Die Jason Bourne Trilogie - sogar besser als 007?

Matt Damon als Jason Bourne - Benjamin Rossa
Matt Damon als Jason Bourne - Benjamin Rossa
Beschreibung der Filmtrilogie um den Superagenten Jason Bourne, dargestellt von Matt Damon, sowie Ausblick auf die Zukunft des Bourne-Franchise.

Action- und Agentenfilme gehören ebenso zur modernen Filmkultur wie Dramen oder Thriller. Mühelos lassen sich die bekanntesten Actionfilmreihen aus dem Stegreif aufsagen: Lethal Weapon, Stirb langsam, Terminator, Mission Impossible, Speed und andere. Bei den Agentenfilmen stellt die James Bond-007-Reihe seit einem halben Jahrhundert die unangefochtene Nummer 1 dar. Und trotzdem bekam 007 im ersten Jahrzehnt seit der Jahrtausendwende die schärfste Konkurrenz überhaupt. Die Rede ist von den Jason Bourne-Filmen, die mit einer gehörigen Portion Realismus und einem viel ersteren Ton Action- als auch Agentenfilm unter einen Hut gebracht haben und inzwischen eine der besten Filmtrilogien aller Zeiten darstellen. Und die Franchise ist noch nicht am Ende.

Robert Ludlum: Der Erfinder von Jason Bourne

Galt Ian Flemming als der geistige Vater von 007, so ist das bei Jason Bourne der Schriftsteller Robert Ludlum gewesen. Ludlum (1927-2001) war ein ehemaliger Theaterdarsteller, der sich ab seinem 40. Lebensjahr dem Schreiben von Thrillern widmete. In seinem Romanen geht es oft um mächtige Organisationen, die Verschwörungen und dunkle Machenschaften betreiben. Unter diesen 22 Büchern, die allesamt Platz 1 der Bestsellerlisten erklommen, waren 3 Bücher deswegen hervorstechend, weil sie eine Geschichte bilden, die durch den selben Protagonisten zusammengehalten wird: Jason Bourne, der Superagent ohne Gedächtnis. In den Thrillern kämpft dieser Agent nach einer fehlgeschlagenen Mission darum, sich an seine Identität zu erinnern, wobei er sich zahlreichen Mordkomplotten seiner einstigen Auftraggeber sowie anderen Gegnern erwehren muss.

Der Beginn: Die Bourne Identität (2002)

Die Dreharbeiten für den die Verfilmung des ersten Bourne-Romans fanden noch zu Lebzeiten des Autors Robert Ludlum statt. Leider verstarb dieser im März 2001, als sich der Film bereits in der Nachproduktion befand. Zudem mussten einige Szenen noch einmal nachgedreht werden, weswegen sich der Kinostart um ein volles Jahr verzögerte, von Sommer 2001 auf Sommer 2002.

Der Film beginnt mit einem Mann, der leblos im Mittelmeer treibt und von Fischern aufgelesen wird. Es ist Jason Bourne, der keinerlei Erinnerung an seine Person und Vergangenheit hat, sich jedoch über seine erstaunlichen Fähigkeiten in Sachen Gedächnisleistung, Taktik, Körperbeherrschung und Nahkampf wundern darf. Er verfolgt seine eigene Spur quer durch Europa, von Marseille nach Zürich und von dort nach Paris. Eine umherziehende junge Frau namens Marie (gespielt von Franka Potente) wird sein einziger Halt. Am Ende kann Bourne seinen Auftraggeber in Paris stellen, aber er erfährt lediglich, wie sein letzter Auftrag gescheitert ist.

Regie führte bei diesem Film Doug Liman, die Drehbuchautoren waren Tony Gilroy und W. Blake Herron.

Die Bourne Verschwörung (2004)

Die Reihe wurde prompt fortgesetzt, und 2003 begannen die Dreharbeiten für die Bourne Verschwörung.

