Die Kunst des guten Lebens - Ars vivendi

Garantiert er für ein gutes Leben? - Kigoo Images/pixelio.de
Garantiert er für ein gutes Leben? - Kigoo Images/pixelio.de
Was ist ein gutes Leben? Sich materielle Wünsche erfüllen, dürfte die Antwort vieler sein. Ist es das aber wirklich?

Ein gutes Leben haben, ist der Wunsch eines jeden Menschen. Der Wunsch ist nur allzu verständlich und jeder versucht ihm auf seine Weise nachzukommen. Menschen entwickeln schon früh das Verlangen, Wünsche zu haben. Je mehr sich ihnen mit dem Erwachsenwerden die Welt um sie erschließt, das heißt, die verschiedenartigen Möglichkeiten, das Leben angenehm zu gestalten, umso vielfältiger werden die Wünsche. So haben Wünsche die Eigenart, weitere und immer neue Wünsche nach sich zu ziehen. Einmal angenommen, jemand kann sich im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten viele Wünsche erfüllen: Weltreisen, Häuser, Autos etwa. Sicher lässt sich das Leben in dem Fall angenehm gestalten. Es herrscht keinerlei Einschränkung in materieller Hinsicht. Was ist aber, wenn sich nach und nach eine Sättigung einstellt? Wenn der beneidenswerte Glückliche seiner materiellen Güter überdrüssig wird und sie ihn anfangen zu langweilen?

Ein gutes Leben setzt einen Sinn voraus

Wenn sich trotz materieller Annehmlichkeiten im Leben eine Sättigung und als Folge dieser Langeweile einstellt, dann herrscht ein Mangel in einem anderen Bereich des Lebens. Es fehlt dem Leben an dem, was ihm einen Sinn gibt. Ist kein Sinn vorhanden, nützen die größten Reichtümer nichts. Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass materielle Dinge keinen Sinn ergeben würden. Es kommt auf die innere Einstellung zu materiellen Dingen an, und damit zum Leben schlechthin. Dem Leben einen Sinn geben, beginnt bei den einfachsten Dingen, die jedem zur Verfügung stehen, kostenlos. Beispielsweise jemanden ein Lächeln schenken. Derjenige, dem das Lächeln gilt, fühlt sich gut und gleichzeitig angenommen im Kreis wohlwollender Menschen. Er wird das empfangene Lächeln zurückstrahlen auf seinen Spender. Sich gut zu fühlen, ist ein Teil der Kunst, ein gutes Leben zu haben.

Selbstverwirklichung kommt einem guten Leben entgegen

Was dem Leben immer einen Sinn gibt, ist die Selbstverwirklichung. Die Realisierung eigener Ziele, Wünsche, Pläne und Sehnsüchte. Das eigene Wesen zur Entfaltung kommen lassen, mit all seinen individuellen Talenten, schafft neue Möglichkeiten. Wer sich beruflich selbstverwirklichen kann, Hobby und Leidenschaft zum Beruf macht oder es einfach tut, weil das bisherige Leben unzufriedenstellend für ihn war, bei dem stellt sich nach und nach die gewünschte Zufriedenheit ein, und damit auch eine Ausgeglichenheit. Selbstverwirklichung hat auch auf andere eine positive Ausstrahlung. Der andere spürt, dass er es mit einem ausgeglichenen Menschen zu tun hat. So wächst aus Zufriedenheit Gutes. Kurzum: Selbstverwirklichung steigert die Lebensqualität und ist ebenfalls Teil der Kunst, ein gutes Leben zu haben.

Woraus die Kunst des guten Lebens noch besteht

Die Kunst des guten Lebens setzt auch immer positives Denken und Handeln voraus. Wie sollte aus negativem Denken etwas Gutes entstehen können? Wie sagte Marc Aurel ( römischer Kaiser 161-180 nach Christus )? "Unser Leben ist, was unser Denken daraus macht“. Positives Denken eröffnet neue Perspektiven, beruflich wie privat. Positives Denken erschließt den Zugang zu anderen Menschen. Plaudereien und Freundschaften bahnen sich leichter an mit einer positiven Grundhaltung. Allesamt sind das Dinge, die ein gutes Leben ausmachen. Positives Handeln kann beispielsweise darin bestehen, jemandem spontan durch kleine Gefälligkeiten helfen, weil der andere sich gerade in einer schwierigen Lebenslage befindet. Was auf den Handelnden davon zurückstrahlt, ist ein gutes Gefühl. Positives Denken und Handeln, auch das sind Teile der Kunst, ein gutes Leben zu haben.

Ars vivendi – Lebenskunst

Man hört gelegentlich, dieser oder jener sei ein Lebenskünstler. - Lebenskunst? Lebenskünstler? Inwieweit hat das etwas mit der Kunst des guten Lebens gemein? Auch wenn das Wort 'Lebenskünstler' bisweilen in negativer Weise mit 'Überlebenskünstler' in Verbindung gebracht wird, hat es mit Lebenskunst zu tun. Ein Lebenskünstler ist per Definition ein Mensch, der Glück nicht im ständigen Streben nach vielleicht unerreichbaren (meist materiellen) Zielen sucht, sondern das Sein nimmt, wie es ist und versucht, allein aus den vorhandenen (schönen) Dingen persönliche Zufriedenheit zu beziehen. Ein Lebenskünstler ist also bestrebt, dem Leben Gutes abzugewinnen.

Der Begriff 'Lebenskunst' vereint ein Spektrum von Vorstellungen, was ein guten Leben ist. Dazu gehört unter anderem unbeschwerter Lebensgenuss nach dem französischen Savoir-vivre, der gelassene Umgang mit Anforderungen und Verwicklungen, die das Leben mit sich bringt, bis hin zu dem Anspruch, das eigene Leben als Kunstwerk zu gestalten. Zur Lebenskunst gehört aber immer auch eine große Portion persönlicher Gestaltungsfähigkeit in Bezug auf Wahrnehmung und Verarbeitung der eigenen Lebensumstände. Was auf die angesprochene Selbstverwirklichung hinausläuft. Fazit: Ein gutes Leben zu haben, hängt viel von der eigenen Gestaltung ab. Ein gutes Leben ist letztendlich aber auch ein solches, das nicht ausschließlich zum Eigennutz gelebt wird, sondern aus der Freude heraus, diese, wie immer sie gestaltet sein mag, mit anderen zu teilen.

Bildnachweis: © Kigoo Images / pixelio.de

Annelore Poljasevic, Annelore Poljasevic

Annelore Poljasevic - Ich bin 1952 im mittelalterlichen Rothenburg ob der Tauber geboren und habe (weil es sich so ergeben hat) den nüchternen Beruf der ...

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