Die Körpersprache der Katze

Was sie durch Körperhaltung, Ohren, Augen und Schwanz ausdrückt

Katze - Ruth Lisa Knapp
Katze - Ruth Lisa Knapp
Wollen Sie verstehen, was die Katze Ihnen mitteilt? Verhaltensforscher haben untersucht, was ihre Körpersprache bedeutet und welche biologischen Ursachen sie hat.

Katzen nutzen, neben ihrer Stimme, Körperhaltung und die Bewegung einzelner Körperteile, um zu kommunizieren. Was sie Artgenossen und Menschen auf diese Weise mitteilen, dient der Kontaktpflege und signalisiert die verschiedenen Stimmungen, in denen sie sich befinden. Zu wissen, was Verhaltensforscher wie Paul Leyhausen und Desmond Morris herausgefunden haben, kann auch im täglichen Umgang mit der eigenen Hauskatze nützlich sein.

Das Reiben: ein Begrüßungsritual

Wer mit Katzen zusammenlebt, weiß um ihr Begrüßungsritual. Die Katze sucht Körperkontakt, streicht dem Menschen um die Beine und reibt ihren Kopf und ihre Flanken daran. Oft schlingt sie auch ihren Schwanz um die Beine. Reicht man ihr eine Hand hinunter, reibt sie auch daran den Kopf. Danach setzt sie sich und leckt ihr Fell. Was wir als Gesten der Zärtlichkeit auffassen, hat biologische Ursachen. Der Katze geht es dabei um den Austausch von Gerüchen. Sie bringt ihre Duftdrüsen an den Schläfen, im Mund und am After mit dem Körper des Begrüßten in Berührung, übermittelt ihm ihren Duft und nimmt seinen Geruch auf. Durch das Ritual wird die Zugehörigkeit zur „Familie“ ausgedrückt und immer wieder erneuert. Das Putzen nach der Begrüßung dient also nicht der Sauberkeit, sondern der Aufnahme des Familiengeruchs. Da die unter Katzen übliche freundliche Begrüßung, das Köpfchenreiben, im Kontakt zum Menschen wegen dessen Größe nicht möglich ist, stellen sich Katzen in dieser Situation auch gern auf die Hinterbeine, manche machen sogar einen Hopser.

Die Stellung der Ohren

Im Gegensatz zu Menschen können Katzen durch die Stellung ihrer Ohren Emotionen ausdrücken. Bei einer entspannten Katze zeigen die Ohröffnungen nach vorne und leicht nach außen. Ist Wachsamkeit erforderlich, werden die Öffnungen direkt nach vorn gerichtet. Bei Aufregung zucken die Ohren. Eine defensive Stimmung drückt die Katze aus, indem sie ihre Ohren anlegt. Sie werden dann nach hinten fest an den Kopf gepresst, um sie vor Verletzungen zu schützen, möglicherweise auch, um kleiner zu erscheinen. Das gefährlichste Ohrsignal ist das nach-vorn-Klappen der Ohren, so dass ihre Rückseite sichtbar wird. Es drückt eine feindselige und angriffslustige Stimmung aus. Auch wenn die Rückseite der Ohren bei unseren Hauskatzen keine alarmierende Fellzeichnung aufweist wie zum Beispiel beim Tiger, verstehen Artgenossen diese Drohgebärde.

Die Augensprache der Katze

Es ist bekannt, dass die Pupillen der Katze sich bei Helligkeit verengen und bei Dunkelheit weiten. Letzteres erlaubt es ihr, auch bei wenig Restlicht erfolgreich auf Jagd zu gehen. Aber auch am Tag können sich die Pupillen plötzlich erheblich erweitern. Das deutet auf große Erregung hin, die angenehm sein kann, zum Beispiel beim Anblick von leckerem Futter, oder unangenehm, etwa wenn ein Gegner sich nähert. Hat die Katze die Lider halb geschlossen, ist dies ein Zeichen dafür, dass sie wohlig entspannt ist. Ein völliges Schließen der Augen im Wachzustand ist eine Geste der Beschwichtigung. Wer bei einem Kampf unterlegen ist, dreht sich weg und schließt die Augen. Nicht nur, um sie vor Verletzung zu schützen, sondern auch, um die Gefahr auszublenden und so die Spannung zu mindern. Für den Gegner ist dies ein Zeichen der Kapitulation. Angestarrt zu werden ist für Katzen übrigens sehr unangenehm, es kündigt ihnen eine aggressive Handlung an. Daher sollten wir lieber ein wenig an ihr vorbeisehen.

Der Schwanz drückt die Stimmung aus

Sehr deutlich ist an der Schwanzhaltung die Stimmung der Katze abzulesen: Weist er in einer leichten Kurve nach unten, Spitze nach oben, ist die Katze entspannt. Weist er leicht nach oben, ist es an etwas interessiert. Eine freudige Begrüßungsstimmung zeigt ein hoch erhobener Schwanz an, während ein nach unten zwischen die Hinterbeine gesenkter Schwanz Unterwerfung signalisiert. Eine Katze, die Angst hat, plustert den gesenkten Schwanz auf, eine aggressive Katze peitscht damit heftig hin und her. Der zur Seite gelegte Schwanz der Katzenweibchen zeigt dem Kater, dass er sie jetzt besteigen darf. Eine Katze, die mit dem Schwanz wedelt, befindet sich in einer Konfliktsituation. Wenn zwei widersprüchliche Wünsche (nach draußen gehen – nicht nass werden wollen) gleich stark sind, drückt der von einer Seite zur anderen zuckende Schwanz diese Unentschlossenheit aus.

Der Buckel dient der Abschreckung

Eine Katze, die sich bedroht fühlt, richtet sich auf ausgestreckten Beinen auf (Angriffsstellung) und krümmt den Rücken zu einem umgedrehten U (Angstreaktion). Gleichzeitig sträubt sie das Fell und stellt sich quer vor ihrem Gegner auf. Alles zusammen bewirkt, dass sie größer und gefährlicher wirkt als sie ist. Gelingt die Abschreckung, zieht sich der Gegner zurück und ein Kampf wird vermieden. Schon kleine Kätzchen üben diese Pose gern im gemeinsamen Spiel.

Ersatzhandlungen: Lecken und Schnattern

Die Bedeutung von zwei typischen Verhaltensweisen sei abschließend erklärt: Wenn etwas geschieht, was die Katze irritiert oder verblüfft, macht sie eine kurze Leckbewegung mit der Zunge. Das ist eine Verlegenheitsgeste, vergleichbar unserem am-Kopf-Kratzen. Im Moment weiß sie nicht, was sie tun soll, also leckt sie sich mal schnell über den Mund.

Das Schnattern oder Zähneklappern hat mit dem Beutefang zu tun. Es ist eine Leerlauf-Handlung. Sieht die Katze ein Beutetier, das sie nicht erreichen kann (einen Vogel vor dem Fenster), führt sie den Tötungsbiss aus und wiederholt ihn auf stereotype Weise, obwohl sie keine Beute zwischen den Zähnen hat. Dies mag zur Spannungsabfuhr beitragen. Zusätzlich zur Körpersprache kommuniziert die Katze auch durch ihre Stimme und ihren Duft.

Ruth Lisa Knapp, Ruth Lisa Knapp

Ruth Lisa Knapp - Nach dem Studium der Germanistik, Anglistik und Philosophie war ich als Lehrerin im In- und Ausland tätig, später als ...

rss