Als Kopten bezeichnet man eine christliche Religionsgemeinschaft, deren Ursprung in Ägypten liegt. Etymologisch lässt sich das Wort „Kopten“ auf die griechische Bezeichnung für Ägypten zurückführen. Und bis in die frühislamische Zeit wurde "Kopte" auch gleichbedeutend mit "Ägypter" verwendet. Nachdem der Islam zur dominierenden Religion wurde, schränkte sich die Bedeutung ein auf die Bezeichnung der christlichen Minderheit. Der Überlieferung nach war es der Evangelist Markus, welcher die christliche Gemeinde in Ägypten gründete. Markus war der erste Bischof von Alexandria, wo er als Märtyrer starb. Deshalb bezeichnet man die koptische Kirche auch als alexandrinische Kirche. Bis zur Islamisierung Ägyptens wuchs die koptische Kirche beständig an.
Die koptische Kirche
Die koptische Kirche ist eine altorientalische Kirche. Als solche werden alle christlichen Glaubensgemeinschaften verstanden, die sich im Streit um die gott-menschliche Natur Christi nach dem Konzil von Chalcedon nicht der katholischen oder orthodoxen Kirche anschlossen. Im Gegensatz zu der dort vertretenen Zwei-Naturen-Lehre halten die koptischen Christen an der Lehre des Kyrillos von Alexandria fest: demnach sind in Christus die göttliche und die menschliche Natur zu einer einzigen verbunden. Die orthodoxen und katholischen Christen werfen den koptischen Christen daher vor, Monophysiten zu sein, das heißt nicht an die volle Menschwerdung Christi zu glauben. Dies entspricht jedoch nicht dem Selbstverständnis der Kopten. In der Frühen Neuzeit kam es wieder zu Annäherungen zwischen der koptischen und der katholischen Kirche. Im 20. Jahrhundert wurde eine koptisch-katholische Kirche gegründet, deren Mitgliederzahl allerdings bisher noch recht gering blieb.
Oberhaupt der koptischen Kirche ist seit 1971 Papst Shenouda III. Er wird von den Gläubigen als Nachfolger des Heiligen Markus angesehen. Obwohl der koptische Papst seinen Sitz in Kairo hat, bleibt Alexandria von hoher symbolischer Bedeutung für die Kopten. Auch das Mönchstum spielt eine wichtige Rolle in der koptischen Kirche. Es wird auf die Heiligen Antonius und Pachomios zurückgeführt. Im Selbstverständnis koptischer Christen spielt das Märtyrertum eine große Rolle. Dies mag im Zusammenhang mit den Unterdrückungen stehen, denen sie sich als christliche Minderheit in Ägypten ausgesetzt sehen. Die koptische Kirche bezeichnet sich selbst als Kirche der Märtyrer.
Die koptische Liturgie
Wichtigster Bestandteil der koptischen Frömmigkeit ist die Eucharistiefeier. Koptische Christen verstehen die Teilnahme am Abendmahl als Teilhabe am Leib und Blut Christi. Die Liturgie dauert etwa zwei bis drei Stunden. Anrufungen, Gebete und Gesänge geben den Gläubigen Gelegenheit, mit allen Sinnen am Gottesdienst teilzunehmen. Das Koptische wird in den Gottesdiensten heutzutage durch die jeweiligen Landessprachen ergänzt. Es existieren besondere Vorschriften und Regeln im Hinblick auf Zeitpunkt und Häufigkeit der liturgischen Feier. Darüber hinaus sind auch die Verwendung von Altargewändern und -geräten sowie die Anforderungen an die Gläubigen für den Empfang der Eucharistie bestimmten Vorschriften unterworfen. Neben der Liturgie des Heiligen Basilios, die heute am häufigsten verwendet wird, existieren noch die Markusliturgie sowie die Gregoriusliturgie.Der Eucharistiefeier gehen Gebetsgottesdienste, die Stundengebete, voraus. Eine besondere Rolle spielen Kinder im religiösen Leben der Kopten. Sie erhalten die Firmung unmittelbar nach der Taufe und werden von Anfang an voll in das religiöse Leben miteinbezogen. Die intensive Jugendarbeit unterscheidet die koptische Kirche von anderen orientalischen und orthodoxen Kirchen. Auch auf dem Gebiet der sozialen Dienste ist die koptische Kirche sehr aktiv.
Zur aktuellen Situation der Kopten
Im mehrheitlich islamischen Ägypten fühlen die etwa acht Millionen Kopten sich benachteiligt. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts gab es immer wieder Anschläge, bei denen Kopten verletzt oder getötet wurden. Andererseits signalisierte der ägyptische Staat auch seinen Willen zur Anerkennung der Rechte der christlichen Minderheit, als 2002 das Weihnachtsfest zum staatlichen Feiertag erklärt wurde. Das Gefühl der Marginalisierung mag einer der Gründe sein, warum Kopten anteilsmäßig mehr als andere Ägypter ihre Heimat verließen und in allen Teilen der Welt siedelten. In Deutschland wie überall in Europa gibt es eine Reihe koptischer Gemeinden und Klöster. Hier kommt es, wie zum Beispiel in dem Kloster Kröffelbach in Waldsolms in Hessen, teilweise zu Bemühungen um die Revitalisierung der koptischen Sprache. Gegenwärtig hat diese nur noch den Status einer Sakralsprache.
