
- Lizum-Kalkkögel - Alexander Sansone
Ein Blick von Innsbruck Richtung Süden verwirrt so manchen Betrachter. Ein Gebirgsblock wirkt so anders, als die ihn umgebenden Berge. Es handelt sich um die Kalkkögel, einen dolomitischen Gebirgsstock, der auch dem Geologie-Unkundigen als fremdartig zwischen den ihn umgebenden Gipfeln erscheint, weshalb sie oft auch als "Nordtiroler Dolomiten" bezeichnet werden.
Die Kalkkögel - die Nordtiroler Dolomiten
Die Kalkkögel sind eine Gebirgskette, die zu den Stubaier Alpen in Tirol gehört. Dieser aus Dolomitstein bestehende Gebirgsstock ist der Rest einer mächtigen geologischen Decke, dem Brennermesozoikum, das bis auf wenige Reste abgetragen wurde. So stehen sie sichtbar neben der Ötztal- und Stubaimasse aus Altkristallin und heben sich dadurch besonders hervor. Sie sind ein Wander- und Klettergebiet. Der höchste Punkt ist die Schlicker Seespitze mit 2.804 m, der östlichste Berg ist der Ampferstein. Die Kalkkögel sind von Grinzens aus über die Kemater Alm und die Adolf-Pichler-Hütte her oder von der Axamer Lizum ausghend, erreichbar. 1983 wurde das Ruhegebiet Kalkkögel ausgerufen, das mit 77,7 km² fast die gesamten Kalkkögel und umliegende Gebiete umfasst
Ruhegebiet Kalkkögel und Seilbahnpläne
Seit einiger Zeit bereits geistern Ausbaupläne, die eindeutig den Naturschutzbedingungen eines Ruhegebietes widersprechen, durch die Köpfe der lokalen Politiker und der Seilbahnwirtschaft. Argumentiert wird mit wirtschaftlichen Chancen, ja sogar der nahe Tod des Schigebietes Axmer Lizum wird prophezeit. Umstritten ist erstens die geplante Seilbahn von der Lizum in die Schlick. Sie würde über das Ruhegebiet Kalkkögel führen. Die Verbindungsbahn soll insgesamt eine Gesamtlänge von 4,7 Kilometer haben. Davon würden etwa 2,5 Kilometer durch das Ruhegebiet Kalkkögel verlaufen. Es sind auch zwei Stützen am Grat im Ruhegebiet geplant. "Das vom Projekt berührte Ruhegebiet Kalkkögel solle überwunden, nicht erschlossen werden", betonte der Axamer Bürgermeister Rudolf Nagl bei einer Präsentation und verwies auf das Beispiel Obergurgl-Hochgurgl. Dort habe es die gleiche Situation mit einem Ruhegebiet gegeben, dort sei es aber leicht gegangen, eine Verbindungsbahn zu bauen.
Der zweite Plan, eine Seilbahn vom heutigen Sonnenlift direkt auf die Pleisen zu führen und dafür auch im Dorf die entsprechenden Gründe für den nötigen Parkplatz zur Verfügung zu stellen, stößt auf breite Ablehnung. Denn die bereits vorhersehbaren Schnee-armen Winter sprechen solchen Intentionen klar entgegen. Auch das Argument der nötigen Auslastung der Lizum ist ein Vorwand, denn wer an den Winterwochenenden, besonders gegen das Frühjahr hin, verzweifelt in der Lizum einen Parkplatz sucht, der weiß, dass die Benutzung des vorhandenen Schigebietes mehr als gut ist.
Die Rundwanderung von der Axamer Lizum aus
Die Axamer Lizum ist von Innsbruck aus sowohl mit dem eigenen PKW als auch mit dem Bus leicht erreichbar. Von der Axamer Lizum (1.560 m) steigt man am Denkmalbodensteig zum Hoadlsattel (2.264 m) auf. Am Hoadlsattel öffnet sich gegen Südwesten ein schöner Ausblick zur Adolf Pichler Hütte, zum Seejöchl, Gamskogel und vielen anderen Gipfeln der Stubaier Alpen. Dann wendet man sich auf dem Hochtennbodensteig leicht ansteigend zum Hochtennboden, hier erreicht man eine hochalpine Wiese. Leicht an- und absteigend geht es über den Widdersberg-Sattel (2.262 m) weiter. Über das Lizumer Kar wiederum ansteigend, kann man mit genügend Kondition einen kurzen Abstecher zur Schneiderspitze (2.156 m) machen, von der aus man einen wunderbaren Ausblick auf den gesamten Steig hat. Zurück zum Steig und geradewegs weiter wandert man zum Halsl (1992 m). Hier ist der Übergang von der Axamer Lizum ins Stubaital. Vom Halsl aus kehrt man in die Axamer Lizum zurück.
