Die Klosterruine Disibodenberg ist ein Ort der Kraft und der Ruhe

Ruinenpark Disibodenberg - Christa Kaddar
Ruinenpark Disibodenberg - Christa Kaddar
Der Disibodenberg bei Bad Sobernheim ist eng verknüpft mit Hildegard von Bingen, die 40 Jahre in der Frauenklause des Mönchsklosters lebte.

Der benediktinisch-zisterziensische Ruinenpark auf dem Disibodenberg ist noch heute ein Ort mit magischer Ausstrahlung und wunderbarer Aussicht. Vermutlich seit dem siebten Jahrhundert war er ein Zentrum christlichen Lebens, als - der Sage nach - der irische Wanderprediger Disibod an dieser Stelle ein kleines Kloster mit Taufkapelle gründete, um die ungläubigen Germanen zu christianisieren. Vermutlich war dieser Hügel am Zusammenfluss von Nahe und Glan schon in vorchristlicher Zeit ein Heiligtum und diente Kelten, Römern und Germanen als Kultstätte. Und: Am Disibodenberg wachsen die ältesten Reben Deutschlands.

Um die vorletzte Jahrtausendwende ließ der Mainzer Erzbischof Willigis die Abtei neu aufbauen, in der zunächst Augustiner-Mönche wirkten. 1108 berief sein Nachfolger, Erzbischof Ruthard, Benediktiner von der Abtei St. Jakob in Mainz auf den Disibodenberg. Wie vielen Mönchsklostern jener Zeit war auch dem Benediktinerkloster Disibodenberg eine Frauenklause angeschlossen, in die Jutta von Sponheim einzog und die um das Jahr 1112 drei Mädchen aufnahm. Eine von ihnen war Hildegard von Bermersheim, die bis etwa 1151 auf dem Disibodenberg lebte und später als Hildegard von Bingen bekannt wurde. Über die genaue Lage der Frauenklause herrscht noch keine Einigkeit, da die Ausgrabungsarbeiten im Ruinenpark bis heute nicht abgeschlossen sind.

Manfred Geib, zweiter Vorsitzender des Hildegardis-Freundeskreises Disibodenberg, der außerdem als erfahrener Gästeführer im Ruinenpark ein vorzüglicher Kenner der Geschichte ist, vermutet, dass Jutta von Sponheim und die Mädchen am Anfang in einem kleinen Anbau der Friedhofskapelle, auch Michaelskapelle genannt, lebten, bis die Frauenklause fertig war. Über viele Jahre hinweg wurde an dem Kloster gebaut, das schließlich imposante Ausmaße erreichte.

Von der großen benediktinischen Abteikirche auf dem Disibodenberg stehen nur noch Mauerreste

Während von der Friedhofskapelle nur noch die Grundmauern stehen, ist von der vermuteten Frauenklause noch deutlich mehr erhalten. Von der großen Abteikirche stehen wiederum nur noch wenige Mauerreste. Zwischen den Ruinen am einstigen Haupteingang der Kirche ist eine dreisprossige Eiche gewachsen. „Vielleicht ist die Eiche zufällig an der Stelle gewachsen, vielleicht wurde sie auch gezielt dahin gepflanzt. Sie dürfte jetzt gut 100 Jahre alt sein. Pfarrer sehen in ihr gern das Symbol der Dreifaltigkeit“, erzählt Manfred Geib.

Mit der Weihe der Marienkapelle im Jahr 1146 waren die grundlegenden Bauten der Benediktiner abgeschlossen. Drei Jahre zuvor war die Abteikirche eingeweiht worden, nachdem der 674 verstorbene Disibod in ein Hochgrab hinter dem Hauptaltar überführt worden war. Hildegard hatte nach dem Tod der Jutta von Sponheim die Leitung der Frauenklause übernommen. 1141 begann sie hier mit der Niederschrift ihres Buches „Scivias“. 1151 verließ sie den Disibodenberg, um ihr eigenes Kloster am Rupertsberg in Bingen zu gründen. Nach ihrem Weggang verlor das Kloster auf dem Disibodenberg zunehmend an Bedeutung.