Jason Bourne und seine Freundin Marie halten sich im indischen Goa versteckt. Bourne versucht, die wiederkehrenden Fragmente seiner Erinnerung zusammenzufügen, als sich im fernen Berlin eine neue Herausforderung anbahnt. Dort werden zwei Männer bei der Übergabe von brisanten Akten über einen vergangenen Mordfall von einem Unbekannten erschossen, der die Papiere an sich reißt und entkommt. Ein Fingerabdruck wird gefunden - einwandfrei der von Jason Bourne. Dieser Vorfall löst eine Kaskade von tragischen Ereignissen aus, bei denen Marie getötet und Bourne selbst durch die Welt getrieben wird. Von Indien aus geht es nach Neapel, über München nach Berlin und von da aus nach Moskau. Die Schlussszene des Films findet allerdings in New York statt und wurde beim 3. Film neu gefilmt und wiederverwendet.

Regie führte diesmal der Independent-Regisseur Paul Greengrass, der vor allem mit einer anderen Kameraarbeit das Geschehen näher an den Zuschauer verlagerte, vor allem bei den Action- und Kampfszenen. Das Drehbuch schrieb Tony Gilroy.

Das Bourne Ultimatum (2007)

Das einstweilige Ende der Jason Bourne-Reihe stellt der dritte Teil 2007 dar. Sowohl kommerziell als auch nach Meinung der Kritiker gilt Teil 3 als der beste der Bourne-Filme und beschließt eine großartige Trilogie, die auch zusammen in verschiedenen DVD-Reihen erhältlich ist.

In Das Bourne Ultimatum packt ein Mitarbeiter der Agency vor dem britischen Reporter Simon Ross Informationen über Bourne und das Projekt aus, dem er angehörte. Der Reporter gerät daraufhin in London ins Visier der Fahnder, doch Bourne kann ihn noch abfangen und wichtige Informationen beschaffen, bevor Ross im Bahnhof Waterloo erschossen wird. Jason Bourne geht der Spur nach, begibt sich nach Spanien und Marokko. Dabei trifft er auf bekannte Personen und neue Widersacher. In New York schließlich begegnet er seinem einstigen Ausbilder, seinem Schöpfer, der ihn zu dem Agenten machte, der er nun ist. Dabei gewinnt Bourne endgültig seine Erinnerung an seine Identität und seinen richtigen Namen zurück. Ihm gelingt die Flucht - einmal mehr ist er untergetaucht.

Zum zweiten Mal führte Paul Greengrass Regie, während Tony Gilroy erneut für die Drehbuchgeschichte verantwortlich war.

Abgrenzung der Jason-Bourne-Filme von anderen Action- und Agentenfilmen

Was die Jason Bourne-Trilogie gegenüber allen bisherigen Actionfilmen so erfolgreich macht, ist ihre Verankerung in der harten Realität. Trotz seiner Fähigkeiten ist Bourne verwundbar, kann auch nur begrenzt Blut verlieren, und macht Fehler. Die Kämpfe und Actionszenen sind wesentlich realistischer als beispielsweise in Mission Impossible, es existiert noch eine glaubwürdige Physik.

In Abgrenzung zur James Bond-Franchise fehlt Jason Bourne jeglicher Charme und die Gelassenheit von 007, Bourne steht immer unter Stress, immer unter Spannung. Der Realismus wird hier auch insofern deutlich, dass Bourne keine Superausrüstung wie explodierende Kugelschreiber oder Stinger-Raketen, die von Autos aus abgefeuert werden, benutzt. Stattdessen sind es improvisierte Waffen wie zusammengerollte Zeitschriften oder normale Stifte, die Bourne in Zweikämpfen benutzt und deren Gebrauch jede ernsthafte Selbstverteidigungsschule lehrt.

Auch die Menschlichkeit kommt hier nicht zu kurz. Man erfährt, dass Bourne eine Zielperson im ersten Teil deshalb nicht erschoss, weil Kinder zugegen waren. Oder er gesteht im zweiten Teil einer jungen Russin, dass er der Mörder ihrer Eltern ist.

Gut möglich, dass die neuen, härteren 007-Filme mit Daniel Craig von den Bourne-Filmen als Zeichen der Zeit gesehen und inspiriert worden.

Ausblick

Matt Damon wird wohl nicht als Jason Bourne zurückkehren. Stattdessen wurde Jeremy Renner unter Vertrag genommen, für einen noch in der Planung befindlichen Bourne-Film, bis jetzt nur bekannt unter "The Bourne Legacy". Regie wird diesmal Tony Gilroy selbst führen, der bisher nur die Drehbücher schrieb.

Quellen: