolle. Im Mittelpunkt des Buches stehen vielmehr zwei bundesweit eher unbekannte Politiker, von denen einer angesichts seiner Machtfülle eigentlich nur mit einem König verglichen werden kann. Einer und der wichtigere von beiden heißt Hartmut Ostermann. der über einen der größten Altenheimbetriebe herrscht und eine ansehnliche Sammlung an Hotels sein Eigen nennt. Der Mann war früher, als die SPD das Land regierte, Sozialdemokrat, gehört aber seit einigen Jahren nicht zur der FDP an, sondern ist auch deren Hauptfinanzier an der Saar. Aber auch, CDU und Grüne bekamen und bekommen Geld von Ostermann. Für die Saar-Grünen dürfte Ostermann sogar der mit Abstand wichtigste Spender sein.
Ostermann regiert mit
Dem „Patronat des O.“ widmet der Wahl-Saarländer Wilfried Voigt ein ganzes Kapitel, dessen Zwischenüberschriften für sich sprechen: „Wer zahlt bestimmt“ heißt es da und beschrieben wird Ostermann seine FDP beherrscht, genauso wie den 1. FC Saarbrücken, dessen wichtigster Sponsor und Präsident er ist. Über den Fußfall laufen auch einige seiner Fäden in die Politik. Im Dienste Ostermanns oder einer seiner Firmen standen wichtige saarländische Politiker. So war Klaus Meiser, ehemaliger Innenminister und seit Beginn der Jamaika-Koalition aus Schwarz (CDU) Gelb (FDP) und Grün, Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion jahrelang Mitarbeiter im Projektmanagement der Victor’s-Gruppe, einer Ostermann-Firma. Rüdiger Linsler, wurde von, Ostermann zum gut bezahlten hauptamtlichen Geschäftsführer des FDP-Kreisverbandes Saarbrücken bestimmt, dessen Vorsitzender wiederum Ostermann ist. Aber auch der Saarländische Obergrüne stand einige Monate auf der Gehaltsliste einer Ostermann-Firma. Somit hatte Ostermann Einfluß auf alle drei Parteien der saarländischen Regierungskoalition. Für die FDP sitzt Hartmut Ostermann nun auch im Koalitionsausschuss der Jamaika-Koalition, also an einer der Schaltstelle der Macht über das Saarland.
Hubert, der Grüne Helfer
Mit Hubert Ulrich, einer der schillernsten Figuren der Grünen, befasst sich der Autor ebenfalls ausführlich. Und das mit Recht. Kein anderer Politiker der Grünen hat so viele große und kleine Skandale als Politiker überstanden, wie der große Vorsitzende der Saar-Grünen Hubert Ulrich. Bei der Betrachtung seiner politischen Laufbahn ziehen selbst manche Grünen Vergleiche zu den gesellschaftspolitischen Verhältnissen in Italien. So bezeichnete – der selbst im Strippenziehen nicht ungeübte Grüne - Daniel Cohn Bendit den an der Saar seit über einem Jahrzehnt fast allein herrschenden Hubert Ulrich als "Mafioso." Der Hessen-Grüne hat sich später für die so treffende Charakterisierung aber entschuldigt. Schließlich weiß man ja nie, wofür man den saarländischen Parteifreund noch mal braucht.
„Die Jamaika-Clique“ beschreibt detailliert und faktenreich die „Machtspiele an der Saar“ -Spannend, unterhaltsam und lesenswert. Bereits 1986 wurde der Autor dieses Buches, Wilfried Voigt ,60, für seine, damals in der Frankfurter Rundschau veröffentlichten Recherche über Missstände in der Leitung der chirurgischen Großabteilung eines Krankenhauses mit einem Wächterpreis ausgezeichnet.
Wilfried Voigt „Die Jamaika Clique“ Conte Verlag Saarbrücken,199 Seiten, 14,90 Euro
