Die Klassiker unter den journalistischen Darstellungsformen

Wer publiziert, hat formelle und stilistische Möglichkeiten von der Meldung bis zur Reportage, aber sollte sich dabei immer an den Pressekodex halten.

Journalisten wollen, dass ihre Publikationen gelesen, gesehen und gehört werden. Um die Vermittlungskompetenz stärker auszuprägen, sollte jeder Autor neben den sechs bis sieben W-Fragen auch die journalistischen Darstellungsformen in seinem geistigen Repertoire mitführen. Sie haben medienübergreifende Gültigkeit.

Was ist was? Nachricht oder Meldung?

Die Nachricht ist in der Medienkommunikation eine Neuigkeit oder auch ein berichtenswertes Ereignis. Journalisten geben sie in puristischem Sprachstil ohne ihre eigene Meinung wieder und vermitteln auf diese Weise nur Fakten. Eine Meldung ist eine sehr kurze Nachricht zu bedeutendem Zeitgeschehen. Sie beantwortet die wichtigen W-Fragen: Wer?, Was?, Wann?, Wo?, Warum? und gegebenenfalls Wie?. Zudem ist die Frage nach dem Woher? der Informationen zu beantworten, womit schlicht und einfach die Gesprächspartner zu nennen oder andere Quellen anzugeben sind. Vor dem Hintergrund fortlaufend neuer Plagiatsaffären unter Politikern – nach Freiherr Karl-Theodor zu Guttenberg (CDU) nun Silvana Koch-Mehrin (FDP) – ist die Woher-Frage wichtiger denn je.

Die gängigsten Textsorten: Bericht, Feature und Reportage

Das Genre des Berichts ist länger als eine Meldung und sachlicher als ein Feature, welches eine Untergattung des Berichts ist. Das Feature breitet Sachthemen umfassend und dokumentierend aus. Die Königsdisziplin der Journalistik ist die Reportage. Der Reporter berichtet vom Ort des Geschehens aus, was er gesehen und erlebt hat. Er schildert feinfühlig Details und Eindrücke, aber auch hierbei bleibt er meinungsfrei und neutral.

Porträt und Interview haben den "human touch"

Porträt und Interview menscheln und das ist gut so, denn Menschen interessieren sich für andere Menschen. Während das Porträt einen Menschen, sein Äußeres, seinen Charakter, Verstand und Lebenslauf beschreibt, ist das Interview ein Frage-Antwort-Beitrag oder zumindest ein Artikel mit Zitaten. Aus Zeitmangel laufen Interviews immer häufiger telefonisch oder schriftlich im Chat oder via E-Mails ab, anstatt von Angesicht zu Angesicht. Journalisten lassen das Interview im Nachgang nochmal von den Gesprächspartnern autorisieren, um etwaige Missverständnisse, etwa durch Kürzungen, zu korrigieren. Dieses Autorisieren ist seit dem Jahr 2007 nicht mehr im Pressekodex enthalten, aber im Sinne des Qualitätsjournalismus weiterhin verbreitet.

Die Rezension als Besprechung eines Werkes

Bei der Rezension, auch als "Kritik" bekannt, wird ein künstlerisches oder wissenschaftliches Werk besprochen und mehr oder weniger objektiv bewertet. Geschmäcker sind auch unter Journalisten verschieden, so dass die Besprechung, etwa von einem neu erschienenen Roman, ganz unterschiedlich ausfallen kann. Eine gute Kulturkritik wird aber den Mainstream der Publikumsreaktionen berücksichtigen und einbeziehen. Literatur-, Film-, Theater- und Musikrezensionen finden sich in den Kulturteilen der Medien und Feuilletons der Zeitungen.

Persönliche Meinungen der Journalisten nur in Kommentaren üblich

In Kommentaren erläutern und erklären Journalisten bisweilen zu aktuellen Ereignissen und politischen Themen. Der Kommentar ist die einzige mediale Darstellungsform, bei der den Journalisten gestattet ist, ihre eigene Meinung zu äußern. Fakten in Zusammenhänge bringen und Hintergründe aufdecken, sind zudem typische Werkzeuge von Kommentatoren. Durch derartige Leitartikel können Leser, Zuschauer und Zuhörer bei ihrer Meinungsbildung beeinflusst werden.

Glosse versus Kolumne

Glossen sind spöttische und ironisch gemeinte Randbemerkungen, wie sie regelmäßig als kurze Kommentare in Tageszeitungen platziert werden. Eine berühmte Glosse ist etwa das Streiflicht der Süddeutschen Zeitung. Als Kolumne wird oft nichts Geringeres als die Rubrik über den neuesten Klatsch und Tratsch bezeichnet. Zum Teil wird unter Kolumne auch ein kurzer Beitrag als Stilmix aus Kommentar und Glosse verstanden. Ähnlich ist ein Essay eine subjektive Darstellungsform eines Autors, nur ist es diese Art des Kommentars intelligenter gemacht.

Die Botschaft ("Message") eines Beitrags spannend verpacken

Als Message wird die Botschaft bezeichnet, die ein Journalist im Kern der gewählten Darstellungsform transportieren will. Sie sollte der gute Berichterstatter, Reporter, Kommentator oder Kolumnist nie aus den Augen verlieren. Nur mitreißend, spannend und knackig verpackte Kernbotschaften fesseln die Mediennutzer. Hierbei ist es durchaus ratsam, den internen Gepflogenheiten, Beachtung zu schenken. Neben den individuellen, meist stilistischen Rahmenbedingungen, sollte jeder Publizist den so genannten allgemeingültigen Pressekodex des Deutschen Presserates inhaltlich kennen. Dahinter verbergen sich Verhaltensregeln für anständige und ehrbare Presse. Die in der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland verbürgte Pressefreiheit wird dadurch nicht eingeschränkt, sondern vielmehr die Berufsethik der Presse definiert.

Publizistische Grundsätze im Pressekodex des Deutschen Presserates

Oberstes Gebot der Presse ist die wahrheitsgemäße Berichterstattung ohne jegliche entstellende oder verfälschende Bearbeitungsschritte. Unbegründete Beschuldigungen und sensationelle Darstellungen von Gewalt und Brutalität oder von medizinischen Themen sind zu unterlassen. Gegebenenfalls muss richtig gestellt werden. Unlautere Methoden bei der Recherche und Beschaffung von Informationsmaterialien sowie von Fotos sind verpönt. Privatleben, Intimsphäre, Menschenwürde, Jugendschutz sowie das sittliche und religiöse Empfinden sind zu achten. Keiner darf diskriminiert werden. Gerichtsreporter haben vorurteilsfrei zu berichten. Verdächtige sind keine Schuldigen. Auch vereinbarte Vertraulichkeit soll gewahrt bleiben. Informanten werden ohne deren Zustimmung nicht preisgegeben. Entweder redaktionelle Veröffentlichung oder Werbung, so dass es zu keiner Vermischung zu so genanntem PR-Journalismus kommen kann. Journalisten, die sich bestechen lassen, handeln unehrenhaft und berufswidrig. Diesbezüglich sieht es der Deutsche Presserat als fair an, dass seine Rügen, wenn gegen den Ehrenkodex der Presse verstoßen wurde, veröffentlicht werden müssen.

Quellen

  • Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses e.V.: Wie werde ich Journalist? Pattloch Verlag.
  • A. Kühner, M. Schmuck: Medienlexikon. Verlag Rommerskirchen.

Gundula Klaemt - Liebe Leserinnen und Leser, als universitärer Master of Science (M.Sc., früher Dipl.-Ing.) in "Umweltschutz" interessieren ...

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