
- Stephan Reimertz: Woody Allen - Rowohlt Verlag GmbH
Woody Allen ist einer der größten amerikanischen Filmkünstler aller Zeiten. Der Drehbuchautor, Filmregisseur und Schauspieler schuf Evergreens wie "Annie Hall" (dt. "Der Stadtneurotiker) und "Manhattan". In Woody Allens Filmen ist kein Platz für den übermenschlichen Hollywoodhelden, der in Kinos weltweit seine Heldentaten vollbringt. An dessen Stelle tritt der tollpatschige, meist von Allen selbst verkörperte Intellektuelle. Woody Allens Figuren sind Anti-Typen, die mit Humor ihr Leben als vermeintliche Versager zu meistern versuchen.
Woody Allen alias Allan Stewart Konigsberg
Woody Allen wurde als Allan Stewart Konigsberg, so der bürgerliche Name, am 1. Dezember 1935 in Flatbush, Brooklyn, geboren. Der Künstlername Woody Allen ist eine Hommage an den Jazz-Star Woody Herman. So wurde aus Allan Woody. Der Vorname wurde zum Nachname. Woody Allen war geboren.
Erste Jobs als Witzeschreiber und Comedian
Woody Allen versuchte sich bereits als Schüler im Witze schreiben und ergatterte sich so einen Job als Witzeschreiber. Ab Mitte der 60er Jahre verfasste er Satiren und Short Storys für Esquire, Playboy und New Yorker. Um seine Karriere voranzutreiben, trat er in unzähligen Fernsehshows auf. Als Stand-Up-Comedian feierte er mit seinem typischen doppelbödigen Woody-Allen-Humor schon früh Erfolge. Im Alter von 25 feierte er als Entertainer sein Broadway-Debüt.
Regiedebüt und internationaler Durchbruch
Das Filmhandwerk brachte sich Woody Allen selbst bei. Sein Regiedebüt gab er 1966 mit "What's Up Tiger Lilly". In Allens ersten Filmen jagt ein Witz den anderen. Es sind meist billige, pornographische Witze. Woody Allen fehlte es an Filmerfahrung.
1977 schaffte er mit "Annie Hall" (dt. "Der Stadtneurotiker") den internationalen Durchbruch. Im Jahr 1979 schuf Woody Allen den Evergreen "Manhattan". Sein aktueller Film "Whatever Works" wurde ebenfalls in Allens Heimatstadt New York gedreht. (Kinostart: 3. Dezember 2009)
Woody Allen – Nervenbündel und Frauenjäger
Woody Allen hat nicht nur das Glück, einzigartigen Humor zu besitzen, sondern noch dazu das Glück, komisch auszusehen. Die schwarz geränderte Brille, die Cordhose und das Tweedjacket wurden zu seinen Markenzeichen. Sein etwas tollpatschiges, amateurhaftes Auftreten sind Teil seiner erfolgreichen Selbstvermarktungsstrategie. Woody Allen machte aus sich eine Kultfigur, dessen vermeintliche Doppelgänger in seinen Filmen auftauchen und als Neurosenkavaliere Frauen umwerben.
Woody Allen: "Ich habe nicht wirklich viel von einem Schauspieler, aber ich habe eine Persönlichkeit, die das Publikum identifizieren kann..." ("The Woody Allen Companion", 1973)
Woody Allen: "Wenn ich Witze schreibe, überraschen sie mich selbst."
Woody Allens erste Filmversuche waren vollgepackt mit billigen Scherzen. Der typische Woody-Allen-Humor entwickelte sich erst nach und nach und aus den billigen Scherzen wurden Scherze mit dramaturgischer und politischer Funktion. Allens Humor ist jedoch nie provokant und verletzt nie ernsthaft. Woody Allen benutzt den Humor als Waffe gegen die Zumutungen der Außenwelt. Zu seinen Vorbildern in Sachen Humor zählen Groucho, die Marx Brothers, Charles Chaplin und Buster Keaton.
Alltägliche Filmfiguren erzählen von Geld, Sex, Kultur und Psychoanalyse
Das Hauptthema, welches jedem Woody-Allen-Film zugrunde liegt, ist der Pessimismus. Allens Filmfiguren sind intellektuelle Überflieger, meist jüdischer Herkunft, die im Leben oft zu kurz kommen. Dabei greift Allen in seinen Filmen immer wieder dieselben Themen auf. Themen des 20. Jahrhunderts, wie Geld, Sex, Kultur und Psychoanalyse. Allens technisch perfekte Filme sind ein Spiegel der middle-class. Die unterschiedlichen, alltäglichen Filmfiguren erzählen aus der Ich-Perspektive von ihren menschlichen Ängsten vor dem Versagen, dem Untergang und dem Tod.
Die Frauen in Woody Allens Leben
1956 heiratete Woody Allen die Philosophiestudentin Harlene Rosen. Nach ein paar Jahren Eheglück ließ sich das Paar scheiden und ging sich von nun an aus dem Weg. Allens zweite Ehefrau, Louise Lasser, war Stegreif-Komödiantin. Auch diese Ehe war nicht von langer Dauer. 1968 begann eine jahrzehntelange Freundschaft zwischen Woody Allen und Diane Keaton. Keaton spielte in zahlreichen Allen-Filmen, unter anderem "Manhattan", mit und lange waren Allen und Keaton das Traumpaar der frühen siebziger Jahre.
1980 begann die Beziehung zwischen Allen und Mia Farrow. Mia Farrow spielte insgesamt in 13 von Allens Filmen mit, unter anderem in "Night's Sex Comedy" und "Husbands and Wives". Während den Dreharbeiten zum Film "Hannah and her Sisters" kam es zu einem Skandal, auf den sich die Presse mit Freude stürzte: Mia Farrow entdeckte vom damals 56-jährigen Woody Allen geknipste Nacktfotos von ihrer 21-jährigen Adoptivtochter Soon-Yi Previn. 1997 heiratete Woody Allen die Koreanerin Soon-Yi Previn.
"Wild Man Blues" – Der leidenschaftliche Klarinettist Woody Allen
Seit jeher übte Woody Allen fleißig auf seiner Klarinette. Sein "Taufpate" war nicht zufälligerweise der Klarinettist Woody Herman. Zeitlebens widmete er sich neben seiner Leidenschaft für den Film auch seiner ebenso großen Leidenschaft für Jazzmusik. Von 1971 bis 1997 trat er jeden Montag in Michael's Pub in Manhattan auf. Dort spielte er auch, während 1977 in Los Angeles die Oscarverleihung stattfand. Allens Film "Annie Hall" (dt. "Der Stadtneurotiker") sahnte an jenem Abend vier Oscars ab.
1998 erschien der Film "Wild Man Blues" von Barbara Kopple, welche die siebenköpfigen New-Orleans-Jazz-Band, darunter der Klarinettist Woody Allen, auf ihrer Konzertreise nach Venedig, Paris und London begleitete.
Buchtipp: Stephan Reimertz: Woody Allen. Eine Biographie. Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2000.
