
- Die Schokoladentafel wurde erst 1847 erfunden - Thomas Siepmann / pixelio.de
Die Geburtsstunde des Kakao als Kulturpflanze lässt sich bis in die Frühgeschichte Amerikas zurückverfolgen. Die Olmeken waren die Ersten, die Schokolade als Genussmittel wahrnahmen. Sie siedelten im Tiefland der südlichen Golfküste des heutigen Mexiko. Das Wort „cacao“, ursprünglich „kakawa“ ausgesprochen, entspringt der Sprache dieser untergegangenen Kultur. Es gehörte schon seit 1.000 v. Chr. zum Wortschatz der Olmeken. Es wird davon ausgegangen, dass die Olmeken die Schokolade tranken.
Kakao bei den Maya: Zahlungsmittel, heiß aufgeschäumt
Die von den Maya konsumierte Schokolade unterschied sich beträchtlich von der heute üblichen. Nur das Trinken von Schokolade ist überliefert, wobei die Maya die erhitzte Variante bevorzugten. Sie nutzten sie jedoch auch als Gewürz. Die Schokolade wurde nicht gesüßt und hatte deshalb einen eher bitteren, herben Geschmack. Auch fand Kakao Eingang in Gewürzmischungen, beispielsweise vermischt mit Chili. Die Delikatesse dabei war der Schaum auf der Schokolade, der künstlich erzeugt wurde. Kakao war kein wie heute übliches Masseprodukt, vielmehr war der Kakaogenuss dem Adel vorbehalten. Um die Bedeutung des Kakao zu bemessen, muss man sich klar machen, dass die Bohnen als Zahlungsmittel Verwendung fanden. Weiterhin war Kakao ein wichtiges Handelsgut der Maya und fand ebenso als Grabbeigabe Verwendung, er sollte den Verstorbenen als Nahrung dienen. Auch die Gefäße zur Einnahme von Kakao wurden mit ins Grab gelegt, weshalb bis heute einige erhalten sind.
Kakao bei den Azteken: Zahlungsmittel, angenehm kühl
Auch bei den Azteken hatte die Schokolade einen hohen Stellenwert. Ebenso wie die Maya nutzten die Azteken die Kakaobohne als Genuss- und Zahlungsmittel, und auch in der Religion und in den Ritualen spielte sie eine wichtige Rolle. Kakaobaum und -frucht finden sich in zahlreichen Darstellungen der Azteken wieder. Die Azteken bevorzugten ebenso wie die Maya ein schaumartiges Kakaogetränk, sie tranken es jedoch lieber kalt. Um den Schaum zu erzeugen, wurde der Kakao aus einer gewissen Höhe in ein zweites Gefäß gegossen, der Quirl zum Erzeugen des Schaums kam erst nach der Eroberung durch die Spanier auf. Die Zugabe von zerriebenem Chili war sehr beliebt, auch das Hinzufügen von Honig war bekannt – was unserer heutigen Vorstellung von Schokolade noch am nächsten kommt. Der Genuss blieb den Mitgliedern des Königshauses, dem Adel, den Würdenträgern sowie den Fernhandelskaufleuten und Kriegern vorbehalten.
Kakao bei den Azteken: Krieg, Tribut und Handel
Da die Azteken keine eigenen Anbaugebiete besaßen, konnte der Kakao nur über Abgaben und Handel ins Land gebracht werden. Dabei kam den „pochteca“ – den Fernhandelskaufleuten – eine besondere Rolle zu. Sie sorgten dafür, dass genug Kakao aus den reichen Anbaugebieten in die Hauptstadt Tenochtitlán floss. Die Herrscher der Azteken führten sogar gelegentlich Krieg, um an die kostbare Bohne zu gelangen. Entweder sie verlangten Tributzahlungen oder sie eroberten direkt das Anbaugebiet. Zur Zeit der spanischen Eroberung lagerten angeblich 40.000 Traglasten Kakaobohnen im Kaiserlichen Lager, was 960 Tonnen entspricht.
