
- Kreatives Schreiben / Foto: - Gerd Altmann (pixelio.de)
In der Forschung geht man davon aus, dass Kreativität keine Sache eines einzigen Augenblicks ist. Vielmehr nimmt man an, dass sich der kreative Prozess in vier Phasen aufteilt, denn Kreativität ist eben nicht nur Inspiration, sondern auch die Umsetzung der Idee. Dies ist ein Prozess, der sich auch während jeder einzelnen Sitzung einer Schreibwerkstatt abspielt. Es werden die folgenden vier Phasen unterschieden:
Kreatives Schreiben mithilfe von Schreibanregungen
Zunächst beginnt der kreative Prozess mit der Phase der Inspiration. In dieser Zeit findet eine Auseinandersetzung mit der äußeren Umwelt oder dem eigenen Seelenleben statt und es wird erst einmal nur wahrgenommen. In einer Schreibwerkstatt kann das die Zeitspanne sein, in der die Teilnehmer, mit bestimmten Techniken und vom Schreibgruppenleiter angeregt, ein spezielles Thema finden oder durch spielerische Methoden zum Schreiben animiert werden. Die Ideen, die hierbei entstehen, werden an dieser Stelle noch nicht kategorisiert.
Unterschiedliche Techniken des kreativen Schreibens
In der nächsten Phase findet die eigentliche Schreibarbeit anhand der Informationen, die gerade jeder Teilnehmer für sich bekommen hat, statt. Während dieser Zeit besteht durchaus die Möglichkeit, dass der schreibenden Person Assoziationen in den Sinn kommen. Nicht selten fließen an dieser Stelle mythologische Bilder und auch Symbole in den Text ein. Es gibt für diese Zeit, die auch Inkubationsphase genannt wird, verschiedene kreative Schreibtechniken, die je nach Berufsgruppe entwickelt worden sind. In Abhängigkeit von den Zielen einer Schreibwerkstatt kann von der therapeutischen über die journalistische bis hin zur philosophischen Schreibtechnik ausgewählt werden.
In der Schreibwerkstatt angewandte Methoden zur Überarbeitung des Textes
Nachdem der Text geschrieben ist, kommt die Phase, in der er überarbeitet wird. Man spricht auch von der „Illuminationsphase“. Nicht selten hat die schreibende Person in dieser Zeit eine plötzliche Idee davon, was der Text grundsätzlich aussagen soll und alle bisherigen Aspekte und Gedanken zum Text können ihr unterstellt werden. Das bedeutet, die Gedanken und Gefühle können nun ausgearbeitet werden. Und hierbei formt sich der eigene Schreibstil. Bei dieser Textarbeit kann es durchaus zu einer kritischen Betrachtung des Textes kommen. Nicht selten sind die Teilnehmer von ihrem eigenen Text enttäuscht und haben das Bedürfnis, den Ausdruck, den Satzbau oder auch den Aufbau des Textes zu verändern. Auch für diese Phase gibt es unterschiedliche Methoden, nach denen in einer Schreibwerkstatt vorgegangen werden kann. Man kann sich in Abhängigkeit zur Ausrichtung der Teilnehmer bei der Textüberarbeitung entweder einer spielerischen oder einer systematischen Technik bedienen. Manchmal ist es so, dass die Aufgabe, wie der Text überarbeitet werden soll, zu Hause durchgeführt wird, vor allem wenn es sich um literarische oder wissenschaftliche Texte handelt.
Wie Texte in der Schreibgruppe umgesetzt werden können
Zum Schluss kommt die Phase der Verifikation. Der entstandene Text kann nun überprüft werden. Das geschieht in der Regel dadurch, dass er vorgetragen wird. Und natürlich besteht die Möglichkeit, ihn zu einem späteren Zeitpunkt zu veröffentlichen. Denn von einem Text, der nicht kommuniziert wird, kann der Autor selbst zwar überzeugt sein, doch er hat noch keine gesellschaftliche Bedeutung erlangt. Die Schreibwerkstatt bietet sozusagen den ersten Raum, in dem ein Text öffentlich gemacht wird, vorgelesen und diskutiert werden kann. Außerdem gibt es auch verschiedene Techniken, den Text umzusetzen, denn es muss ja nicht beim Vorlesen aufhören. Ein Text kann durch die Gruppe in der Form vorgetragen werden, dass er als Rollenspiel, pantomimisch oder tänzerisch dargestellt wird.
Diese Phasen, die wissenschaftlich untersucht worden sind, finden bei jedem kreativen Prozess statt. In einer Schreibwerkstatt wird versucht, sie in jeder Sitzung gemeinsam zu durchlaufen.
