Die Kaiserpfalz in Ingelheim: Auf den Spuren Karls des Großen

Aula regia Karls des Großen - Christa Kaddar
Aula regia Karls des Großen - Christa Kaddar
Im Denkmalbereich und im Museum bei der Ingelheimer Kaiserpfalz wird große Geschichte lebendig - ein multimediales Erlebnis für Kinder und Erwachsene.

Auf den ersten Blick mögen die Bruchstücke der Kaiserpfalz in Ingelheim nicht spektakulär wirken und Besuchermassen wird man eher selten dort antreffen. Den Spuren Karls des Großen und der späteren Stauferherrscher aufmerksam zu folgen und die eindrucksvollen alten und sorgfältig restaurierten Mauerreste bei einer Führung oder einem Spaziergang zu besichtigen, ist jedoch ein lehrreiches und zugleich unterhaltsames Unterfangen. Für Kinder und Erwachsene ist es zudem ein lohnendes Abenteuer, die steinernen Zeugen mithilfe der Materialien und neuen Medien im Besucherzentrum und im Museum an der Kaiserpfalz virtuell zu rekonstruieren.

Durch die Kaiserpfalz erlangte Ingelheim ab dem 8. Jahrhundert europaweite Bedeutung

Der Bau der Kaiserpfalz durch Karl den Großen verlieh Ingelheim europaweite Bedeutung. 774 soll er zum ersten Mal in Ingelheim gewesen sein. Als er Ende 787 die Stadt wieder besuchte, blieb er bis Mitte 788 und berief dann eine Reichsversammlung dort ein. Im Sommer des Jahres 807 versammelte der sieben Jahre zuvor gekrönte Kaiser seinen Hoftag in Ingelheim. Nach ihm wählte auch sein Sohn, Ludwig der Fromme, noch gern die Kaiserpfalz als Ort für große Reichsversammlungen. Die Ottonen feierten mehrfach ihre Osterfestkrönungen und der Salierkönig Heinrich IV. wurde in Ingelheim von seinem Sohn Heinrich V. zur Abdankung gezwungen. Heute führt ein historischer Rundweg im sogenannten Ingelheimer Saalgebiet zu den historischen Stationen aus der Zeit Karls des Großen und der Herrscher aus den nachfolgenden vier Jahrhunderten. Viele imposante oder auch weniger auffällige Mauerreste befinden sich einfach zwischen Wohnhäusern. Gut erhalten ist die Ruine der „Aula regia“, der eindrucksvollen Thronhalle Karls des Großen.

In der Ingelheimer Kaiserpfalz traf Hildegard von Bingen Kaiser Friedrich I. Barbarossa

Die Saalkirche wurde im 10. Jahrhundert erbaut und im 12. Jahrhundert in ihrer heutigen Form vollendet. Es war auch die Zeit Hildegards von Bingen und es gilt als sicher, dass sie in der Ingelheimer Kaiserpfalz mit Stauferkaiser Friedrich I. Barbarossa zusammentraf. Unter ihm und den nachfolgenden Stauferherrschern erfuhr die Ingelheimer Pfalz eine Erweiterung und eine Befestigung zur Burg. Im 12. und 13. Jahrhundert renovierten die Staufer umfassend die Kaiserpfalz. Ihr Ziel neben der wehrhaften Verstärkung der Anlage war vermutlich ihre Bewahrung als Ort der Erinnerung. Bei den Renovierungsarbeiten passten sie die Gebäude und die Ausstattung ihrem Kunstgeschmack an.

