
- Eine Kräuterspirale - Hans-Peter Richartz/Pixelio.de
Kräuter als Gewürz- und Heilpflanzen sind schon seit der Antike den Menschen dienlich. In den Klostergärten des Mittelalters wurden Kräuter liebevoll gepflegt, bildeten sie doch zu damaliger Zeit die einzigen Grundlagen für Arzneien, auf die der Mensch zurück greifen konnte.
In dem königlichen Erlass „Capitulare de villis“, der ersten Land- und Wirtschaftsordnung des Mittelalters aus dem Jahr 812 nach Christus, hat Karl der Große 89 Pflanzen benannt, darunter viele Heilpflanzen, die auf den kaiserlichen Krongütern angebaut werden sollten. Viele dieser Pflanzen dienten nicht nur als Heilkräuter und Gewürz, sondern – trotz des christlichen Glaubens – gleichermaßen als Zauber- und Orakelpflanze.
Selbst wenn man nicht an übersinnliche Kräfte glaubt und seine Medikamente aus der Apotheke bezieht, sollte man sich öfter auf Kräuter für die Küche besinnen. Viele Pflanzen wachsen wild und die Kenntnis von ihrem Aussehen und ihrer Verwendung ist rasch erlernbar. Diverse Kräuter lassen sich im Topf auf der Fensterbank, auf dem Balkon oder der Terrasse ziehen.
Auch in Ziergärten können Kräuter angebaut werden
Optimal ist es natürlich, wenn ein Garten vorhanden ist. Auch in einem reinen Ziergarten lassen sich Kräuter anpflanzen, zum Beispiel eingestreut zwischen Gewächsen mit ähnlichen Ansprüchen an Standort und Boden. Sehr dekorativ wirkt eine Kräuterspirale. Durch ihren dreidimensionalen Aufbau ermöglicht sie, Kräuter mit den unterschiedlichsten Ansprüchen in punkto Bodenfeuchtigkeit und Lichtbedürfnis auf kleinem Raum zu ziehen.
Anleitung zum Bau einer Kräuterspirale
Benötigt wird eine voll sonnige Fläche von rund 3 m² Größe. Mit Hilfe eines 1,5 m langen Seiles und eines Mittelpflocks als Schenkel eines Zirkels wird ein Kreis markiert, der sich nach Süden wie ein Schneckenhaus öffnet. Die Erde im Inneren des Kreises wird einen Spaten tief ausgehoben. Danach wird mit dem Bau einer Mauer am Fuße der „Schnecke“ begonnen, die sich spiralförmig nach innen zieht und langsam bis auf etwa einen Meter Höhe anwächst.
Als Baumaterial dienen Natursteine oder Ziegel. Die Mauer wird als Trockenmauer ohne Mörtel errichtet. Bei Natursteinen, die auf Grund ihrer Form nicht genügend Stabilität besitzen, werden die Zwischenräume mit Erde ausgefüllt. Der Raum zwischen den Mauern, in dem das sich nach oben windende Beet entsteht, beträgt rund 50 Zentimeter. Die fertig errichtete Spirale wird mit Bauschutt, Schotter oder Kies verfüllt. Darüber kommt eine Schicht aus Gartenerde, die je nach den Bedürfnissen der Pflanzen unterschiedlich dick ist und in der Zusammensetzung variiert. Die Mitte der Spirale bildet den höchsten Punkt. Hier ist die steinige Unterlage am dicksten und läuft zum Fuße hin allmählich aus, während die Schicht der Gartenerde zum Fuß der Spirale hin immer humusreicher und feuchter wird.
Die drei Zonen der Kräuterspirale
Das gesamte Bauwerk lässt sich in folgende drei „Klimazonen“ einteilen:
Zone 1: Die höchste Erhebung ist am sonnigsten und wird für Kräuter aus dem Mittelmeerraum reserviert, die trockene, magere Böden lieben. Der Boden wird aus Gartenerde und Sand sowie aus etwas Kalksteinsplitt gemischt. Hier gedeihen: Rosmarin, Thymian, Salbei, Lavendel, Bergbohnenkraut, Oregano, Weinraute und Kapuzinerkresse.
Zone 2: In der Normalzone ist der Boden gehaltvoller, das heißt es wird Kompost untergemischt, er ist mäßig feucht und halb schattig. Hier gedeihen: Zitronenmelisse, Borretsch, Majoran, Pimpernell und Gewürztagetes.
Zone 3: Diese voll sonnige nahrhafte und feuchte Schicht lässt Petersilie, Dill, Schnittlauch, Sauerampfer und Rauke gut gedeihen.
Kräuter, die lange Wurzeln bilden, wie Liebstöckel, Angelika und Meerrettich, sollten außerhalb angesiedelt werden. Auch Minze und Waldmeister, die mit ihren Ausläufern viel Platz brauchen, sind für die Kräuterspirale nicht geeignet, weil sie im Nu alles überwuchern würden. Wer die Spirale aufwändiger gestalten will, kann an ihrem Fuß einen kleinen Teich anlegen. Ein Maurerkübel, zur Hälfte mit Steinen und Sand gefüllt, ist ausreichend. Das Wasser speichert zusätzlich Wärme. Hier gedeihen Brunnenkresse und Wasserminze.
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