
- Forelle Müllerin - Manfred Rottensteiner
Vergessen Sie für diesen klassischen Fisch ausgefallene Zubereitungsarten wie Forelle mit Rüben und Spinat. Und Forelle blau ist an Langweiligkeit sowieso kaum zu überbieten. Die perfekte Forelle gehört gebraten.
Die Vorbereitung
Man nehme je nach Anzahl der Personen entsprechende zwischen 300 und 350 Gramm schwere frische Bach- oder Regenbogenforellen, hoffe ganz offiziell, dass das saubere Ausnehmen der Fischhändler oder eine andere kompetente Person übernommen hat und beginne mit der Zubereitung.
Und…, man verspricht Ihnen, mit entsprechender Vorbereitung werden Sie das Gericht Ihres Lebens zaubern. Laden Sie einige ältere Verwandte ein, bleiben Sie ruhig und gelassen und schon stehen Sie auf der Liste der Erben ganz, ganz oben.
Die Zubereitung von Forellen
Der Reihe nach: Fischpfanne ist vorbereitet, nun salzen Sie den Fisch innen und außen, eine Seite leicht mit griffigem Mehl bearbeiten. Die Pfanne ist heiß, gut, hoffentlich haben Sie auch eine Fischpfanne mit heißem Sonnenblumenöl. Den Fisch mit der Mehlseite nun einlegen und scharf anbraten. Brutzelt, richtig? Gut. Was haben Sie zu tun, sehen Sie sich um, haben Sie die Beilagen parat, ganz rustikale Petersilienerdäpfel (in Deutschland Kartoffeln), Salate vorbereitet, Zitronenscheiben oder Spalten sind geschnitten. Gut. Denn es geht um Folgendes: Haben Sie die Fische in der Pfanne sollen sie anbraten und sonst nichts. Damit haben Sie drei Minuten Zeit. Und in dieser Zeit ist am Fisch aber auch schon gar nichts zu tun. Widerstehen Sie dem Drang zu früh zu wenden, zu sehen ob die Sache schon Farbe annimmt, all das wird das Ergebnis nicht verbessern. Also, tun Sie etwas anderes. Wenn Sie eine Frau sind, geben Sie Ihrem Mann am besten Anweisungen wie er die Verwandtschaft unterhält; sind Sie ein Mann sehen Sie zu, dass Ihre Frau nicht sagt, Sie sollen die verdammten Fische jetzt schon wenden. Die drei Minuten sind drei Minuten und das absolute Minimum. Warten ist beim erfolgreichen Zubereiten der halbe Erfolg.
Die drei Minuten sind um? Gut. Dann können Sie nachsehen. Man nimmt an, wenn Ihren Herd die Kraft nicht ganz verlassen hat wird die eine Seite nun knusprig sein. Nun dürfen Sie wenden, ja, dann geben Sie der anderen Fischseite zwei Minuten Zeit, sich der Farbe der ersten Seite anzunähern. Flugs reduzieren Sie die Hitze, machen Sie sich keine Sorgen, den Fischen geht es gut, alles wird perfekt. Nach weiteren drei Minuten bei schwacher Hitze geben Sie Butter in die Pfanne, fügen Knoblauch und/oder Kräuter Ihrer Wahl hinzu (aber nicht unbedingt Dill), lassen Sie den Fisch ziehen, wenden Sie ein weiteres Mal, Sie sehen – und dies ist wichtig – insgesamt zwei Mal wenden, nicht mehr, perfekt, der meiste Aufwand ist das Warten. Je nach Größe der Fische sind nun zehn bis zwölf Minuten vergangen und Sie haben ein perfektes, delikates, köstliches Ergebnis.
Anrichten der Forellen
Während dieses gesamten Vorgangs haben Sie sich hoffentlich Gedanken gemacht, wie das Gedicht von einem Gericht zu servieren ist. Hier ist der Fantasie keine oder nur kaum Grenzen gesetzt. Suppenteller ungeeignet, fast alles andere erlaubt.
Mögliche Problemstellungen beim Forellen braten
Haben Sie zehn Personen geladen, so werden zehn Fische kaum in einer Pfanne Platz finden, man kann die fertig gebratenen Fische kurz im Ofen warm halten, keinesfalls aber auf ewig. Also, sollten Sie mit mehr als zehn Menschen in Ihrem Leben kommunizieren, so könnte die Sache problematisch werden, ansonsten schaffen Sie das.
Und…, sollte einer Ihrer Gäste meinen, er hätte den Fisch gerne filetiert serviert, ignorieren Sie ihn, denn das Fleisch wird sich von den Gräten quasi von selbst lösen. Nichts leichter also als die perfekte Forelle. Sollten Sie als Alleinerbe eingesetzt werden, so denken Sie an mich. Merci, Ihr sensibler Koch.
Equipment: Bach- oder Regenbogenforellen (selbst gefangen oder aus Zucht – bitte, bitte keine Tiefkühlware) Salz, Pfeffer, Zitrone, Knoblauch, Kräuter nach Wahl, Butter.
außerdem unter anderem bei suite101 zubereitet:
A.P. Schlöglmeier ist im wirklichen Leben Küchenchef in den österreichischen Alpen.
