
- Metaphern werden im NLP unscharf definiert. - Frederik Weitz
Peter Gansen ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Schulpädagogik und Didaktik der Sozialwissenschaften. In seiner Publikation "Dunkel ist's im Zauberwald – zur Verwendung von Metaphern in NLP-Ratgeberliteratur" kritisiert er den Umgang mit Metaphern heftig.
Was NLP unter Metaphern versteht
Hören wir uns ganz beispielhaft eine solche Aussage an: "Metaphern haben für die Kommunikation und das eigene Verständnis eine unglaublich große Bedeutung. Schon seit alters her werden Metaphern als Mittel zur Lehre und Veränderung von Vorstellungen, Ideen und Lebenseinstellungen eingesetzt. Schamanen, Philosophen und Propheten haben intuitiv die der Metapher innewohnende Kraft erkannt und sich ihrer bedient. Von Platon bis Jesus, von Buddha über Don Juan bis hin zu Richard Bandler wurden Metaphern als powervolle Beeinflussungswerkzeuge erkannt und genutzt."
Metaphern haben also eine Bedeutung, und nicht nur eine Bedeutung sondern eine "unglaublich große". Selbstverständlich ist "groß" nur eine Metapher, da Bedeutung kein räumliches Phänomen ist. Es soll wahrscheinlich darauf hinweisen, dass in einer Metapher "viel" Bedeutung drinnen steckt. Das wiederum ist aber nur eine physikalische Metapher oder eventuell sogar nur eine mathematische Metapher, die sich auf das Messen bezieht, jedenfalls auf einen eindeutigen Maßstab, an dem man ablesen kann, was viel und was wenig ist. Bei der Bedeutung dürfte das allerdings schwierig werden.
Platon, Jesus und die NLPler
Wunderbar ist jedenfalls die Aufzählung, die der NLPler hier benutzt. Es ist ein Who is who von Personen, die man gerade noch kennt und die irgendwie alt und bedeutungsschwer klingen. Platon, Buddha (Julius Cäsar und Shakespeare fehlen hier allerdings), und schon ist man bei Richard Bandler, dem einen Begründer von NLP. So schnell geht Geschichte! Besonders pikant allerdings ist, dass Schamanen aus schriftlosen Kulturen kommen, meistens zumindest und wenn man nur die echten Schamanen in Betracht zieht. Woher der Autor sein Wissen über den Gebrauch der Metaphern bei Schamanen herhat, wird wohl ewig ein Rätsel bleiben. – Hübsch ist auch: "powervolle". Nicht kraftvoll, nicht wirksam, sondern powervoll.
Eine verwaschene Begrifflichkeit
Peter Gansen weist darauf hin, dass NLP einen sehr umfassenden und dadurch sehr unklaren Begriff der Metapher verwendet: "Es wird keine Literatur zur Metapherntheorie herangezogen, nirgendwo erfolgt eine theoretisch-systematische Auseinandersetzung mit den Themen Metaphorik und biografisches Erzählen." Gleich darauf zitiert der Autor einen in Metaphern theoretisch fundierten Psychologen, Rudolf Schmitt, der die Metapher im NLP als "zwanglos … suggestive[s] Mittel" bezeichnet.
Gegen Ende des Aufsatzes schreibt Gansen, dass "das gesamte scheinbar so logisch konzipierte und geschlossene Gedankengebäude des NLP … bei nur leichtem kritischen Kratzen und prüfendem Bohren höchst einsturzgefährdet" sei. Schon an dieser Stelle kann man auch sehen, dass der Autor seine Metaphern mit Witz und Verstand einsetzt und trotzdem ein scharfes Konzept der Metapher besitzt. Theorie und Praxis sind eben nur dann ein Widerspruch, wenn ein Mensch zu dumm oder zu faul für ihre Verbindung ist. Oder zu narzisstisch.
Narzisstische Tendenzen im NLP
Wer seine Begriffe nicht scharf fasst, wird diese auch nicht gut erklären können. Schon hier sollten Kunden des NLP stutzig werden. Was will mir der Coach denn damit vermitteln?, sollte sich der Kunde fragen. Und andersherum kann der Coach oder der NLP-Trainer gar nicht diagnostizieren, wenn er in diesem Begriff keine Schärfe hat. Doch das ist drollig: der Trainer weiß nicht, was der Kunde eigentlich so richtig macht, der sich dieses Metaphernkonzept beibringen lässt, und umgekehrt weiß der Kunde gar nicht so genau, wo er hin soll.
Liest man sich NLP-Seiten von Praktikern im Internet durch, trifft man häufig auf die pure Behauptung, dass Metaphern toll wären und "unglaublich" wirksam. Dieses Phänomen kann man aber ganz getrost als narzisstisch bezeichnen. Wie beim Narzissten der Größenwahn keinen realen Halt hat, so hat die Metapher im NLP keine empirische Basis. Es gibt keine Untersuchungen, die die Wirksamkeit von NLP-Metaphern oder NLP überhaupt bestätigen. Die ganze Architektur des NLP erscheint bei genauerer Betrachtung wie eine Immobilienblase: Sie basiert auf Spekulation.
Die Kunst der Metapher
Nietzsche hat in seinen Fragmenten (Fragmente 1869-1874, Heft 29 [8]) darauf hingewiesen, dass die Metapher das unlogische Element der Sprache sei und schreibt zuvor, die Logik sei "die Sklaverei in den Banden der Sprache". Nun hat zwar Nietzsche eine manchmal recht eigenartige Ansicht von der Beurteilung von Sklaverei, aber die Kritik ist doch deutlich. Die Metapher erschafft einen Sprachraum, in dem ich mich nur noch an die eigene Logik binden kann. So gäbe die Metapher, spinnt man hier den Gedanken von Nietzsche weiter, zugleich Sicherheit und Blindheit. Und genau dies ist die Kunst, die NLPler so gut zu beherrschen scheinen. Andere Berater, wie zum Beispiel Christa Willms, warnen dagegen vor einem solchen Gebrauch und sind längst zu einem klassischen Metaphernbegriff und der dazugehörigen Praxis zurückgekehrt.
Links
- Gansen, Peter: Dunkel ist's im Zauberwald — zur Verwendung von Metaphern in NLP-Ratgeberliteratur
- Weitz, Frederik: Metaphern
- Willms, Christa: Leben lernen und Selbstbewusstsein aufbauen
- Das Zitat von einem NLP-Pracitioner ist willkürlich und exemplarisch herausgegriffen und lässt sich durch beliebig viele ähnliche Stellen ergänzen. Es ist auf Landsiedel NLP Training zu finden.
