Der deutschen Sprache wird nachgesagt schwierig erlernbar zu sein. Immerhin existieren mehr als 400.000 Wörter, mit denen man den eigenen Wortschatz anfüllen kann. Einen krassen Gegensatz zu unserer Muttersprache bildet die Amtssprache Vanuatus: Bislama. Mit nur 2.800 Wörtern ist Bislama eine Sprache, die zur Fantasie anregt, da die meisten Dinge nicht genau benannt werden können, sondern umschrieben werden müssen.

Bislama als Produkt der Kolonialzeit

Als Kreolsprache beruht Bislama größtenteils auf dem Englischen, es existieren jedoch auch unzählige französische Lehnwörter. Dies ist auf eine Besonderheit in der Geschichte des Imperialismus zurückzuführen: Großbritannien und Frankreich teilten sich Vanuatu als Kolonie. Hierbei richteten sie übrigens einigen Schaden an und schifften europäische Krankheiten ein, die die Bevölkerung von mehr als 80.000 Einwohnern auf circa 45.000 dezimierten.

Die zweisprachige Verwaltung führte jedenfalls zur Herausbildung des Bislama, das in seiner Satzstellung sehr den melanesischen Sprachen ähnelt, vom Vokabular aber eher einer europäischen Sprache gleicht.

Beispielsätze auf Bislama

Anhand einiger Beispielsätze wird die Verwandtschaft mit dem Englischen und Französischen schnell deutlich:

Hier der erste Artikel der Menschenrechte auf Bislama:

"Evri man mo woman i bon fri mo ikwol long respek mo ol raet. Oli gat risen mo tingting mo oli mas tritim wanwan long olgeta olsem ol brata mo sista."

Auf Englisch:

"All human beings are born free and equal in dignity and rights. They are endowed with reason and conscience and should act towards one another in a spirit of brotherhood."

Der Name Bislama leitet sich übrigens vom pseudo-französische Wort "biche de mer", was wiederum vom portugiesischem "bicho do mar" kommt, und im 19. Jahrhundert für die Seegurken verwendet wurde, die man rund um Vanuatu findet.

Bislama als vereinendes Element

Die Situation der am weitesten verbreiteten Sprache Vanuatus war bislang ein wenig kurios: Bislama ist erst seit einigen Jahren Amtssprache und erst jetzt wird begonnen, es einheitlich in Schulen zu unterrichten. Das erste Wörterbuch in Bislama erschien 1995. Dass die Sprache so zögerlich als Einheitssprache angenommen wird, liegt an der vanuatuischen Gesellschaft, die absolut uneinheitlich ist. Auf 67 bewohnten Inseln werden 113 verschiedene Sprachen gesprochen und in den traditionellen Stämmen lernen die Kinder meist zwei Sprachen, die der Mutter und die des Vaters. Eine dritte Sprache, Bislama, fällt da schwer. In den letzten Jahren wird Bislama jedoch konsequent an jeder Schule unterrichtet und steigt sogar in den ländlichen Gebieten zur Lingua Franca auf.

Nur in den größeren Städten Port Vila, Luganville und Isangel ist Bislama die Muttersprache der meisten Meinschen. Aber gerade wegen dieser schwierigen sprachlichen und kulturellen Situation bietet Bislama die Chance, die Bevölkerung Vanuatus zu verbinden. Immerhin ist Vanuatu auf der Suche nach einer nationalen Identität, was nicht zuletzt an der kolonialen Vergangenheit liegt. Die Hoffnung, die auf Bislama ruht, wird schon an der Nationalhymne, die den Namen Yumi, Yumi, Yumi trägt, deutlich:

"Yumi, Yumi, Yumi i glat long talem se

Yumi, Yumi, Yumi ol man blong Vanuatu"

Übersetzt:

Wir, wir, wir sind glücklich zu verkünden

Wir, wir, wir sind das Volk Vanuatus

Heutzutage spricht fast jeder Vanuatuer Bislama, die Städter als Muttersprache und die traditionell lebenden Menschen als zweite oder dritte Sprache. Als Motor für den entstehenden und wachsenden Nationalstolz, war Bislama sicherlich einer der Faktoren dafür, dass die Vanuatuer 2006 in einer Umfrage als glücklichstes Volk der Welt ausgemacht wurden. Die Deutschen mit ihre 400.000 Wörtern landeten auf Platz 81.

Quellen:

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