
- PCI - PCI
Der amtierende Staatspräsident war Mitglied der Kommunistischen Partei, einer der Ministerpräsidenten in jüngerer Vergangenheit ebenfalls, genauso wie die Oberbürgermeister von Rom und Bologna oder der Regierungspräsident der Region Kampanien. Das sind und waren Giorgio Napolitano, Massimo D’Alema, Walter Veltroni, Sergio Cofferati und Antonio Bassolino. Das waren und sind ehrenwerte, hoch geachtete Mitglieder der italienischen politischen wie gesellschaftlichen Klasse. Ihnen haftet kein Makel an. Die Gesellschaft begegnet ihnen unvoreingenommen. Ihnen wird vorurteilsfrei bescheinigt, sich um das Land verdient gemacht zu haben. Ihre alte Partei indessen, die PCI, gibt es nicht mehr. Vor 90 Jahren, im Januar 1921, war sie begründet worden. Vor 20 Jahren, im europäischen Umbruchswinter 1990/91, löste sie sich auf.
Behutsam von Moskaus Vorherrschaft gelöst
Zwei Daten, zwei Gedenktage für viele in Italien. Mit Wehmut für einige, mit historischem Interesse für viele, mit Schadenfreude kaum. Die Kommunistische Partei Italiens, abgekürzt PCI und salopp Pitschi ausgesprochen, war im Januar 1921 in Livorno begründet worden. Als Abspaltung von der Sozialistischen Partei, unter der „Schirmherrschaft“ und dem Druck Moskaus. Amadeo Bordiga, ein scharfer Linker, war der erste Vorsitzende bis zum Jahr 1923. Ihm folgten, bis zum Jahr 1990/91, acht weitere Vorsitzende, die in ihrem Wirken, oft sehr behutsam, die italienischen Kommunisten von Moskaus Zügel zu lösen versuchten und auch lösten. Das waren der glänzende Vordenker Antonio Gramsci, dann Camilla Ravera, Palmiro Togliatti, Ruggero Grieco, Luigi Longo, Enrico Berlinguer, Alessandro Natta und Achille Occhetto.
Berlinguers Eurokommunismus fand Anklang
Diese Kommunistische Partei, die schon bei den ersten freien Wahlen nach der Zeit des Faschismus auf 18,9 Prozent der Stimmen gekommen war und in 1976 gar 34,4 Prozent gewann, löste sich eigentlich schon unter Togliatti von der Vormundschaft des Sowjetkommunismus. Die PCI erkannte das pluralistische demokratische System und die Verfassung Italiens an. Als Enrico Berlinguer von 1972 bis 1984 Vorsitzender war, wurde dieser Kurs gefestigt. Berlinguer vertrat einen Eurokommunismus, den er als dritten Weg zwischen Sowjetkommunismus und Sozialdemokratie beschrieb. Im Zeichen dieses Kurses stand der so genannte „Historische Kompromiss“ der PCI, der vor allem bedeutete, dass die italienischen Kommunisten der Westintegration des Landes zustimmten. Und damit kam es auch zu einer latenten Zusammenarbeit mit der Democrazia Cristiana (DC), der Christdemokratischen Partei im Lande. Übertragen auf praktische Politik hieß dies beispielsweise: Die italienischen Kommunisten verurteilten 1979 den Einmarsch der UdSSR in Afghanistan und 1981 die Unterdrückung der unabhängigen Gewerkschaft Solidarnosc in Polen.
Der Draht zur deutschen Sozialdemokratie
Zur Zeit der politischen Wende, als das Sowjetreich zu implodieren begann, war er eines Tages Gast in der Bonner Parteizentrale, dem Erich-Ollenhauer-Haus, schlicht „Baracke“ genannt. Der im Jahr 1988 zum neuen PCI-Chef gewählte Achille Occhetto suchte den engen Draht zur deutschen Sozialdemokratie. Nicht ohne Grund. Die SPD hatte immer wieder, befördert vor allem durch den früheren Bundesgeschäftsführer Peter Glotz, Kontakt und Diskurs gesucht zu und mit den italienischen Kommunisten vor allem in der Lombardei. Occhetto suchte Rat deshalb, weil er das kommunistische Experiment für gescheitert erklärt hatte. Er löste die PCI auf und begründete eine sozialdemokratische Partei, die PDS. Am 3. Februar 1991 entstand in Rimini die Partito Democratico della Sinistra.
Die „Wiederbegründung“ blieb erfolglos
Aber auch die gibt es heute nicht mehr. Neben der derzeit größten Oppositionspartei, der sozialdemokratischen DS, vegetiert noch die Rifondazione Comunista, die „Kommunistische Wiederbegründung“ in der bunten Parteienlandschaft. Sie ist bei den Parlamentswahlen im April 2008 nicht wieder ins Parlament zurückgekehrt,
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Eine detaillierte Darstellung - allerdings aus politischer Distanz - bietet Rudolf Lill in seiner "Geschichte Italiens in der Neuzeit", Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 496 Seiten, Paperback, 9,80 Euro.
