Die Kirche nach dem Ersten Weltkrieg

Reaktion der Kirche auf den Ersten Weltkrieg. Grundsteinlegung für Theorien, Ideologien und die "Deutschen Christen" in den 1930er Jahren.

Um die Ereignisse, die zwischen den zwei großen Weltkriegen passierten, erfassen und begreifen zu können ist es wichtig, historische Begebenheiten nach dem ersten Weltkrieg 1918 zu beleuchten - vor allem in hinsichtlich der kirchlichen und gesellschaftlichen Belange.

Die Situation nach dem ersten Weltkrieg

Nach dem Weltkrieg brach zunächst die gesellschaftliche Ordnung zusammen. Der „millionenfache Tod“ (1) und die „Begegnung mit nie gekannten Hass und Grauen“ (2) erschütterten das Selbstbild der Menschen. Die noch vor dem Weltkrieg herrschenden materiellen und rationellen Einstellungen gingen verloren. Nach dem der „ersten Schreck verdaut“ war, war es jedoch auch möglich an einen neuen Anfang zu denken. Die Menschen suchten nach Theorien und Ansichten, die ihrem Leben nach den Erlebnissen wieder „Sinn“ brachten. Das und auch der Wandel der Wissenschaften zu Beginn der 20. Jahrhunderts, sensibilisierten die Menschen für extreme Ideologien. Faschismus und Kommunismus boten jetzt eine annehmbare Alternative, denn sie nahmen sich der Menschen an und gingen auf ihre Ängste, momentanen Lebenslagen und Hoffnungen ein. Auch globale Themen, welche die Menschen bewegten, wurden in den aktuellen Diskussionen nicht ausgespart.

Die Kirche nach dem ersten Weltkrieg

Zunächst ist festzustellen, dass die Kirche nicht an ihre früheren Einflüsse anknüpfen konnte. Nicht nur weil sie sich immer mehr von der modernen Welt entfernte, sondern auch weil das System in dem sie versuchte sich aufzubauen, nicht sonderlich viele Möglichkeiten bot, Einfluss zu gewinnen. Aufschwung erfuhren in den 20iger Jahren eher die „anderen“ Religionen, wie die Mystik oder die „Christusgemeinschaft“ von Rudolf Steiner.

Kirche verlor bedeutende Gebiete an die Siegermächte

Zur unmittelbaren Entwicklung nach den Ereignissen des Weltkriegs gehört auch die Ablehnung einiger deutscher Pfarrer gegen die Weimarer Republik, denn die Kirche, insbesondere die evangelische Kirche verlor bedeutende Gebiete an die Siegermächte, wie bspw.: Posen, West- und Ostpreußen und Danzig. Sowohl die Abtretungsgebiete als auch die, auf dem Papier stehenden „Alleinschuld Deutschlands am Ausbruch des Weltkriegs“ lieferten nicht wenige Reibungspunkte für die entstehenden extremen Ansichten.

"Trauertag" anlässlich der Unterzeichnung des Versailler Vertrags

In der Kirche wird dies unter anderem durch ein Datum deutlich. Am 28. Juni 1929 wurde vom Deutschen Evangelischen Kirchenausschuss ein „Trauertag“ ausgerufen, der an die Unterzeichnung des Versailler Vertrags erinnern sollte. Im Kirchlichen Jahrbuch von 1929 findet sich hierzu folgendes, bezeichnendes Zitat:

  • Unermeßlich politische und wirtschaftliche Verluste und Schädigungen sind dem deutschen Volke in allen seinen Ständen auferlegt. (…) Der Glaube an menschliche und selbst an göttliche Gerechtfertigkeit ist bei vielen ins Wanken gekommen. Die sittliche Grundlage des Volks – und Völkerlebens sind erschüttert.“(3)

Welche Konsequenzen sich aus den genannten Tatsachen und den aufkommenden Ansichten und Theorien ergeben, fasst Prolingheuer in wenigen Stichpunkten zusammen: „Deutsche Einheitskirche statt Landeskirchen, Führerprinzip statt presbyterial – synodaler Kirchenordnung, Ausschluß der Juden, Reinhaltung der germanischen Rasse (…)“ (4).

Die Entwicklung der "Deutschen Christen" in den 1930er Jahren lesen Sie hier und ein Vergleich zw. Hitlers "Mein Kampf" und Rosenbergs "Mystik des 20. Jahrhunderts" hier.

Quellen:

(1) Bernd Moeller: Geschichte des Christentums in Grundzügen. Göttingen 2004, S. 366.

(2) Bernd Moeller: Geschichte des Christentums in Grundzügen. Göttingen 2004, S. 366.

(3) Hans Prolingheuer: Kirchenpolitische Kirchengeschichte. Fünfzig Jahre Evangelischer Kirchenkampf von 1919 bis 1969, Köln 1984, S. 36 f.

(3) Hans Prolingheuer: Kirchenpolitische Kirchengeschichte. Fünfzig Jahre Evangelischer Kirchenkampf von 1919 bis 1969, Köln 1984, S. 49.