Die jüngsten Debütanten der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft

Der jüngste DFB-Kicker kam aus Düsseldorf - Stephanie Hofschlaeger
Der jüngste DFB-Kicker kam aus Düsseldorf - Stephanie Hofschlaeger
Seit dem 17. November 2010 ist Mario Götze einer der jüngsten deutschen Fußball-Nationalspieler. Ein Anlass, sich der übrigen Kollegen zu erinnern.

In diesen Tagen sind die Sportseiten voll von Geschichten über die blutjungen Talente, die am Mittwoch, 17. November 2010, beim 0:0 in Göteborg gegen Schweden ihr erstes Länderspiel bestreiten durften. Der jüngste von ihnen heißt Mario Götze, spielt bei Borussia Dortmund und hat seit jenem Mittwoch die Ehre, der siebt-jüngste deutsche A-Nationalspieler aller Zeiten zu sein. Doch wer waren die anderen Himmelsstürmer?

Ein frühes Länderspiel-Debüt ist kein Garant für eine große Karriere. Sicher, jeder kennt Lukas Podolski, Olaf Thon oder Uwe Seeler. Aber nur wenige Jung-Debütanten konnten sich in der DFB-Auswahl etablieren. Dies war allerdings weniger ihre eigene Schuld als vielmehr die der Politik: Unter den „Top Ten“ der jüngsten DFB-Auswahlspieler befinden sich zwei Ausländer, zwei spätere Kriegsgefallene und zwei Emigranten – von denen einer sogar noch für Argentinien spielte.

Ein Schalker, ein Berliner und ein gebürtiger Engländer

„Number Ten“ (Nummer zehn) war ein Engländer. Edwin Dutton war Sohn eines in Berlin ansässigen englischen Textilkaufmanns, der aber in Deutschland aufwuchs und zur Schule ging. Er spielte Fußball bei Preußen Berlin und Britannia 92 Berlin (heute BSV 1892) und stand – aller britischen Wurzeln zum Trotz – am 4. April 1909 in der Deutschen Elf, die in Budapest ein 3:3 gegen Ungarn erkämpfte (am gleichen Tag gewann eine andere deutsche Elf mit 1:0 gegen die Schweiz, der erste Sieg und der erste Punktgewinn einer DFB-Auswahl fanden am gleichen Tag statt!). Dutton wurde 1914 bei Kriegsbeginn interniert und kehrte nach Kriegsende auf die Insel zurück, wo er sich einen Namen als Vereinstrainer machte.

Auf Platz Nummer neun steht Olaf Thon vom FC Schalke 04. Als er am 16. Dezember 1984 beim 3:2 auf Malta debütierte, war er 18 Jahre und 229 Tage alt. Thon bestritt zwischen 1984 und 1998 insgesamt 52 Länderspiele und erzielte drei Tore.

Achtjüngster Debütant war Willy Tänzer. Mit 18 Jahren 178 Tagen spielte er als Rechter Läufer 7.Juni 1908 in Wien gegen Österreich. Das zweite DFB-Länderspiel überhaupt ging mit 2:3 verloren, es war Tänzers einziges Länderspiel. Sein Heimatverein, der „Berliner Sport-Club von 1895“ aus dem Charlottenburger Viertel Eichkamp, war in jenen Tagen dreimaliger Fußballmeister im „Verband Berliner Athletik-Vereine“ und spielt heute auch noch Fußball. Übrigens: 1923 wurde der Verein wegen „illegaler Gelder“ gesperrt, die damalige erste Mannschaft schloss sich dem „FC Hertha 1892“ an und nannte sich fortan: Hertha BSC.

Ein Kriegsveteran und zwei Gefallene

Rang sechs belegt eigentlich ein Ausländer: Franz Jelinek war Österreicher und Nachwuchstalent des Wiener Sport-Clubs, als er mit 18 Jahren 67 Tagen erstmals Groß-Deutscher Nationalspieler wurde. Am 15.September 1940 (an der Westfront tobte gerade die „Luftschlacht um England“) spielte er für „Großdeutschland“ in Bratislava gegen die Slowakei und gewann mit 1:0. Es blieb sein einziges Länderspiel: Der spätere Torschützenkönig der Gauliga Ostmark (1941/42) wurde 1942 eingezogen und ist am 20.Mai 1944 in Italien gefallen.