- Dauer: etwa 4 bis 5 Stunden je nach Kondition
- Höhenmeter: An- und Abstieg circa 800 Höhenmeter
- Wanderstufe: mittel
Alpine Welt
Das Ruhegebiet Kalkkögel erstreckt sich über mehrere Vegetationseinheiten, von der collin/montanen bis zur hochalpinen Stufe. In tieferen Lagen dominieren Lärchen-Fichtenwälder. Darüber liegen die Gebiete der Zwergstrauchheiden und alpine Grasheiden, wobei hier beide Alpenrosen-Arten vorkommen: Auf Silikatgestein die Rostrote Alpenrose (Rhododendron ferrugineum), auf Karbonat im Bereich der Kalkkögel selbst die Bewimperte Alpenrose (Rhododendron hirsutum). Die alpinen Grasheiden werden auf Felsabsätzen und in den Schuttrinnen von hochalpiner Pioniervegetation abgelöst. Führt man diese Wanderung Ende Mai bis Mitte Juni durch, erfreut einen die herrlichste alpine Frühlingspracht. Unter den letzten Schneeresten läutet bereits das Echte Alpenglöckchen (Soldanella alpina) den Frühling ein, die mattgelbe Aurikel (Primula auricula) leuchtet mit den Schusternagelen (Gentiana verna) um die Wette. Silberwurz (Dryas octopetala) und Mehlprimel (Primula farinosa) blitzen aus den Matten hervor. Gelegentlich findet man auch noch den Alpen-Hahnenfuß (Ranunculus alpestris). Nach dem endlos langen Winterweiß eine Farbenpracht für das Auge. Später übernimmt jahreszeitlich die Alpenrose das Zepter, darauf folgen die alpinen Sommerblüher, wie Arnika (Arnica montana), Gold-Fingerkraut (Potentilla aurea), Sonnenröschen (Hlianthemum alpestre) und Gold-Pippau (Crepis aurea).
Geologische Spurensuche in der Axamer Lizum
Aber nicht nur der Blumenfreund kann sich an dieser Wanderung erwärmen, sondern auch der geologisch interessierte Wanderer. Die Kalkkögel, deren Zacken frappant an die Dolomiten erinnern, sind schon deshalb so interessant, weil hier unterschiedliche Gesteine auf einander treffen. Deshalb kann man sich entlang dieser Wanderung auch als geologischer Spurensucher betätigen. Unter dem Hoadlsattel, bevor der Steig sich die letzte Stufe hinauf windet, wird es bereits interessant. Hier findet man im herumliegenden Geröll Glimmerschiefer (Ötztaler Altkristallin), Quarzite (dem Verrucano zu zu ordnen), Dolomitmarmor und Dolomit. Folgt man vom Hoadlsattel dem Hochtennbodensteig, so ist es für den geologisch interessierten Wanderer gleich in den ersten 300 Metern besonders spannend.
Man durchquert zuerst mergelige, dünn gebankte Kalke und plattige Marmore der Partnach-Formation (Beckensedimente), bestaunt dann oberhalb des Steiges bis zu circa 30 cm gebankte dolomitische Kalke mit zwischengelagerten, geschieferten Tuffen aus dem Ladin. Besonders attraktiv ist eine auf der Südseite des Steiges in den Himmel ragende Falte, die entlang der Faltenachse durch Tektonik abgeschnitten worden ist und daher besonders auffällt. Der erste kleine Vorgipfel oberhalb des Steiges ist aus Wettersteindolomit aufgebaut. Am Hochtennboden erreicht man geologisch gesehen das Raibler Niveau. So findet man beim Abstieg Richtung Widdersberg-Sattel zahlreiche Gerölle schwarzen Tonschiefers. Jetzt wandert man hauptsächlich im Bereich des Hauptdolomits weiter, über den Widdersberg-Sattel und dann unter der Nordwand der Marcheisenspitze vorbei. Hier kann man im Geröll bzw. am Fuß der Wand schöne Stromatolithen bewundern, die von den Algenmatten eines seichten Meeres Zeugnis ablegen. Eine kleine geologische Spurensuche abseits vom üblichen Wanderrhythmus. Aber Achtung: es besteht absolute Suchtgefahr Steine kiloweise nach Hause zu schleppen! Wer von den Bergen nicht genug bekommen kann, wandert auf die Serles weiter.
Wer sein Herz an die alpinen Blumen verloren hat, wird bei den Alpenblumen fündig.
Artikel: Wandern zu den ersten Alpenblumen
Eine weitere geologisch interessante Tour: Die Ehnbachklamm
