Den größten Aufschwung hat die christliche Kirche ab dem Jahr 312 unter Kaiser Konstantin (285 bis 337) genommen. Der 285 in Naissus, dem heutigen Nisch in Serbien, geborene Konstantin hatte sich gerade erst in den Machtkämpfen um Rom gegen Maxentius Daza behauptet. Die entscheidende Schlacht an der Milvischen Brücke bei Rom soll Konstantin am 28. Oktober 312 gegen die übermächtigen Truppen des Maxentius gewonnen haben, nachdem er den Gott der Christen angerufen hatte.

Die Konstantinische Wende

Kaum war der Heide Konstantin Kaiser, da verhalf er dem Christentum nun zu Macht und Ansehen. Kleriker erhielten die Befreiung von öffentlichen Personallasten, wie sie auch die heidnischen Kultusdiener hatten. Bischöfe wie der Kirchenhistoriker Eusebius von Cäsarea wurden seine Berater und erhielten Richtervollmachten. Die Kreuzigung wurde abgeschafft, die Kirche durfte ab 321 Vermächtnisse annehmen und noch im gleichen Jahr führte er die Sonntagsfeier ein. Dem gegenüber verbot er die Haruspizien, eine heidnische Opferschau, durch die der Willen der Götter gedeutet werden sollte. Konstantin begann den Bau der wichtigsten Kirchen der Christenheit: 320 wurde über dem Petrusgrab der Bau der Peterskirche begonnen. Es folgte die Grundsteinlegung des Basilika über dem heiligen Grab in Jerusalem, die Geburtskirche in Bethlehem. Das heidnische Rom behagte Konstantin immer weniger. So begründete 330 in Byzanz am Bosporus seine kaiserliche Hauptresidenz. Er baute die Stadt, die ab jetzt Konstantinopel hieß, aus. Konstantin hegte den Traum von der universalen Christenheit als Ordnungsprinzip für ein universales Reich. Entsprechend schwerwiegend war für ihn die Spaltung in der Glaubenslehre, die durch die Donatisten in Nordafrika, die Melitianer und insbesondere die Arianer in Ägypten hervorgerufen wurden.

Das Konzil von Nizäa

Zur Bereinigung der Situation rief Konstantin im Jahr 325 das Konzil von Nizäa ein. Rund 250 Bischöfe tagten vom 20. Mai bis zum 25. Juli in der Stadt. Die genaue Zahl ist nicht bekannt, da verschiedene Quellen von 220 bis 318 Bischöfen sprechen. 318 dürfte eine Legende sein, da sich die Zahl auf die Anzahl der Knechte Abrahams bezieht (Genesis 14,14). Die meisten Bischöfe waren Vertreter aus dem Osten des Reichs, nur fünf westliche Bischöfe waren in Nizäa vertreten. Konstantin nahm wesentlichen Einfluss auf die Synode. Er bestimmte die Tagesordnung maßgeblich mit und nahm an der Synode aktiv teil. „Wie ein Bote Gottes, strahlend im Glanze des Purpurs und des Goldes“, so schreibt Eusebios von Nikomedia (heute Iznik), sei der Kaiser selbst unter ihnen einher geschritten, sich liebevoll mit allen, besonders mit den Märtyrerbischöfen unterhaltend. Ein wichtiges Thema auf der Synode zu Nizäa war der Zölibat, die Ehelosigkeit der Priester. Der Märtyrerbischof Paphnutius riet auf der Synode dringend vom Pflichtzölibat ab. Es sei ein zu hartes Joch für den Klerus. So unterblieb die Einführung des Pflichtzölibats, lediglich das Konkubinat wurde verurteilt.

Der Arianismusstreit

Primärgrund für die Synode war indessen die Vernichtung der Irrlehre des Presbyters Arius von Alexandria. In dem so genannten christologischen Streit ging es um die Frage der Wesensgleichheit von Gottvater und Christus. Arius und seine Anhänger vertraten die Auffassung, dass Jesus Christus als außergewöhnliches Geschöpf Gottes nicht Gott wesensgleich, sondern ihm unähnlich sei. Der Heilige Geist wurde als Gottheit ganz bestritten. 17 Bischöfe vertraten diese Auffassung, darunter auch Eusebius von Nikomedia. Stärkster Widersacher war der junge Diakon Athanasius. Athanasius, der später den Beinamen „der Große“ erhalten sollte und als Vater der Orthodoxie gilt, wurde später zwar Bischof von Alexandria. Athanasius war aber aufgrund seiner fanatischen Gegenerschaft zu den Arianisten umstritten. Ab 335 begannen für ihn die Jahre mehrerer Verbannungen. Athanasius vertrat die Festlegung des nizäanischen Glaubensbekenntnisses, das den Streit um die Göttlichkeit Christi zunächst beendete. Darin heißt es seither: „Christus ist aus dem Wesen des Vaters gezeugt als der Erstgeborene, Gott von Gott, Licht von Licht, wahrer Gott von wahrem Gott, gezeugt nicht geschaffen, gleichwesentlich mit dem Vater.“ Die Schriften des Arius sollten den Flammen übergeben werden, Arius selbst wurde exkommuniziert. Dennoch hielt sich der Arianismus noch bis weit ins vierte Jahrhundert.

Konstantin als Voraussetzung für die Entwicklung der Kirche

Auch das zweite allgemeine Konzil von Konstantinopel im Jahr 381 beschäftigte sich noch mit dem Arianismus. Zu diesem Zeitpunkt hatten die drei großen Kappadozier Basilius von Cäsarea, Gregor von Nazianz und Gregor von Nyssa die Differenzierung von der Wesenheit und den drei Personen Gottes besser herausgearbeitet. Das Prinzip ein Gott in drei Personen hatte sich schon weitgehend durchgesetzt. Der Arianismus löste sich in verschiedenen Glaubensrichtungen selbst auf. Athanasius aber wurde in der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts der erste Theologe, der in einem Osterbrief die 27 Bücher des heutigen Neuen Testaments als kanonisch bezeichnete und damit die Quellen für den heutigen christlichen Glauben festzurrte. Während Konstantin die Voraussetzung für die Weiterentwicklung der Kirche geschaffen hatte, waren es Theologen wie Athanasius, die die neue Glaubensfreiheit für eine innere Festigung der Glaubensinhalte nutzten. Konstantin kam damit seiner Vorstellung von einer universalen Kirche näher.