Für die Stücke zur Zeit des Aristophanes ist Folgendes kennzeichnend: Ort und Zeit der Stücke sind das „Hier und Jetzt der Polis Athen“ – zeugen also von höchster Aktualität -, wodurch im Zusammenhang zu der großen Nähe zum Publikum durch die Benutzung von durchweg athenischen Charakteren das Publikum praktisch in die Handlung miteinbezogen wird.

Inhaltliche Themen

Thematisch besteht dennoch ein sehr großer Handlungsspielraum, weil neben dem politischen und gesellschaftlichen athenischen Alltag auch Mythen-Parodien, sowie Literatur- und Philosophie-Kkritik umfassend behandelt werden. Phantastische irreale Elemente wie die Präsentation der Chöre in Tierverkleidungen sind sehr beliebt. Ebenso vielfältig wie die Inhalte sind die Formen der Präsentation im humoristischen Sinne, was bedeutet, dass sich die Sprache von großer Feinsinnigkeit über mehr oder minder geistreiche Kalauer bis hin zu derbsten Obszönitäten erstrecken konnte.

Die formale Struktur - Allgemeines

Im Gegensatz zu dieser großen Palette an Inhalten steht das doch recht konstant verwendete Ablaufschema einer Alten Komödie des 5. Jahrhunderts v. Chr., wobei die verwendeten Strukturelemente der Tragödie durch einen Agon und eine Parabase erweitert werden.

Die Form einer solchen Komödie definiert sich aus dem Zusammenspiel von Chor und Schauspielern, indem der Chor die lyrischen Partien übernimmt und die Schauspieler die gesprochenen. Diesbezüglich unterscheiden sich neben der Vortragsart auch die jeweils benutzen Metren: den Schauspielern werden die jambischen Trimeter zugeordnet , der Chor bedient sich zumeist jambischen oder trochäischen Rhythmen – abgesehen von der Verwendung von schwierigen metrischen Formen als Parodiesignal – und in der Unterhaltung zwischen Chor und Schauspielern herrscht das Rezitat – in jambischen, trochäischen oder anapästischen Tetrametern – vor.

Der Ideal-Aufbau einer Komödie des 5. Jahrhunderts vor Christus

Eine „ideale“ Komödie der Zeit des Aristophanes sieht in etwa so aus:

  • Prolog
  • Einzugslied/Parodos (gesungen durch einen Chor)
  • 1. Epeisodion/steigende Handlung
  • 1. Standlied/Stasimon (gesungen durch einen Chor)
  • 2. Epeisodion/Höhepunkt
  • 2. Standlied (gesungen durch einen Chor)
  • 3. Epeisodion/Peripetie
  • 3. Standlied (gesungen durch einen Chor)
  • 4. Epeisodion/fallende Handlung
  • 4. Standlied (gesungen durch einen Chor)
  • 5. Epeisodion
  • 5. Standlied (gesungen durch einen Chor)
  • Exodus
  • Schlusswort (gesungen durch einen Chor)

Einleitung

Die Komödie beginnt mit dem Prolog, in dem aus Kritik an Missständen in der Stadt dem Protagonisten eine Idee entsteht, diese Situation positiv zu verändern. Da der Dichter zu Beginn des Stücks in besonderem Maße die Aufmerksamkeit des Publikums erregen muss, ist der einleitende Teil sehr reich an Einfällen und bestimmt sich durch einen raschen Wechsel der Begebenheiten. Zumeist wird der Zuschauer in diesem Teil mit einer ihm zuerst unverständlichen Situation konfrontiert, weil die Ausgangslage selten direkt geklärt wird.

Einmarsch des Chors und daraus folgende Sequenzen

Auf den Prolog folgen die Parodos und weitere unmittelbar mit dem Auftritt des Chors in Zusammenhang stehende Handlungssequenzen. Hier gilt es drei Varianten des Verhaltens des Chors zu unterscheiden: erstens als in die Pläne eingeweihte Unterstützung des Protagonisten, zweitens als treibende Kraft entgegen dem Handeln des komischen Helden und drittens in einer zunächst neutralen uneingeweihten Position. Je nach der Absicht des Chors können sich mehr oder weniger Szenen epirrhematischer Form, so genannte Streitszenen, in denen die Argumentation Handgreiflichkeiten ersetzt, (Epirrhema steht für „das Dazugesprochene“, eine Rezitation in trochäischen Tetrametern) ergeben.

Ansetzen zum Höhepunkt

Hierauf folgt die „Diskussionsrunde“, der epirrhematische Agon, in dem sich der Protagonist entweder mit dem Chor oder mit einem anderen Schauspieler in einer oft heftigen Diskussion auseinandersetzt, um seinen Widersacher von der Richtigkeit und dem Sinn seines im Prolog geäußerten Vorhabens zu überzeugen. Ziel dieses Agons ist der Triumph des Protagonisten, was den Höhepunkt der Komödie darstellt.

Abschluss des ersten Teils und Überleitung zum zweiten Teil

Den Abschluss des ersten Teiles bildet die erste Parabase, eine Abfolge von gesungenen und rezitierten Partien, die ganz dem Chor vorbehalten ist. Es folgt eine Reihe von Szenen, so genannte episodische Szenen, in denen die Resultate des vom Helden neu erreichten Zustandes dargestellt werden, und eine Art Abfertigung von Personen, die am Erfolg teilhaben wollen, sich vollzieht. Diese Szenen werden voneinander durch Chorlieder getrennt, in denen der Chor entweder ein Loblied über den Helden (Makarismós) singt oder zu einem Spottlied ausholt, welches das Bühnengeschehen aufgreift, aber dennoch nichts direkt mit der Handlung zu tun hat.

Schluss

Der letzte Teil der Komödie, der Exodus, wird oftmals in Form eines Festes dargestellt, bei welchem der Sieg des Protagonisten gegen alle seine Widersacher gefeiert wird. Optional gibt es noch einen abschließenden Kommentar des Chors in diesem festlichen Rahmen.

Quellen: PAULSEN, Thomas: Geschichte der griechischen Literatur. Stuttgart 2004 , ZIMMERMANN, Bernhard: Die griechische Komödie. Düsseldorf/Zürich 1998