
- Ein Lichtblick für die Christen in Ägypten? - dmpastor / pixelio.de
Die Kopten sind die größte ethnische und religiöse MInderheit in Ägypten. Ihre Religion hat eine längere Tradition in diesem Land, als der Islam. Und doch leiden sie ständig unter Repressionen und Verletzungen ihrer Menschenrechte. Seit der Absetzung des ehemaligen Präsidenten Mubarak leben sie in noch größerer Unsicherheit über ihre Zukunft. Immer wieder brennen ihre Kirchen und die Militärregierung scheint religiöse Konflikte im Land noch anzuheizen, um daraus politischen Machtgewinn zu erlangen.
Ägypten war eines der Gebiete, das am schnellsten vom christlichen Glauben erreicht wurde. Es entwickelte sich eine tiefe Volksfrömmigkeit, die auch seit der Invasion muslimischer Herrscher im Land nur langsam und manchmal auch gar nicht vom Islam abgelöst werden konnte. Zum Teil vermischten sich Islam und Christentum, und meistens lebten Muslime und Christen in einem friedlichen und offenen Klima. Mehr zur Geschichte der Kopten lesen sie im Artikel "Die Kopten - Geschichte und Gegenwart".
In den letzten 50 Jahren wurden christliche Ägypter immer mehr unterdrückt
Ägypten wurde 1922 unabhängig, und die neuen Regierenden wollten sich klar abgrenzen von den ehemaligen (christlichen) Kolonialherren. Hierzu gehörte auch ein klares religiöses Statement, indem sie den Islam immer mehr förderten. Hierunter litten die Kopten, denn plötzlich wurden sie mit den Kolonialherren über einen Kamm geschoren, und ihre Rechte immer mehr beschnitten, sodass jetzt das Miteinander unter Christen und Muslimen gespalten ist.
In öffentlichen Ämtern gibt es Höchst-Quoten für Christen, die deutlich unter dem Bevölkerungsanteil von 10 Prozent liegen. Christen haben kaum eine Chance, in Führungspositionen zu kommen, da die ägyptische Verfassung am islamischen Recht orientiert ist, und schon der Koran verbietet Muslimen, einen Christen oder Juden als Vorgesetzten zu haben.
Keine Religionsfreiheit in Ägypten
Echte Freiheit der Religionswahl gibt es in Ägypten nicht. Zwar haben Christen das ausdrückliche Recht, zum Islam zu konvertieren (und oft wird auch von Zwangskonversionen berichtet), Muslime jedoch können ihre Religion nicht ohne Weiteres ändern - zumindest nicht den Eintrag der Religionszugehörigkeit im Pass. Staatliche und familiäre Repressalien kommen auf einen Konvertiten zu. Oft scheuen sich auch die koptischen Kirchen davor, Konvertiten offiziell aufzunehmen. Das gilt als Missionierung an Muslimen und somit als Straftat. Deswegen stehen gerade Muslime, die sich zum Christentum bekehrt haben, unter noch größerem Druck, als ethnische Christen, die in dem festgefügten Systemen von Familie und Kirche Kraft schöpfen, um die öffentliche Unterdrückung auszuhalten.
In der Frühlingsrevolution standen Kopten und Muslime Seite an Seite
Die Revolution im Frühling 2011 gegen den ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak war ein Moment des Friedens zwischen den Religionen, vereint im Aufstand gegen soziale Ungerechtigkeit. Bilder von Christen, die auf dem Tahrir-Platz wachen, während Muslime ihre Gebetszeit halten, werden so schnell nicht vergessen. Eine Revolution in diesem gemeinschaftlichen Geist ließ auch Hoffnung für ein demokratischeres und auch religiös freieres Ägypten aufkommen. Doch auch viele neue Unsicherheiten entstehen. Die Opposition ist kaum organisiert, die Islambruderschaft erstarkt, was wenn die Mehrheit der Ägypter sich für einen islamistischen Staat entscheidet?
Missbraucht die Militärregierung religiöse Konflikte zu ihren Zwecken?
Die Situation der Christen scheint sich seit der Revolution tatsächlich eher zu verschlechtern als zu verbessern. Immer wieder werden Kirchen angegriffen. Als am 9. Oktober 2011 Christen und Muslime gemeinsam gegen diese Repression demonstrierten, kam es zu Unruhen durch Schlägertrupps, die sich unter die Demonstrierenden mischten. Vom Militär wurde auf brutalste Weise eingegriffen - 26 Menschen starben und hunderte wurden verletzt. Wer dahinter stand, kann nur spekuliert werden. Sind es Anhänger Mubaraks, oder der Militärrat selber, die religiöse Konflikte anheizen, um zu zeigen, dass Ägypten ohne sie im Chaos versinken wird? Für die Situation der Christen in Ägypten bleibt abzuwarten, welche Ergebnisse die Wahlen am Montag, 28. November 2011 bringen.
Quellen:
- Jacobs, Andreas: Unter muslimischer Führung. Zur politischen und gesellschaftlichen Situation ägyptischer Christen.
- Schwarz, Peter: Arabischer Frühling, ägyptischer Herbst
- Koller, Michaela: Die Angst wächst. Christen werden in Ägypten zunehmend diskriminiert