Im Jahr 1259 kamen Zisterzienser-Mönche auf den Disibodenberg

1259 übernahmen Zisterzienser aus Otterberg das Kloster und erweiterten die Anlage um ein Hospiz und ein Abteigebäude, von denen heute noch eindrucksvolle Reste zu sehen sind. Als Folge der Reformation wurde das Kloster 1559 geschlossen. Nach langjähriger Besatzung im 30jährigen Krieg ging es in napoleonischer Zeit in Privatbesitz über. Alle Bemühungen in der folgenden Zeit, das Kloster wieder zu beleben, scheiterten. Ab 1790 dienten die Klostergebäude als Steinbruch zum Aufbau der umliegenden Dörfer.

Als ein neuer Erbe im 19. Jahrhundert den Heidelberger Gartenbauinspektor Ludwig Johann Metzger mit der Anlage eines romantischen Ruinenparks beauftragte, entwickelte sich die Ruine zu einem attraktiven Naherholungsziel für Besucher aus der Umgebung, vor allem für Kurgäste der aufstrebenden Bäder Bad Kreuznach und Bad Münster am Stein.

1954 erbte Gräfin Ehrengard von Hohenthal die Klosterruine. Ihr und ihrem späteren – und inzwischen verstorbenen – Mann Hans-Lothar Freiherr von Racknitz ist die Erhaltung der Klosterruine zu verdanken. Sie überführten 1989 die Anlage in die Disibodenberger Scivias-Stiftung. Zum 900. Geburtstag von Hildegard wurde der Museumsbau fertig gestellt, der eine angemessene Präsentation und Aufbewahrung der ausgegrabenen Schätze ermöglicht. Noch heute engagiert sich Gräfin von Racknitz in der Stiftung und übernimmt auch Führungen auf dem Gelände.

Die Hildegardis-Kapelle symbolisiert einen weißen Engel mit ausgebreiteten Flügeln

Außerhalb der denkmalgeschützten Anlage steht auf dem Disibodenberg die 1997 eingeweihte Hildegardis-Kapelle. Wie ein weißer Engel mit ausgebreiteten Flügeln erwartet sie Besucher, die von der Südseite her aufsteigen. Gestiftet wurde die Kapelle von Hildgegard Koch, die ein Jahr vor der Einweihung verstarb. Die Pfarrer der vier umliegenden katholischen und evangelischen Kirchengemeinden halten im Wechsel an jedem ersten Sonntag im Monat eine ökumenische Andacht in der Kapelle – von April bis September um 18 Uhr und in den übrigen Monaten um 16 Uhr. Auf einem Meditationsweg rund um den Ruinenpark sind an zwölf Stationen Psalmenverse und dazu passende Texte von Hildegard angebracht, was das mystische Erfahren des Disibodenbergs noch verstärkt.

Was bei allem Respekt für die gewünschte Ruhe auf dem Disibodenberg fehlt, ist ein kleines Lokal, wo man sich niederlassen und stärken kann. Seitdem der Hofladen vor zwei Jahren geschlossen wurde, gibt es diese Möglichkeit nicht mehr. Wer einkehren möchte, kann nur auf Lokale in Odernheim, Oberstreit oder im benachbarten Bad Sobernheim ausweichen.

Der Ruinenpark Disibodenberg kann über den Besuchereingang jederzeit betreten werden

Die Klosterruine kann jederzeit über einen Ticketautomaten am Besuchereingang betreten werden. Das Museum ist täglich, außer montags, geöffnet. Manfred Geib bietet von April bis Oktober an jedem zweiten und vierten Sonntag eine offene Führung an. Treffpunkt ist um 14 Uhr am Besuchereingang. Weitere Terminvereinbarungen sind möglich über die Telefonnummer 06755/9699188.

Der Ruinenpark am Disibodenberger Hof in 55571 Odernheim am Glan ist über die Bundesstraße 41 erreichbar. Ab Waldböckelheim führt der Weg über Oberstreit und Staudernheim zum Disibodenberg. Wer mit dem Zug anreist, kann ab Bahnhof Staudernheim noch einen angenehmen 20-minütigen Fußweg einplanen.

Christa Kaddar, Christa Kaddar

Christa Kaddar - Christa Kaddar ist freie Journalistin und Fotoreporterin. Als freie Mitarbeiterin der Redaktion des Rheingau Echos und der Gesellschaft ...

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