Auf Platz fünf rangiert Karl Wolter von „Vorwärts 1890 Berlin“, der am 6. Oktober 1912 gegen Dänemark (1:3) in Kopenhagen als Linksaußen eingesetzt wurde. Karl Wolter war an diesem Tag genau 18 Jahre und 65 Tage alt. Insgesamt bestritt er drei Länderspiele, davon das letzte neun Jahre später, nach dem 1.Weltkrieg, am 18. September 1921 in Helsinki gegen Finnland (3:3). Sein Heimatverein „Vorwärts Berlin“ aus dem Bezirk Mariendorf, mehrmaliger Berliner Meister des frühen 20.Jahrhunderts, stand 1921 im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft (0:5 in Düsseldorf gegen Nürnberg), schloss sich aber kurz darauf mit „Union 92 Berlin“ zu einem neuen Verein zusammen: Als „Blau-Weiß 90 Berlin“ spielte der Klub 1987/88 für ein Jahr in der Bundesliga.

Den Vierten Platz belegt Friedel Holz: Genau 28 Tage nach seinem 18. Geburtstag stand der junge Linksaußen des TuS Duisburg 48/49 (als „Eintracht Duisburg“ ab 1963 in der Regionalliga West aktiv) in jener Nationalmannschaft, die am 20.März 1938 mit 2:1 gegen Luxemburg gewann. Dieses ruhmlose Ergebnis war wohl mit ein Grund dafür, wieso es sein einziges Länderspiel blieb. Am 9. April 1941 ist er während der Luftlandung auf der Insel Kreta gefallen.

„Uns Uwe“, ein Wahl-Argentinier und der Jüngste überhaupt

Der drittjüngste Debütant war Uwe Seeler vom Hamburger SV. Als er am 16. Oktober 1954 beim 1:3 gegen Frankreich in Hannover erstmals für Deutschland spielte, war er 17 Jahre und 345 Tage alt. Seeler brachte es von 1954 bis 1971 auf 72 Länderspiele und 43 Tore und war damit (für wenige Monate) Rekordhalter.

Zweitjüngster Nationalspieler war Marius Hiller vom 1. FC Pforzheim. Er debütierte mit 17 Jahren 241 Tagen am 3. April 1910 in Basel beim 3:2-Sieg gegen Gastgeber Schweiz. Marius Hiller bestritt von 1910 bis 1911 insgesamt drei Länderspiele. Wie so viele Menschen in Pforzheim lebte Hiller vom Uhren- und Schmuckhandwerk und reiste als Repräsentant oft ins Ausland. Bei Kriegsbeginn 1914 hatte er eine Stellung in Argentinien. Er beantragte die dortige Staatsbürgerschaft und lief im Jahre 1916 als „Eduardo Marius Hiller“ noch zweimal für die „Albiceleste“ auf. 1917 wurde er nationaler Torschützenkönig mit 52 Toren.

Der jüngste Nationalspieler aller Zeiten hieß Willy Baumgärtnervom heute noch existenten Düsseldorfer Sportverein („DSV Lierenfeld“) von 1904. Er debütierte mit 17 Jahren 104 Tagen im allerersten offiziellen DFB-Länderspiel überhaupt – am 5. April 1908 in Basel beim 3:5 gegen die Schweiz. Baumgärtners Verein war der Baumgärtner bestritt von 1908 bis 1909 insgesamt vier Länderspiele. 1932 wanderte Baumgärtner nach Brasilien aus und betätigte sich bis zu seinem Tod 1953 als Vereinsfunktionär in Sao Paulo.

Literatur:

Jürgen Bitter, „Deutschlands Fußball-Nationalspieler, das Lexikon“,Berlin 1997,

Holger Joel u.a.: „Chronik des deutschen Fußballs – die Spiele der Nationalmannschaften von 1908 bis heute“, Gütersloh 2005;

Foto: © Der Kicker

Dirk Buschmann, Dirk Buschmann

Dirk Buschmann - Dirk Buschmann (geb. 1977) aus LÜNEN bei Dortmund, ist studierter Historiker (NF: Geographie und Politikwissenschaft) und sozusagen ...

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