Am eindeutigsten kommt die Auffassung, nach der Krankheiten als eine Strafe Gottes zu gelten haben, in der jüdischen Heilkunde des Altertums zum Ausdruck. Denn im zweiten Buch Mose spricht Jahwe: „Wirst du der Stimme deines Herrn, deines Gottes, gehorchen und tun, was Recht ist vor ihm, und zu Ohren fassen seine Gebote und halten alle seine Gesetzte, so will ich der Krankheiten keine auf dich legen, die ich auf Ägypten gelegt habe; denn ich bin der Herr, dein Arzt.“

Warum den Ärzten in der jüdischen Antike nur wenig Wertschätzung entgegengebracht wurde

Bei einer so einseitigen Ausrichtung auf den Glauben, dass Krankheiten ausschließlich von Gott gesandt werden, ist es klar, dass dem Arzt nur untergeordnete Bedeutung zukommen konnte, und dass der heilungssuchende Kranke sich in erster Linie an den Priester zu wenden hatte. Von der nicht gerade hohen Wertschätzung, welche die jüdische Antike den Ärzten entgegenbrachte, zeugt unter anderem das Wort Hiobs: „Ihr aber seid lügnerische Schmierer, trügerische Ärzte allesamt.“ – So hat denn auch das antike Judentum keine überragenden Ärzte hervorgebracht; wohl aber legen die Bücher Mose Zeugnis dafür ab, dass die Priesterschaft es mit dem Erlass allgemeiner hygienischer Vorschriften, mit der Bekämpfung ansteckender Krankheiten, der Vorbeugung von Epidemien, der Desinfektion und Isolierung sehr ernst nahm und hierin späteren Zeiten weit überlegen war.

„Rein“ und „unrein“

Besonders im dritten Buch Mose sind eine Fülle von Vorschriften enthalten, von denen manche durchaus zweckmäßig anmuten. Zunächst werden die „unreinen“ Tiere von den „reinen“ Tiere unterschieden. „Alles, was die Klauen spaltet und wiederkäuet unter den Tieren, das sollt ihr essen. Was aber wiederkäuet und hat Klauen und spaltet sich doch nicht, das ist euch unrein und sollt’s nicht essen.“ Zu diesen „unreinen“ Tieren zählte das Kamel, das Schwein, der Hase, das Kaninchen; ferner die Raubvögel und eine Reihe weiterer Vögel wie Raben, Strauß, Eulen; schließlich die Tiere, die auf „Erden kriechen“, wie Wiesel, Maus, Kröte, Igel, Molch, Eidechse, Blindschleiche und Maulwurf.

Das Verbot des Essens von Schweinefleisch

Während manche Gebote schwer verständlich sind, so die Erklärung der Hasen und Kaninchen zu „unreinen“ Tieren (es sei denn, es habe zur Zeit des Erlasses gerade eine Tularämie unter den Nagern gewütet!), hat das Verbot des Essens von Schweinefleisch sicher seine realen Hintergründe wegen der Trichinen- und Bandwurmgefahr.

Die Menstruationshygiene und der Aussatz

Umfangreiche Vorschriften gelten auch der Menstruationshygiene der Frau und der Behandlung des „Flusses“ sowie dem geschlechtlichen Verhalten. Eingehende Anweisungen werden weiterhin dem Aussatz gewidmet. Wie man ihn erkennt, wie man ihn behandelt, wie man die Kleider, bestünden sie nun aus Geweben oder Fellen, reinigt, wie man die Behausungen desinfiziert: Das alles wird in ausführlichen Schilderungen erörtert.