1953: Wie alles begann
Am 26. Juli 1953 versuchten über 100 Kubaner, angeführt von Fidel Castro Ruz, die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba zu stürmen. Ihr Ziel: das Staatsoberhaupt Flugencio Batista y Zaldivar (1901 – 1973) zu stürzen. Batista, ehemaliger Präsident Kubas (1940 – 44) und Chef der Armee, hatte sich selbst 1952 mit Hilfe des Militärs wieder an die Macht geputscht. Er regierte fortan als Diktator.
1956: vom mexikanischen Exil zurück nach Kuba
Der Putsch der Bewegung des 26. Juli, wie Castro und seine Genossen sich nannten ("Movimiento 26 de Julio", kurz: M-26-7) schlug fehl, beide Seiten beklagten Tote. Castro wurde verhaftet und zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Eine Generalamnestie entließ ihn und seine Guerilleros nach nur zwei Jahren Haft. Castro und einige seiner Mitstreiter gingen ins mexikanische Exil. Dort trafen sie unter anderem den argentinischen Arzt Ernest "Che" Guevara (1928 – 1967). Gemeinsam planten sie eine Rückkehr nach Kuba, am 25. November 1956 war es soweit. Nach einer Woche auf See erreichten sie ihr Ziel. Die Ankunft verlief blutig: Bis auf zwölf Guerilleros wurden alle festgenommen oder getötet.
1959: Sieg der Guerilleros
Die Überlebenden der M-26-7 verzogen sich in den Gebirgszug Sierra Maestra. Von dort aus kämpften sie weiter gegen die hohe Arbeitslosigkeit und die ungleichen Besitzverhältnisse, gegen die extreme wirtschaftliche Abhängigkeit Kubas vom US-Kapital. Im Verlauf der Jahre schlossen sich immer mehr Kubaner den Rebellen an. Zur selben Zeit schwächten interne Streitigkeiten und Korruptionsaffären die Batista-Armee. Die Jahreswende 1958/59 brachte den entscheidenden Sieg für Castro und seine Genossen. Batista floh ins Exil, am 13. Februar wurde Fidel Castro Ministerpräsident.
Erste Reformen Castros
Die breite Unterstützung der Bevölkerung verlieh der Revolution eine gewisse Legitimität. Sie schien eine Lösung aus dem Reform-Stillstand zu bieten, der Ende der 1950er Jahre viele Länder Lateinamerikas erfasst hatte. Gleich zu Beginn seiner Machtübernahme setzte Castro um:
- Agrarreform (1959)
- Verstaatlichungen ausländischer Betriebe (ab 1960)
- Loslösung von US-Abhängigkeit durch Handels – und Kreditabkommen mit den UdSSR (ab 1960)
- Stadtreformgesetz (1960)
- Umgestaltung des Gesundheitswesens (1960)
- Kampagne zur Alphabetisierung (1961)
Auswirkungen auf Lateinamerika
Fidel Castro plädierte bereits 1959 für die Umgestaltung Lateinamerikas nach kubanischem Vorbild. Seine kontinentalen Ansprüche schlugen zwar fehl, dennoch bewegte seine Revolution das Lateinamerika der 1960er Jahre:
- Kulturrevolution: Eine neue Künstlergeneration (z.B. Gabriel García Márquez) ließ sich von der Kubanischen Revolution inspirieren.
- Akademische Debatten: Grundsätzliche Fragen wie „War Lateinamerika von Beginn an von kapitalistischen oder von feudalen Logiken bestimmt?“ oder "Sozialismus für ganz Lateinamerika?“ beschäftigten jetzt die Wissenschaftler. Dependenz-Theoretiker fanden ihre Impulse in der Kubanischen Revolution.
- Befreiungstheologie: Die Kirche zeigte sich bereit für Reformen: Sie wollte weitere Revolutionen vermeiden.
- Guerilla-Gruppen nach kubanischem Vorbild entstanden vor allem in den ländlichen Gegenden Guatemalas, Venezuelas, Kolumbiens, Chiles, Boliviens und Perus.
- Politische Grundsatz-Debatten entfachten in Genossenschaften, bäuerlichen Verbänden, kommunistischen, sozialistischen und christdemokratischen Parteien. Politische Abspaltungen und Fraktionsbildungen folgten.
- Bauern organisierten sich: Die arme Landbevölkerung rebellierte gegen ihren Ausschluss aus den politischen Systemen. Der Ruf nach einer Landreform schallte in ganz Lateinamerika.
Quelle: David Mayer (2005): Die Anden in die Sierra Maestra Lateinamerikas verwandeln. Die Kubanische Revolution als Teil des kollektiven Gedächtnisses Lateinamerikas. In: Rodrigues-Moura, Enrique (Hrsg.): Von Wäldern, Städten und Grenzen. Narration und kulturelle Identitätsbildungsprozesse in Lateinamerika. Frankfurt am Main: Brandes & Apsel. S. 384-411.
