Geboren etwa um 1412 in Domrémy als jüngstes Kind einer der bäuerlichen Mittel- bis Oberschicht entstammenden Familie, hörte sie mit 13 zum ersten Mal ihre „Stimmen“. Nach eigener Aussage stammten diese von drei Heiligen – Margareta, Katharina und Michael, die im Auftrag Gottes zu ihr sprachen. 1428 verließ sie ihr Elternhaus und machte sich zunächst auf nach Chinon um dort dem Dauphin Charles ihre Unterstützung im Kampf gegen Engländer und Burgunder anzubieten, die Teile Frankreichs besetzt hatten. Nachdem sie den Dauphin von ihrer göttlichen Sendung überzeugt hatte, brach sie auf nach Orléans und befreite die Stadt von den englischen Besatzern. In diesem strategisch entscheidenden Sieg liegt ihr Beiname begründet. Nachdem sie dem Dauphin zu seiner Krönung in Reims verholfen hatte, versuchte sie sich an der Rückeroberung von Paris, musste jedoch eine Niederlage einstecken. Kurz darauf wurde sie von den Feinden gefangen genommen und der Heiligen Inquisition überstellt.
Echtheit der Stimmen stand für Zeitgenossen außer Frage
Hauptanklagepunkte waren ihre Stimmen. Zeitgenössisch wurde nicht in Zweifel gezogen, ob sie diese Stimmen hörte; fraglich war viel eher, von wem diese stammten. War es wirklich Gott, wie Johanna behauptete, der durch seine Heiligen zu ihr sprach, oder kamen die Stimmen vom Teufel?
Man muss die Stimme als das Politikum betrachten, das sie für die den Prozess leitenden, auf Seiten Englands und Burgund stehenden Geistlichen waren. Denn konnten sie ihr nachweisen, die Stimmen des Teufels gehört zu haben, so wäre auch der zum König gekrönte Charles mit dem Teufel im Bunde und somit nicht rechtmäßiger Souverän. Auch hatte Johanna einfach die Monopolstellung der Kirche bezüglich der Kommunikation mit der himmlische Sphäre als Laie und - weitaus schlimmer - als Frau übergangen, was einen klerikal motivierten Ansporn für ihre Verurteilung bot.
Bedeutung der Jungfräulichkeit
Das Tragen von Männerkleidung, dass Jeanne sich seit Beginn ihrer Mission zu eigen gemacht hatte, war das zweite Hauptargument der Ankläger. Nach dem Wort der Bibel war derartiger Transvestismus wider das Wort Gottes. Jeanne widersprach, indem sie auf ihren Sonderstatus als Jungfrau verwies, der sie nicht an derartige gesellschaftliche Schranken band. Doch trotz mehrmaliger Untersuchungen ihrer Jungfräulichkeit mit Befund als virgo intacta wurde dieser Punkt kontinuierlich in Zweifel gezogen, häufig mit dem Verweis auf die Niederlage vor Paris. Das Ende der Siegessträhne der Jungfrau sei mit dem Verlust ihres Status als solcher zu begründen. So wurde Jeanne d´Arc dann auch für schuldig befunden und als Ketzerin zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt.
Von der Hexe zur Heiligen
Etwa zwanzig Jahre nach der Hinrichtung Johannas strebte König Charles, der nichts zu ihrer Rettung unternommen hatte, einen Revisionsprozess an, der Johanna von allen Anklagepunkten frei sprach. Die katholische Kirche sprach sie 1920 heilig und wenig später wurde sie zur zweiten Nationalheiligen Frankreichs ernannt.
Mediale Adaption
Zunächst geriet ihr Andenken in Vergessenheit, doch haben sich viele Künstler, vor allem im 18. und 19. Jahrhundert, des Jeanne d´Arc- Stoffes angenommen. So sind Schiller, Voltaire und Brecht als die bekanntesten unter den Schriftstellern zu nennen. Darüber hinaus wurde das Thema für die unterschiedlichsten Filme neu verarbeitet, es seien hier Carl-Theodor Dreyers Stummfilm La Passion de Jeanne d´Arc von 1928 und Luc Bessons The Messenger: The Story of Joan of Arc von 1999 genannt. Doch auch die Musiker wurden von der Jungfrau gleichermaßen inspiriert, sei es Giuseppe Verdi oder David Guetta.
Ebenso machen sich aktuelle Medien Jeanne d´Arc in ihrer Form als Befreierin ihres Landes zu Nutze. So wird beim deutsch-französischen Fernsehsender Arte aus unserer deutschen Kanzlerin ganz schnell mal die „Jeanne d´Arc des Ostens“, die ihr Land zwar nicht von feindlichen Besatzern, aber vielleicht von schlechter Politik befreien soll.
Wäre die Jungfrau von Orléans nach ihrem Ketzertod beinahe in Vergessenheit geraten, so ist ihr Andenken doch heute noch immer lebendig - auch wenn die Figur der Jeanne d´Arc mit der historischen Person nicht mehr viel gemein zu haben scheint.