Das Denkmal- und Wohngebiet an der Kaiserpfalz wurde lange vernachlässigt

Die historische Bedeutung des Gebiets im Bereich der früheren Kaiserpfalz wurde über lange Zeit nicht angemessen beachtet. Eine Befragung der Bewohner in den Jahren 1997 und 1998 ergab, dass eine deutliche Mehrheit sich stark mit dem Wohngebiet identifizierte, es jedoch als unattraktiv und vernachlässigt empfand. Ende 2001 fasste die Stadt Ingelheim den Beschluss, die innerstädtische Entwicklung im Saalgebiet zu verbessern. Seitdem hat sich viel getan, was die Steigerung der Lebensqualität der Bewohner und die Modernisierung der Häuser und Wohnungen angeht. Insbesondere die sorgfältige Sicherung der historischen Standorte im Saalgebiet wurde deutlich vorangetrieben. Ein denkmaltouristisches Konzept, das die Erforschung und den Erhalt der historischen Bausubstanz und die Öffnung wichtiger Denkmalbereiche für das Publikum vorsieht, ist inzwischen weitgehend umgesetzt.

eGuides und Monitore erklären die archäologisch und historisch wichtigen Punkte der Kaiserpfalz

Das Besucherzentrum und das Museum bei der Kaiserpfalz am François-Lachenal-Platz 5 bieten unter einem Dach vielfältige Informationen, Exponate und Ausstellungen. Das Haus ist barrierefrei und als Ausgangs- und Schlusspunkt einer Stadtbesichtigung zu empfehlen, weil die Präsentationen sowohl zur Vor- als auch zur Nachbereitung des Rundgangs durch das Pfalzgebiet geeignet sind. Für diejenigen, die nicht an einer Gästeführung teilnehmen wollen, stehen im Besucherzentrum „eGuides Kaiserpfalz“ zur Verfügung, ein System, das auf Taschencomputern (PDA) basiert. Es erlaubt den Besuchern des Denkmalbereichs Kaiserpfalz, das Gelände auch ohne Begleitung von Gästeführern zu erkunden. Über dieses System erhalten Touristen Informationen in Form von Hörtexten und Bildern zu allen archäologisch und historisch interessanten Punkten. Auch im Besucherzentrum und im Museum stehen drei große Monitore und ein Großbildprojektor zur Verfügung. Die interaktive Präsentation ist selbsterklärend aufgebaut. Historische Persönlichkeiten, die in Kurzfilmen auftreten, setzen anregende Akzente.

In Ingelheim ist die bisher einzige gefundene Goldmünze Karls des Großen zu sehen

Im Besucherzentrum und Museum vermittelt ein Modell einen anschaulichen Eindruck von der einst imposanten Ingelheimer Kaiserpfalz. Außerdem sind aufschlussreiche Funde zu sehen, die bei Ausgrabungen im Verlauf der letzten 100 Jahre zutage gefördert wurden. Dazu gehört die einzige Goldmünze mit dem Bildnis Karls des Großen, denn bisher sind Münzportraits des Kaisers nur auf Silbermünzen bekannt.

Die Museumsausstellung informiert nicht nur über die Kaiserpfalz, der eine eigene Abteilung gewidmet ist, sondern auch über die Vor- und Frühgeschichte, die Römerzeit und das Frühmittelalter im Ingelheimer Raum. Der Denkmalbereich der Kaiserpfalz ist jederzeit frei zugänglich. Die Präsentationsbereiche im Besucherzentrum mit angegliedertem Museum sind dienstags bis sonntags geöffnet, in der Zeit von November bis März von 10 bis 16 Uhr, von April bis Oktober von 10 bis 17 Uhr. Weitere Informationen über Ausstellungen, Veranstaltungen und Führungen unter Telefonnummer 06132/714701 und unter der Homepage der Kaiserpfalz und des Museums bei der Kaiserpfalz.

Quellen: Informationsmaterial des Besucherzentrums und des Museums bei der Kaiserpfalz; mündliche Informationen aus Gästeführungen.

Christa Kaddar, Christa Kaddar

Christa Kaddar - Christa Kaddar ist freie Journalistin und Fotoreporterin. Als freie Mitarbeiterin der Redaktion des Rheingau Echos und der Gesellschaft ...

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