Die Künstlergruppe f/64 und ihre Straight Photography

Akt, E. Weston - Ashley Deick
Akt, E. Weston - Ashley Deick
Die Group f/64 wurde 1932 in Kalifornien gegründet. Es ist eine Vereinigung von Künstlern, deren Hauptgebiet im Bereich der Photographie liegt.

Die Gruppe f/64, eine der bedeutendsten Bewegungen der frühen Photographie, wandte sich mit "strengen" eigenen Bildern gegen den damals üblichen Pictorialismus und vertrat eine der straight photography/Reinen Photographie nahestehende Ästhetik. Sie legten Wert auf eine umfassende Scharfzeichnung ihrer Motive. Dabei nutzte die Gruppe f/64 auch den Kontaktabzug großformatiger Negative auf kontrastreichem, "hartem" Hochglanzpapier. Skepsis bestand gegenüber der Retusche und anderen Manipulationen.

Geschichte der Künstlervereinigung f/64

Am 15. November 1932 verkündeten elf Künstler im M. H. de Young Memorial Museum in San Francisco die Gründung einer Gruppe, die sie f/64 nannten. Diese waren Ansel Adams, Imogen Cunningham, John Paul Edwards, Preston Holder, Consuelo Kanaga, Alma Lavenson, Sonya Noskowiak, Henry Swift, Willard Van Dyke, Brett Weston und Edward Weston, welcher oft als Hauptgründer der Gruppe genannt wird.

Die Idee dazu war einige Monate zuvor, während einer „Party in honor of Weston“, die in einer Gallerie, bekannt als "683" (für ihre Addresse in der Brockhurst Street in San Francisco), entstanden. Dort hatten sie begonnen die Gründung einer Vereinigung zu diskutieren, die eine neue Richtung der Photographie aufstellen und publizieren sollte. Diese neue Richtung sollte im Kontrast zu dem damals herrschenden Pictorialismus stehen.

Den Namen ihrer Gruppe wählten sie bewusst: Er bezog sich auf die kleinste Blendenöffnung, die zu jener Zeit möglich war. Dies sollte die Überzeugung der Bewegung veranschaulichen, dass die Photographen viel mehr die einzigartige Befugnis des Mediums, die Welt so zu zeigen wie sie wirklich ist, feiern und darstellen sollten, anstatt diese zu verstecken, wie Edward Weston sagte.

Die Kamera sollte genutzt werden um das Leben aufzuzeichnen, um die tatsächliche Substanz und den Kern des Dinges frei zu legen, ob es nun polierter Stahl oder pochendes Fleisch sei.

„Gruppe f/64“ sollte zum Schlagwort für eine direkte, geradlinige Photographie als eigenständige Kunstform werden und nicht die Imitation einer anderen Kunstform.

Die Arbeitsart der Gruppe f/64

Das Grundprinzip der Idee, das Leben aufzuzeichnen wie es wirklich ist, war es, dass die Kamera die Welt weitaus klarer sehen konnte, wie das menschliche Auge, da diese nicht von subjektiven Vorurteilen dem Objekt gegenüber, beeinflusst war.

Das Ziel der Gruppe war es, diese „Sicht der Kamera“ so klar wie möglich zu präsentieren, indem sie mit der sehr kleinen Blendenzahl f/64 die größtmögliche Tiefenschärfe schufen und somit erreichten, dass der größtmögliche Teil des Bildes in scharfem Fokus zu sehen war.

Dazu verwendeten sie auch noch eine Methode, die man Contact printing nennt. Mit dieser schafft man einen Bildabzug, indem man das Photopapier direkt in Kontakt mit dem Negativ bringt, statt mit einem sogenannten Enlarger – einem Vergrößerer – das Negativ auf das Papier zu projizieren. Des weiteren verwendeten sie glänzendes statt mattem oder als artist paper bezeichnetes Papier, deren Oberflächen dazu tendierten die Konturen der abgelichteten Objekte aufzulösen.

