Die Künstlerin Monika Henseler mit Objekten in der "Kunstzone"

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Der "Roter-Fader-Sucher" fällt auf. - Elvira Lauscher
Die in Pfuhl beheimatete Galerie bietet noch bis zum 03.07.2010 eine sehenswerte Ausstellung mit Objekten der Münchner Künstlerin Monika Henseler.

Seit 2009 gibt es Ausstellungen in der „Kunstzone“ in Pfuhl bei Neu-Ulm. Michaela und Antonia Schafft sowie Stefan Kümmritz haben den ehemaligen Heustadel umgebaut und ein kleines Schmuckstück mit Hofgarten daraus geschaffen. Hier wollen sie neben der bildenden Kunst auch Künstler verschiedener anderer Sparten (wie zum Beispiel Literatur, Musik und Fotografie) eine Plattform bieten und Ideen für spannende Kunstprojekte möglich machen. Die Ausstellung von Monika Henseler ist die zweite in diesem Jahr und hatte am 29. Mai 2010 Vernissage.

Expressive Objekte aus Fundstücken zusammengeschweißt

Die Ausstellung ist äußerst eindrucksvoll, denn die Objekte sind hervorragend in den Heustadel integriert, bilden fast eine Symbiose zwischen Kunst und Räumlichkeit. Oftmals befruchten sie sich gegenseitig. Verwitterte Fundstücke, eingeschweißt und verschweißt mit Stahl, Holz oder Stein, mal fein, mal grober gearbeitet und dazu die alten Balken und die weiß bemalte strukturierte Wand mit eigener Geschichte. Jeder mögliche Winkel im Raum ist ausgenützt, ob als hängendes Lichtobjekt von der hohen Stadeldecke, ob als kleines, fast beiläufig an der Wand befestigtes Objekt oder auf weißen Stelen mitten in den Raum gestellt und bewusst gesetzt, wie das Objekt „Gehrhythmußt“, das durch den schwingenden Dielenboden in Bewegung gebracht, zu klingen beginnt. Und der Blick darf auch mal höher gehen. Neben Strohballen auf der oberen Etage ist zum Beispiel „Monstranz II“ platziert. In einer ansonsten eher unscheinbaren Ecke neben einer Vitrine mit Schmuckstücken von Monika Henseler ist der „Roter-Faden-Sucher“ aufgehängt und macht sich mit seinem roten Faden auf der kleinen Spule bemerkbar. Die „Wespenkönigin“ ist auf einem Bord einer halb hohen Zwischenwand abgestellt, davor liegt eine zufällig im Stadel verendete Wespe.

Objekte und Atmosphäre laden zum Verweilen ein und verdienen Aufmerksamkeit

Über 30 Objekte und 15 Schmuckstücke sind insgesamt auf diese Weise im Raum verteilt und beim Betreten der „Kunstzone“ ist man erst Mal von der Gesamtatmosphäre beeindruckt. Erst nach und nach nimmt man die Objekte in ihrer Individualität wahr. Denn jedes ist einzigartig und die Kreativität und Vielseitigkeit der Künstlerin überrascht. Im ersten Moment wirken viele der Objekte expressiv und eher grob gearbeitet. Erst im Detail und der Auseinandersetzung mit dem einzelnen Kunstwerk sieht man die darin steckende Feinarbeit. Und dabei verändern sie sich je nachdem von welcher Seite man sich ihnen nähert. Wie die „Venusfliegenfalle, Hahn und Pflanze mit Puppe“, an der man den Hahn und Hahnenkranz erst erkennt, wenn man die Figur von vorne betrachtet. Die Seiten offenbaren ganz andere Einblicke: Die Gefahr der Venusfliegenfalle, die ja eine sinnliche Mörderin ist. Diese Sinnlichkeit kommt in der gebogenen Form und der Ästhetik der Figur zum Tragen. Trotz dem mächtigen Hinterleib ist eine untergründige Erotik zu spüren, eine Erotik, die unerlässlich im Anlocken der Insekten ist. Die Gefahr wird durch eine übergroße Patronenhülse, einen Stachel am Kopf und einen Gitterkorb am Unterleib dargestellt: Du bist gefangen!

Jedes Kunstwerk von Monika Henseler ist einzigartig

Ein anderes Kunstwerk ist ein Bewegungsobjekt. „Tanzen“ heißt das auf dem ersten Blick eher träge wirkende Projekt, da der untere Teil so dominant und gar nicht leichtfüßig ist. Weit ausgebreitete Arme sind darüber geschweißt Beginnt man die Figur an diesen Armen zu bewegen, beginnt sie zu tanzen und offenbart ihre Leichtigkeit. Ein anderes Kunstwerk „Hol-Ihn/Sie-der-Teufel-Maske“ birgt anderes Wundersames in sich. In eine Maske lassen sich Namen von ungeliebten Menschen hineinkratzen. Monika Henseler verschließt diese dann und kann sie damit für sich vergessen. Die Plastik „Sich auflösender Gedankengang“ spielt mit den manchmal wild chaotisch kreisenden oder durcheinander wirbelnden Gedankenfäden, die dann doch immer wieder gebündelt werden. Auch die Farben der Objekte sind unterschiedlich. Durch das Autogenschweißen leuchten sie in Blaugrau, Weißgelb oder Schwarz, präsentieren Farbreste von Lacken oder die Ausgangsmaterialien des glatten oder bereits verwitterten und verrosteten Metalls. In einer Plastik wie „Der Wind und das Meer“ wirkt das dosierte Blau durch alte Lacke besonders authentisch für die Gesamtaussage der Figur.

Die Künstlerin mit Wurzeln aus Neu-Ulm ist eine Sammlerin

Monika Henseler ist in Berlin geboren und in Neu-Ulm aufgewachsen und hat zahlreiche Ausstellung auch im Ulmer und Neu-Ulmer Raum gemacht. Schon immer hat sie gerne gemalt und Materialien gesammelt. Nach einem Kunststudium und zwei Staatsexamen arbeitet sie als freischaffende Künstlerin und als Kunsterzieherin an einem Gymnasium in München. Die Ausstellung in der „Kunstzone“ kann man nach Vereinbarung oder zu den festen Besucherzeiten am Samstag Vormittag von 10.00 bis 16.00 Uhr oder am Dienstag Abend von 18.00 bis 21.00 Uhr besuchen.

Elvira Lauscher, Elvira Lauscher

Elvira Lauscher - Schreiben ist meine Leidenschaft, mein Beruf und meine Berufung. Ich war 28 Ausgaben für ein Ulmer Magazin Chefredakteurin und habe ...

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