Nachts, während die kampfunfähigen und bettlägerigen Soldaten auf ihren Pritschen lagen und versuchten die Verwundungen, die sie sich zwischen 1853 und 1856 im Krimkrieg zuzogen, mit etwas Schlaf klein zu halten, konnten einige allierte Männer sie auf dem Flur hören: Dann leuchtete sie mit der Lampe ins Lazarett. Sie betreute und redeten jenen Männern gut zu, die den Krieg auch nachts mit offenen Augen und nassen, blutigen Verbänden fühlten. So überliefert man und begründet ihr Image als „Lady with the Lamp“. Die Rede ist von der mutigen Pflegerin, die das Fundament der modernen Krankenpflege mitschuf: Florence Nightingale. Am 13. August jährt sich ihr 102. Todesjahr.

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ar die Pflege von 10. 000 Soldaten im Krimkrieg unmöglich? Die großherzige, überzeugte Nightingale sah es als ihre Aufgabe...

Sie etablierte ihren Ruf als „Barmherzige Engelin“ abseits der Feldschlachten, die unerbittlich auf der Krim ausgetragen wurden. Zu den heiklen Feldzugswunden der Soldaten in jenen Kriegsjahren kamen Ausbrüche von Choleraerkrankungen hinzu. Tagsüber bemühte sich Miss Nightingale um die Koordination der größer werdenden Zahl an Erkrankten, die von der Front direkt hertransportiert wurden, zudem um die Verwaltung der Pflegekräfte. Es waren bis zu 125 Krankenpflegerinnen unter ihrem medizinischen Kommando. Zeitweise kümmerten sich die Schwestern um bis zu 10. 000 Soldaten. Sie reichten den Männern Suppen, leisteten Hilfestellungen bei den Operationen der Lazarettärzte, Hilfestellungen bei den "Apothekediensten". Die Schwestern hielten die für das Lazarett vorgesehenen "Räumlichkeiten" sauber und behandelten neben den Oberärzten an den sporadischen Feldbetten die durch Geschütze gesplitterten Handgelenke und verkrüppelten, verbrannten Beine der Soldaten. Sie kühlten die fiebernde Stirn der Neuankömmlinge. Und gaben ihnen in den ruinösen Minuten Mut und Hoffnung. Immer wieder Hoffnung. Die Helferinnen verschafften ihnen im pragmatischen Fortgang womöglich neue Hemden, Stiefel und notwendige Gegenstände in den Wochen der Wiedergenesung.

Lebensaufgabe und humanistische Werte der Schwester - Impulse für andere Schwestern

Zur praktischen Hilfe kamen die humanistischen Werte Florence Nightingales hinzu, ihre starke Persönlichkeit. Bald sollten sie und das Krankenpflegewesen auch von ihrem Interesse für die Prinzipien der Statistik Nutzen ziehen. Dieses Wissen konnte sie später in die Grundsteinlegung der Pflegeausbildung pflanzen.

1860: Ein besonderes Jahr für die Pflegeausbildung

Nightingale machte sich die Pflege der Verwundeten in den Lazaretten Mitte des 19. Jahrhunderts zur Lebensaufgabe. Es entwickelte sich weiteres aus dem vorerst eingegrenzten, lokalen Pragmatismus und großen Idealismus. Ihr Engagement zur Strukturierung der Pflegeausbildung führte zur Eröffnung der „Nightingale School of Nursing“ in London. Die Grundsteinlegung erfolgte 1860. Dabei konnten die glücklichen Pioniere auf eine Spendenhöhe von 50. 000 Pfund zurückgreifen. Im St. Thomas Hospital wurde somit erstmals eine wissenschaftlich begründete Krankenpflegestätte eingerichtet. Die Schwester und Ausbilderin Nightingale konnte dabei Impulse im europäischen, humanistischen Geist und europäischen Raum freisetzen: Schon bald kam es auch in anderen europäischen Metropolen zu ähnlichen Krankenpflegeschulen.

Die "Barmherzige" wirkte auch in Düsseldorf

Auch in Deutschland hält man die „Lady mit der Lampe“ und „Barmherzige Engelin“ hoch: Das Diakonissenkrankenhaus in Kaiserwerth, in dem die Tochter aus wohlhabendem Elternhaus ihre anfänglichen Schritte zur Krankenpflegerin unternahm, trägt seit 1975, in Bezug zu einer anständigen Seele und Pragmatikerin, als empathische Stätte in der Vierzahl der Kriegsstätten, den Namen "Florence Nightingale Krankenhaus". Jener Helferin, die an die leuchtende Kraft der Hoffnung und Tragkraft der professionellen Fürsorge glaubte.