Kakao und die Spanier: ein Getränk für Schweine?
Auf seiner vierten Reise kam Christoph Kolumbus mit der Kakaobohne in Berührung. Im Jahr 1502 traf er auf ein mit Kakao beladenes Kanu. Er ließ das Kanu entern und beschlagnahmte die Ladung und die Besatzung gleich mit. Die Spanier beobachteten, dass die Gefangenen sich nach jeder einzelnen Kakaobohne bückten, die herunter fiel. Die eigentliche Bedeutung blieb Kolumbus jedoch aufgrund der Sprachbarriere verborgen. Dies änderte sich jedoch mit der Eroberung des Aztekenreiches durch Hernan Cortez im Jahr 1521. Die Spanier übernahmen die Bohne als Zahlungsmittel bis tief in die Kolonialzeit, der bittere Geschmack war jedoch erst einmal nichts für die Besatzer. Der italienische Reisende Girolamo Benzoni urteilte über die Kakaobohne: „Sie schien eher ein Getränk für Schweine zu sein als für die Menschheit.“
Kakao und die Spanier: Das Zuckern ist der Schlüssel
Die Spanier veränderten das Schokoladengetränk, indem sie einheimische Gewürze durch jene ersetzten, die sie nach Amerika einführten, wie beispielsweise schwarzen Pfeffer. Die entscheidende Neuerung war jedoch die Idee, das Getränk mit Rohrzucker zu süßen. Von nun an war der Siegeszug der Schokolade nicht mehr aufzuhalten. Von Mittelamerika gelang sie an den spanischen Königshof – wann genau das geschah, steht jedoch nicht fest. Ursprünglich wurde Cortez die Einfuhr von Schokolade zugesprochen, dafür gibt es jedoch keine Beweise. Wahrscheinlicher ist es, dass die Jesuitenmissionare die kleine Bohne nach Spanien brachten, kontrollierten sie doch zeitweilig einen großen Teil des Kakaohandels. Die erste belegte „Reise“ des Kakao nach Europa ereignete sich im Jahr 1544. Die friedliche Kontaktaufnahme der Dominikaner mit den Kekchi-Maya resultierte in einer Reise der Mönche, gemeinsam mit einigen adligen Maya, zum spanischen Königshof. Bis heute existiert eine Liste der mitgebrachten Präsente, unter anderem Schokolade.
Die Schokolade erobert Europa
In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts begann sich die Schokolade als beliebtes Getränk am spanischen Königshof und durch Nachahmer im spanischen Adel durchzusetzen und wurde schließlich zu einer Art spanischem Nationalgetränk. Über Italien und Frankreich erreichte die Schokolade letztendlich auch Deutschland, ursprünglich jedoch als Arznei. Die Kakaobohne half angeblich bei Magenbeschwerden, gegen Schmerzen und bei libidobedingten Problemen. Erst im 19. Jahrhundert begann in Deutschland der Durchbruch der Schokolade als Genussmittel. Die Herstellungsverfahren waren kompliziert, die Bohnen teuer. Erst die Pressung des Kakaos und die anschließende Vermahlung zu Kakaopulver und der Import von kostengünstigerem Kakao aus Amazonien machten Schokolade zu einem Massenprodukt. Vorher erfolgte die Herstellung durch einen Chocolatier, einen auf Schokolade spezialisierten Konditor. Die älteste deutsche noch bestehende Schokoladenfabrik ist die Halloren Schokoladenfabrik in Halle an der Saale, die im Jahr 1804 aus einer Konditorei hervorging. Es war die britische Schokoladenmanufaktur "Fry & Sons", die 1847 Kakaopulver und Zucker mit geschmolzener Kakaobutter statt mit warmem Wasser vermischte und den zähen Teig in Formen goss – die Geburtsstunde der Schokoladentafel.
Links und Quellen:
Planet Wissen zum Thema Schokolade
Geschichte der Schokolade - Theobroma