Ein besonderes Kennzeichen der Gruppe f/64 war das Äquivalent der View Camera, der Viewfinder – zu Deutsch, der Bildsucher – und der ausführliche Gebrauch dieser Einrichtung.

Maximale Detailgenauigkeit ist eines der wichtigsten Konzepte der Gruppe f/64

Die Künstler der Gruppe f/64 konzentrierten sich in ihrer Arbeit auf die Landschaftsphotographie. Bemerkenswerte Beispiele hierzu sind

  • Adams' Winter Yosemite Valley
  • und Weston's Dunes, Oceano

Das zweite Hauptthema sind Nahaufnahmen von Objekten, die im Zusammenhang mit Natur und Umwelt stehen, wie zum Beispiel

  • Pflanzen
  • Holzstücke
  • Objekte, die die kreative Intuition der Künstler hervorhoben oder seine Fähigkeit ästhetische Ordnung aus dem Chaos der Natur zu schaffen.

Hier zu nennen wäre

  • Weston's Bedpan

Ein weiterer Schwerpunkt in der Kunst der Gruppe waren Akte, wovon besonders beeindruckende in den Werken von Weston und Cunningham zu sehen sind. Zum Beispiel

  • Weston’s Nude

Pictoarilismus

Der Pictorialismus ist eine Stilrichtung, die beweisen wollte, dass die Photographie ein vollwertiges künstlerisches Ausdrucksmittel sei. Stilistisch ist der Pictorialismus charakterisiert durch Verschwommenheit, sorgfältige Wahl des Ausschnitts, fließende Übergänge, Vorliebe für Nacht- und Nebelszenen, 'künstlerische' Sujets (Landschaften, Porträts, Akte), Bearbeitung der Abzüge oder Negative um malerische Effekte zu erreichen. Seine Blütezeit ist Ende des 19. Jahrhunderts bis zum ersten Welt krieg, doch findet man Pictorialisten bis in die 1950er Jahre.

Merkmale der pictorialistischen Photographien sind die Nachahmung der Malerei (vor allem des Impressionismus). Um dem Vorwurf der simplen Dokumentation zu entgehen, sind die Photographien verschwommen und stimmungsvoll. Alle Spuren der Industrialisierung werden vermieden, mit Vorliebe zeigen die Pictorialisten Landschaften, idyllische Szenen, Porträts und Akte. Es wird oft eine arbeitsaufwändige Technik verwendet, viele Abzüge sind Unikate, um sich von der Massenphotographie abzugrenzen. Der pictorialistische Fotograf, der den ganzen Ablauf der Bildherstellung kontrolliert, greift oft auf Retusche und andere direkte Eingriffe in den Abzug zurück. Für manche ist das Negativ nur die Skizze, die erst im Ablauf von Entwicklung und Abzug zur Kunst wird. Man bedient sich bei der Ausarbeitung zumeist sehr aufwändiger Edeldruckverfahren, was die künstlerische Wirkung zusätzlich untermauert.

Gruppen von Fotografen schlossen sich zusammen mit dem erklärten Ziel, der künstlerischen Photographie zum Durchbruch zu verhelfen. ‚Pictorialistic' wurde im Sinn von 'künstlerisch' verwendet. Die Hauptzentren befanden sich in London (Linked Ring) und New York (Photo-Secession), doch entstanden Clubs auf der ganzen Welt; der Pictorialismus gilt als erste weltumspannende Photographiebewegung. Die Clubs waren oft Abspaltungen der bestehenden Photographiegesellschaften, die den Pictorialisten zu sehr mit technischen und kommerziellen Fragen beschäftigt waren. Viele der pictorialistischen Vereinigungen gaben Zeitschriften heraus, die zur weltweiten Vernetzung der Fotografen beitrugen

Nach dem ersten Weltkrieg wurde der Pictorialismus oft als bloße Imitation der Malerei bezeichnet und hart kritisiert, der die eigentlichen Eigenschaften der Photographie verleugnet habe. Es ist jedoch der Pictorialismus, der die Photographie als Kunst etablierte und diese späteren Kritiken so erst ermöglichte.

Quelle:

  • Group f/64/Thematic Essay