
- Kuckucksuhr - Norman Oelker
In unserer von Unrast durchdrungenen Zeit, wo alles auf die Sekunde funktionieren soll, in der man selbst Muße und Beschaulichkeit plant, tut es gut, bei einem Blick auf eine Uhr auch einmal entspannen zu können. Man kann sich sogar dabei ertappen, wie man darauf wartet, dass die nächste halbe oder volle Stunde endlich vollendet ist. Mit jeder Uhr funktioniert so etwas nicht – bestimmt aber mit einer Kuckucksuhr. Ein kleines Stück Tradition, das bestimmt auch in Zukunft bleiben wird.
Geschichtliches zur Kuckucksuhr aus dem Schwarzwald
Die Kuckucksuhr ist untrennbar mit dem Schwarzwald verbunden und stellt eines der Wahrzeichen dieser Region dar. Wann die erste dieser Uhren dort hergestellt wurde, ist nicht ganz genau geklärt. Entsprechende Angaben beziehen sich auf mehrere Uhrenbauer, sind aber alle gegen 1730 bis 1750 datiert. Der Name der Kuckucksuhr selbst geht auf eine Angabe im 16. Jahrhundert zurück. Mit Anfang des 19. Jahrhunderts war die Verbreitung der Kuckucksuhren nicht mehr aufzuhalten. Bis zum Einsetzen der Industrialisierung wurden die Uhren im Schwarzwälder Raum in Heimarbeit hergestellt. Die Zeiten, in denen die Uhren nach Fertigstellung auf dem Rücken zum Markt getragen wurden, sind allerdings vorbei. Die Kuckucksuhr geht auch heute noch mit der Zeit. Wer mit einer Kuckucksuhr liebäugelt, der muss nicht einmal in den Schwarzwald reisen, sondern kann sie sich bequem über das Internet bestellen. Ein Großteil der Uhren wird in die USA und Kanada, aber auch nach Asien exportiert.
Der Kuckuck und die Technik
Bei der klassischen Kuckucksuhr handelt es sich um eine mit Kettenzug und Schlagwerk ausgestattete Pendeluhr. Das Gehäuse der Uhr stellt traditionell ein Häuschen mit schrägem Dach dar. Diese Form ging in ihren Ursprüngen aus einem Siegesentwurf eines Wettbewerbs Mitte des 18. Jahrhunderts hervor. Über dem Ziffernblatt der Uhr ist ein Türchen angebracht, hinter dem sich ein geschnitzter Kuckuck verbirgt. Zur vollen oder halben Stunde erscheint er, nachdem sich die Tür geöffnet hat. Dazu ertönt dann der markante Kuckucksruf, der von zwei Pfeifen erzeugt wird. Für jede halbe Stunde ein Ruf, für jede volle Stunde so viele Rufe, wie die Stunde geschlagen hat.
Je nach Größe und Ausstattung der Uhr ist das Gehäuse mit Zubehör und Schnitzereien versehen. Edlere Modelle sind mit weiteren beweglichen Teilen und Musikwerken ausgestattet. Die größeren Uhren können es auf eine Laufzeit von acht Tagen bringen. Wann eine Kuckucksuhr wieder aufgezogen werden muss, ist einfach zu erkennen: Wenn die Gewichte in Form von Tannenzapfen am Ende des Kettenzugs sich dem Fußboden nähern und das andere Ende der Ketten Richtung Häuschen immer kürzer wird, ist es an der Zeit, den Kuckuck wieder zum Laufen zu bringen. Die Ganggenauigkeit ist übrigens auch nicht zu verachten. Sie lässt sich mit einem Gegengewicht am Pendel der Uhr recht exakt justieren.
Die leise Kuckucksuhr
Der einzige Nachteil, den eine Kuckucksuhr hat, sind die zwei charakteristischen Töne, welche sie von sich gibt, um die Zeit auch akustisch anzuzeigen. Aber auch wer hierdurch Probleme mit den Nachbarn bekommt, dem wird geholfen: Die heutigen Kuckucksuhren sind mit einem Mechanismus versehen, mit dem man das Schlagwerk anhalten, sprich dem Kuckuck den Schnabel stopfen kann. Was ohne die lautstarke Zeitansage bleibt, ist eine beruhigend tickende, hübsch anzusehende Uhr an der Wand.
